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Ben Chananja · 1861-11-29 · 48 (29.11.1861) · p. Seite 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
48 (29.11.1861)
Date
1861-11-29
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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413 cS besser um die hiesige Gemeinde stünde, wenn die hiesigen Loindiin j die Leitung derselbe» in den Händen hätten? Fast klingt es wie Ironie wenn der Vcrf. mit Bezug ans die Träger jüdischer Wissenschaft ansruft ״Wer bat denn unsere unmittelbaren Borfahren aus dem Schlamme emporgehoben und uns die Achtung der Mitwelt verschafft?" Hat er vergessen, daß cs Geschäftsleute, die ans dem Markte des Lebens mehr als ans dem Meere des Thalmnds sich bewegten, waren, welche vor 37 Jahren das GotkeSbanö hier im Widerspruche gegen die damaligen ״Träger jüdischer Wissenschaft" ans seinem Verfall und seiner sprüchwörtlich gewordenen Bersniikenheit heranogerisseii und zu Ehern gebracht baben? Allerdings waren es die Männer des Geistes und Talentes, die der neuen Schöpfung Leben cingehanchl und ihr und mit ihr der bicsigen Gemeinde ehrenvolle Anerkennung nach Außen verschafft; aber nicht als Träger jüdischer Wissenschaft, — sic standen mit wenigen Ausnahmen dazumal wie noch heute ähnlichen Bestrebungen fern, — sondern als Träger zeitgemäßer Bildung und Wissenschaft, die sie auch auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete zur Geltung zu bringen wußten. — Doch das thnr nichts, das alles hilft nichts! ״der Jude wird verbrannt"; die hiesige Gemeinde muß ״k r a n k" sein; ״k 1 a n k" fährt der Verfasser fort, weil hier der T i t n l a r-Ra bbiner j cdem Ein slnsse auf Schule und Synagoge fern steht, und der faktische Seelsorger von den Funktionen der Ehescheidungen und L cv ira tö -Z erem o ni en anSgcschlossen ist!! Krank endlich, weil der Nothschrei, ״der aus offenen Markte bereits erschallt," — und zwar vom christliclicn Elerns, im Interesse des Konkordates seil 12 Jahren am lauresten und heftigsten — ״nicht gehört und keine j »di!che V o l ks s ch!1 l e" — wie sie die Katecheten an den christlichen Volksschulen. die LandcSschnlbchvrde und selbst das frühere Ministerinm B c >׳nfS der Aussch lies!nng j üd ischer K i n d e r ans den cl, r i st l i ch e n Volks s ch n l c n, verlangten . und nachdrücklichst fordcrteil — 11״ o ch II i ch l errichtet i st." Sie kennen, verehrter Freund, die Geschichte der Reformen 1m־ ftrcr Zeit innerhalb des Jndenthnnics, mit namentlich die der hiesigen Gemeinde, um siel׳ ein Urtheil über die Bcrechngnng der vorletzten Anklage bezüglich der Stellung des Rabbiners und deS faktischen Seelsorgcrs zu bilden. Nickt schwieriger dürfte die Benrthcilnng der letztereu Anklage Betreffs der jüdischen Volksschule fallen,!)licht, wie dort insinnirt wird, ans Sehen vor dem Separatismus entsprang der Widerstand und der Kampf des hiesigen Vorstandes gegen den Minisierial-Befchl, in welchem die großherzige Konzession offen gelassen wnrde, daß jüdische Kinder in sehr culsernten Vorstädten christliche Volksschulen besuchen dürfen — es war dies vielmehr eil: Kampf für Menscheu- und Staatsbürgerrechie, ein Kamps gegen gehässige Ausschließung und immer weiter greifende Beschränkung des Inden innerhalb eines geistigen Ghettos; und jeder Billigdenkende wird sich dem Vorstände, der iu diesem Punkte der öffentlichen Meinung Rechnnng getragen, zum Danke verpflichtet fühle». Doch genug über diese Diagnose am Krankcnbctte der hiesigen Gemeinde, die ich als ein historisches Moment in meinem Berichte um so weniger übergehen zu dürfe» glaubte, als sie nicht ohne Einfluß auf die allen zeitgemäßen Anstalten der Gemeinde feindlich gcgenübcrstchcude P a j n t-P a r t e i blieb. Dieser, der orthodoren Synagogenpartei, wie sie sich nennt, war diese Aetzlange, die von intellig. Seite über Haupt und Glieder der hiesigcn Knltnö-Geuieinde geschüttet wurde, Wasser ans die Mühle. Im trüben ist gut sischen, dachte sie, und dein kranken Manne läßt sich waö abringen; wozu noch länger den Anstand wahren? dem kranken Mann thntS der Paletot auch! Kämpft die ״Neuzeit" für den Einfluß des Rabbiners ans die Schule und bezeichnet sic die Stellung und die Wirksamkeit der ״Seelsorger" als eine zwitterhafte lind die Vertretung als ״ein leeres Pnppcnspicl", warum sollte die alte Zeit schüchtern ihre Stimme znrückhalten und nicht ihre ״schönen Baale Batim“ zu v reit bringen? Gesagt, gcthan; eö bildete sich ein Komitö der ״Orthoren", grvßtenthcilö aus früheren Mitgliedern einer benachbarten ungarischen Gemeinde bestehend, die sich sonst als die Metropole der ungarischcnJndcnschaft betrachtete, und stellte dem hies. KnltnS-Gemeindc- Vorstande, wie ich auch aus zuverlässiger Quelle erfahren — denn von dem eigentlichen grünen Tische wird nichts verlantbart — folgende Forderungen: t. ES möge ihnen der Vorstand, gegen tteberlassnng des Hanses in der ״Schönlateruaasse" eine neue geräumige Svnagoge auf dem Kai-Platze zwischen der Leopoldstadt und der inncrn Stadt bauen und ansstaltcn." Ist die Synagoge einmal erbaut — selbst verständlich im alten Style mit dem A l in e »1 o r in der Mitte — hat also die Wie- »er Gemeinde all' die Mißbräuche und lkcbelstände, die sie mit so viclen Opfern iind unter so vielen Kämpfen ans dem Gottesdienste ausgeschieden und beseitiget, mit eigenen Händen wieder eingcführt, zu Ehren gebracht, und mit dein Glanze eines NenbancS ans einem der belebtesten Plätze der Reichs-Haupt- und Ncsidcnzstadt ningebcn, so soll der Vorstand bcscheidcntlich die Laienhaud von diesem Hciligthuinc znrückziehcn, und die innere Einrichtnng und Verwaltung desselben einein von der Synagogen-Gemeinde zu wählenden Synagogcnrathc überlassen. 2. Fordern sic eine Volksschule d. h. nichts geringeres, als die thatsächliche Zurücknahme der früher» Appellation der Vertreter an den Monarchen gegen den erwähnten Ministerial-Erlaß, somit die Jnkrastsetznng des letzter», und, eventuell, da die Volksschulen noch unter der Herrschaft des kath. Klerus stehen, Ausschließung der isr. Jugend ans denselben. Doch dieö ist noch nicht genug; wer einmal zu fordern sich berechtiget hält, wird selten Maß halten. Die Herrn verlangen ferner, daß auch die zu errichtende Schule dem Einflüsse dcö Vorstandes und der bisherigen Bcanfsichtignng der ReligionSschnle entzogen, und dem Synagogenrathe und einem Rabbinate nnlerstcllt werde. Sieht man ans die Thalmnd-Thora-Schnle, die diese Partei seit lange schon ins Leben gerufen hat, wo 5 Stunden des Tages ans Hebräisch verwendet werden, und die armen Kinder nach den!Hegeln der Pädagogik und Didaktik die ganze Thora dnrchlanfcii müssen; wie da ihren zarten Ohren, nach der Vorschrift des beanfsichtigcudeu Rabb. nicht voreuthalten werden darf: weder die Geschichte ThamarS und der Töchter L oth's mit RaschiS Bemerkungen, noch der Kriminalkoder über Blutschände und AehnlicheS; so läßt sich mit Sicherheit annehinen, daß kein Vater, dem die sittliche Erziehung seiner Kinder am Herzen liegt, von einer solchen Schule Gebrauch machen werde. Wie dann, wenn der vbenerwähntc Ministerial-Erlaß zn Kraft besteht? Wohin soll denn der vernünftig denkende Familienvater seine Kinder in die Schule schicken? Sie sehen, wie diese Herren die Gleichberechtigung verstehen: הרוע תתנשאו sprechen Sie den Korachiten nach, aber das בל"* ר־זעדד־־ז כל^כם קדושים erkennen sie nicht an! Bis zur Stunde hat der Vorstand hierüber noch keinen Bescheid abgegeben; man spricht von Transaktione». Wahrlich, wir möchten in einem andern Sinne, als es in den ״Wiener Briefen" geschah, dem Vorstande znrnfen: Videant, caveant cotisules, no quid reapublica detrimenti capiat! m. Literarische Äiyeigen. Le Guide des egai'cs, traits de Theologie ot de Philosophie par Moise Ben Maiiuoun dit Maiinonide. Publiö pour la

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