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Ben Chananja · 1861-11-29 · 48 (29.11.1861) · p. Seite 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
48 (29.11.1861)
Date
1861-11-29
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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414 Premiere fois (laus l' original arabe et accompagnö d' une traduction franeaisse et de notes critiques littöraires et explicatives par 8. Munk, membre de 1' Institut. Tome deuxieme. Paris chez A. Franck, libraire rue Richelieu, 67, 1861. gr. 8. Arab. Tert (in hebr. Schrift) 120 Bl. Preis: 20 Fr., ohne arab. Tert 12 Fr. Nnr cinr vorläufige Anzeige des großartigen Werkes wollen folgende Zeilen sein; eine ausführliche Besprechung hat sich einer unserer Freunde Vorbehalten, welcher sich feit Jahren mit dem Studium der Mainionidischen Filofofie beschäftiget. Der 1. Theil ist 1856 crschieneu. lieber die Bedeutung des vorliegenden Thcils spricht sich der verehrte Herr Verfasser folgender Maßen ans: ״Dieser Theil hat die höchsten Fragen der Theologie und Filofofie zum Gegenstände; und wenn auch die vorgctragcnen Lösungen den Theologen und Filososen nnserer Zeit wenig befriedigen, so gewähren sic doch ein mächtiges geschichtliches Interesse, indem sic uns mit einem Blicke die Probleme überschauen lassen, welche mehrere Jahrhunderte hindurch die hervorragenden Geister dreier Glaubensgenoffenschaften beschäftigten, so wie die Anstrengungen, welche versucht wurden, um zwei scheinbar feindliche Autoritäten, die der h. Schrift und die des Aristoteles, mit einander zu versöhnen. Man mußte sich von der einen oder andern Seite entschließen, gewisse Vornrtheile anfzuopfern, und sich den Fesseln des mißverstandenen Dogma'S oder der schlecht gesicherten filosofischcn Theorie zu entziehen. MaimonideS, ein rationeller Filosos, zeigt für seine Zeit eine erstaunliche Kühnheit als Ereget und eine nicht minder erstaunliche Unabhängigkeit als pcripatctischcr Filosos. Wenn er einerseitS oft die biblischen Tcrte sich den Anforderungen der Zeitfilosofie schmiegen läßt, so fürchtet er andererseits auch nicht, dort an dem Rechte dieser letzter» zu rütteln, wo ihm die Versöhnung unmöglich scheint (Vorr. V ff)." Die Nebersctzung ist klar und fließend, so daß sich nunmehr Jeder, den filososische Materiecn überhaupt anziehen, ohne alle Schwierigkeit mit den filosofischcn und theologischen Anschauungen Maimnni'S vertraut machen kann. Die erläuternden Anmerkungen find sehr ausführlich, und geben dem wißbegierigen Leser Alles an die Hand, waö zum Verständnisse seines Autor'S erforderlich ist. Einen Genuß ganz eigener Art wird der Munk'sche More denen gewähren, die sich in ihrer Jugend, ohne die hiezu erforderlichen sprachlichen und sachlichen Vorkenutnisse zu besitzen, mit dem Studium des More gequält haben*), und selbst in reiferem Alter nur zum wissenschaftlichen Verständnisse einzelner Particen, nicht aber zu einer umfassenden Erkenutniß des Maimomdischen Systems und des Verhältnisses derselben zu der Filofofie der Zeit Maimnni'S gelangt sind. An der Hand Munk'ü ist es nicht schwer, zu dieser Erkeuntniß zu gelange». Es ist übrigens merkwürdig genug: diejenigen jüdischen Gelehrten (in Mittel- und Nordeuropa), welche den Maimonidischeu More bis ans den Heutigen Tag für die magna Charta der Filofofie halten, verstehen denselben an nicht wenigen Stellen entweder gar nicht, oder ihr Verstäubniß ist ein höchst dürftiges; diejenigen hingegen die ihn unter Mnnk'S Anleitung so vollkommen verstehen, wie ihn des Vers filosofisch gebilbeten Zeitgenossen verstanden haben, sind weit entfernt, sich zu allen spekulativen und exegetischen Resultaten Maimnni'S zu bekennen! Eö *) Mir hat vor mehr denn dreißig Jahren der Kryptosabbatäer Veit Lichtenberger in Kolliu einzelne Stellen des More erklärt. Derselbe besaß eine große Belesenheit in der haggadischcn, kabbalistischen und jüdisch-filososischcn Literatur, und benahm sich de» ihn besuchenden Jünglingen gegenüber als strenger Orthodoxe. In Bezug ans den More pflegte er zu sagen: Das Studium des ersten Theils ist nützlich und heilsam: eine — ,מצור־; das Stndinm des zweiten Theils schadet nicht; eine — י• רשות bas Studium des dritten Thcils ist (wegen der Motivirung der Pentatenckischen Gesetze) gefährlich: eine — עברה. ist aber nicht schwer, sich diese Erscheinung zu erklären. Wie der in Stamm und Zweigen fortwachsende Baum zugleich mit seinen Wurzeln sich tiefer in den dunkeln Boden eingräbt, so dringt der reifere Menschengcift in seine eigne dunkle Geschichte tiefer ein. M n n k'S gründ» liche und ausgebreitete Gelehrsamkeit hat die vorliegende Bearbeitung des More ermöglicht; ihre Verwirklichung hat sic seinem freien filosofischen Standpunkte und seiner bewundernswürdigen Hingebung zu verdanken. Dem europäischen Ohre klingen manche Aenßcrnngen M.'S in der Uebersetznng noch kräftiger , als in der Ursprache, z. B.: il ne fant pas faire comme les pauvres darsehanim, . . . aux yeux desquols c’est une tres grand perfection que de parier avec abondanco et prolixitö (p. 227)!! Die in den Anmerkungen oft wiederkehrende Hinweisung auf Aristoteles und die Filososen des Mittelalters wird nicht nur zum Verständnisse des More, sondern auch in anderen Rücksichten vcrwcrlhet werden. Für die Geschichte der Schriftauslegung wären diese Nachweise von »och größerm Wcrthe, wenn der gelehrte Ucbcrsctzcr MaimonideS dem Eregeten mit ebenso scharfer Aufmerksamkeit gefolgt wäre, wie MaimonideS dem Filososen. Namentlich wäre cs nicht überflüssig gcwescn, die Beziehung der Eregese Maimnni'S zu der Nben Esra's mit in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. In dem Briefe Maim.'ü an seineu Sohn Abraham steht allerdings die Versicherung, daß der Epiftolograf mit Aben Esra's Schriften erst nach Vollendung seiner eigenen Werke bekannt geworden sei. Da aber dieser Brief unterschoben ist, hat die Versicherung nicht den geringsten Belang. Dieselbe war von ihrem Urheber wol nur bestimmt, das Schweigen Maimuni's von Aben Esra zu rechtfertigen und zu erklären. Die Rechtfertigung ist jedoch überflüssig, indem Mail», nicht alle Schriftsteller uahmhaft macht, die er benützt, oder gegen die er polemisirt. Der Einfluß der Eregese Aben Esra's auf MaimonideS dürfte schwerlich gelängnct werden könneu, ob auch letzterer die astrologischen Träumereien**) des erster» verwarf, und in der Filofofie nicht dessen Bahn verfolgte. Als Beispiel dieses Einflusses möchten wir die Maimonidische Erklärung von ^להי 5) האלהים ואדוני האדונים M. 10, 17) hervorhebcn (.11, 6) womit A. E. das. und 2 M. 23, 21. und 1 M. 1, 1. zu vergleichen wäre. Die Verwandschaft der mainionidischen Engellehre mit der des Aben Esra springt in die Auge». Maim. sagt a. a. O. unter Berufung auf Ps. 10-1, 4. daß in der Schrift auch die Elemente Engel genannt werden; Aben Esra sagt in der kurzen Einleitung zum Buche Daniel: ובמלאכי מעלה סודות ,עומרים על היסודות wobei auch die bereits angeführte Stelle 2 M. 23. 31. und More 2, 10. zu berückfichtigen ist. Ob nun Aben Esra in der Spiritualifirung biblischer Begriffe originell sei, oder seinen karäischen Vorbildern folge, ist eine Frage, über die schwerlich Jemand befriedigendere Auskunft geben kann, als Hr. Munk, der gründliche Kenner der karäischen Literatur. An manchen Stellen wäre der Widerspruch M.'S gegen Aben Esra's Schrifterklärung hervorzuheben gewesen. So in Bezug auf die Psalmworte: ״Die Hin,- mel erzählen die Ehre Gottes (10, 2).״ Maim. sagt hierüber: ״Wie weit ist derjenige von der Auffassung der Wahrheit entfernt gewesen, welche hier eine einfache Metaser findet! Denn die hebräische Sprache kann die Zeitwörter הניד (anzeigcn) und ספר (erzählen) nur dort anwenden» wo von einem mit Intelligenz begabten Wesen die Rede ist. Dies beweist mit Evidenz, daß der Psalmist hier von dem spricht, was den Ssären selbst inhärirt, und nicht von dem, was ihnen die Menscheu beilegen (2, 5)." Der Ausleger, der hier dcö JrrlhumS geziehen wird, ist Aben Esra. Dessen Worte zu der bezüglichen Stelle lauten **) 5 M. 4, lO findet A. E. eine astrologische Anspielung, Maim. bezieht i. St. auf die durch die Ssären vermittelte Gotteshcrrscbask (2 , 5).

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