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Ben Chananja · 1861-12-06 · 49 (6.12.1861) · p. Seite 420

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
49 (6.12.1861)
Date
1861-12-06
Page
Seite 420 (sequence 4)
Language
German
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420 mentar nur als Zwillingsbrüder denken. Der reichen Fülle ihrer eigenen Erläuterungen gegenüber mußte ferner das nackte Bibelwvrt ihrem Auge arm und dürftig erscheinen. Nur der zurückdatirte Dualismus des Gesetzes konnte also der Ehrerbietung genügen, welche sie gegen daS biblische Alterthum hegten. Auf demselben Standpunkte behauptet Herr Rabb. Freuud, die Thora habe das schriftliche Gesetz im Sinne, indem sie gebietet, man solle die Worte Gottes der Jugend lehren, das mündliche hingegen, indem sie von deren Ein schar suug redet. DaS mündliche Gesetz, sagt er, bedarf der Einscharsung wegen der darin liegenden Tiefe und großen Gelehrsamkeit, während für daö schriftliche Gesetz ein oberflächlicher Unterricht (בלוד בעלמא:) genügt, und De. Kämpf ist von dieser Unterscheidung ganz entzückt! Die Haggada hat den Gesetzes-DualiSmuS nach ihrer eigeuthümlichcu Weise und ihrer emfatischen Schriftdeutung gefeiert, wie folgende Proben zeigen: ״U n d Gott gebe dir v o m T h a u d c 6 H i n! in e l S (l M. 27, 28), — d. i. die Schrift; und vom Fett der Erde, — d. i. die Mischna; und Fülle deS KornS, — d. i. der Thalmud; und deS Mostes, — d. i. die Haggada." - Ausführlicher und mit größcrm Pathos: ")?!5) ׳׳בובב M. 32, 7) Der Höchste lehrt Israel Einsicht und Verstandniß! Denn die Kinder Israel'S betrachteten jedes Wort, daö der Heilige, gelobt fei er, vernehmen ließ, und sie erkannten, wie viele Erklärungen, Halacha's, Schlüsse vom Leichtcn auf daö Schwere und Folgerungen aus der Gleichheit deö Ausdruckes darin enthalten sind!" — ״Er ließ e S h o ch h e r f a h r e n a u f den Hohen des L a n d e 6 (5 M. 32, 13), — durch die Thora; daß es genösse deö Feldes E r z e u g n i ß, — daS geschriebene Bibelwort; und er säugte es mit Honig auS dem Felsen, — der Mischna; und mit Ol auS dem Kieselgesteine, — dem Thalmud; mit Butter der Kühe u n d M i l ch der Schaf e s a m m t dem Fett d c r L ä 111־ m e r und der W i d d e r a u S B a s a u und d e r B ö ck e, — den Schlüssen vom Leichten auf's Schwere, den Folgeruugen auö der Gleichheit deö Ausdruckes und den Ein- Wendungen (.0חשובות; mit dem Nieren fette des Weizens, — den Halacha's, die das Wesen der Thora sind; und der Traube Blut trankst du alö seurigen Wein, — die Haggada, welche daö Herz des Menschen anzieht, wie der Wein!" — ״Sie (die Leviten) lehren Jakob dein e R e ch t e und Israel dein G e s e tz <51 M. 33, 10), — hieraus ist zu ersehen, daß Israel zwei Gesetze gegeben wurden, eines schriftlich (בכר־זב) und eines mündlich <על פה)." Die jüngere Haggada verherrlicht daö mündliche Gesetz alö erklnsiveS Besitzthum Israel'ö; die Schrift hatten auch die christlich gewordenen Völkcr sich zugeeignet 'ל*׳- Unter den Alerandrinischen Juden wurde die filosofische und allegorische Schriftauslegnng, nicht aber daS Religionsgesetz kultivirt und auögcbildet: Philo spricht daher nicht von zweierlei Gesetzen, sondern beschränkt sich darauf, neben dem Gesetze auch die nicht ausgezeichneten ( Gewohnheiten der Juden zu erwähnen 127). Die Tradition im eigentlichen und engsten Sinne kommt ' zuerst in der bekannten Stelle des Josefuö vor, wo derselbe! von den Differenzpunkten zwischen den Farisäern und Sad-! duzäcr» spricht, und letztere nur das geschriebene Gesetz, , nicht aber die U e b e r l i e se r n n g der Väter (nannöocni;! 7wr nattQüv) anerkennen läßt. Mit ״Paradosis" hat Josefus ohne Zweifel daö hebr. Wort Massoreth (^ממו״ )! wiedergegeben, welches ohne Zweifel aus älterer Zeit stammt, wiewol in den vorhandenen Quellen R. A k i b a b. Josef!der erste ist, der sich dessen bedient. R. Akiba lhat nämlich den Ausspruch: ״Ueb er!icse ruug ist ein Zaun um i d a S G e se tz", d. i. durch die überlieferte Auslegung des Gesetzes wird dessen Beobachtung gegen die destruktiven Deuteleien der Gnostiker geschüzt, welche in der Zeit R. Akiba's an der Tagesordnung waren ,28). Im Geiste dieser Marime hat auch R. Akiba allen Eifers und mit einem Erfolge, dessen sich vor ihm Keiner rühmen konnte, daran gearbeitet, das Gebäude der Massoret zu befestigen. Dieses Gebäude überdauerte das gewaltige Rom, dessen Legionen den politisch-nationellen Plan R. Akiba's zu Schanden gemacht hatten. Wiewol ״Massoreth" der einzige prägnante thalmudische Ausdruck für ״Ueberlieferung" ist, so kommt derselbe merkwürdiger Weise in der thannaitischen Literatur nicht weiter vor, und selbst bei den Amoräern hat man eben nicht oft Gelegenheit, demselben zu begegnen. In halach i s ch e r Bezieh u n g w i r d e r i m ganz e n Thal rn. ein einziges M a l g e b r a n ch t, und zwar nicht i m Sinne der vulgären T r a d i t i o n s d o k t r l n, s o n-; t> e v n als Bezeichnung des Herkommens, des!Usus, der herrschend gewordenen Prariö! ״Für! die Unterscheidung der reinen Vögel von den unreinen ist! die Massoreth maßgebend." So lautet der betreffende Grund-! satz. Worin besteht aber diese Massoreth? Nach Raschi ' darin ״daß man sich eriunerl, ein unbescholtener Israelite j habe den Vogel genossen, oder daß man von seinem Lehrer : oder einem kundigen Vogelfänger über die Reinheit des! Vogels unterrichtet worden ist;" nach Maimonides darin, daß die Reinheit deö Vogels an dem bezüglichen Orte allgemein anerkannt wird. Es könnte auffallen, wozu man hier der lUberlieserung bedurfte, indem ja die unreinen Vögel in der Thora nahmhaft gemacht sind (3 M. 11, 13 —19 5 M. 14, 12 18), so daß über die reinen keine Ungewißheit obwal -

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