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Ben Chananja · 1861-11-22 · Heft 47 (22.11.1861) · p. Seite 407

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
Heft 47 (22.11.1861)
Date
1861-11-22
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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407 feine Deuteleien eine Frivolität verrathcn, welcher die Pietät gegen das heilige Alterthum gänzlich fremd ist. Wer nur einigen wissenschaftlichen Respekt vor dem Alterthume hat, kann es unmöglich wagen, dasselbe zum Spielballe seiner Witzeleien zu machen. M. Literarische Anzeigen. Zur Alerander-Sage von E. M. Stern. Wien 1861. Nr. 35 d. Bl. Die Geburtsanzeige diesesWerkcheuS, wurde von anderer Hand bereits in diesen Blättern ausgestellt. Der Zweck dieser Zeilen ist bloß einen kleinen literarischen Beitrag zu geben und einige kulturhistorische Zusammenhänge nachzuweisen. Wir halten uns dazu um so mehr berechtigt, da wir bereits anderwärts über das Muß re hapi« lusufim überhaupt und über diese Abtheilung insbesondere gesprochen und daraus reichliche Proben gegeben haben Alexander der Große, der Schüler des Aristoteles, ist der Held eines großen Sagenkreises im Orient geworden , welche Sagen zum Theil auch nach Europa drangen. Im Thal m u d findet sich auch manche sagenh. Erzählung v. demselben. In den □מוסרי הפילוסופי finden sich allerlei Sprüche und Anekdoten desselben. Eine Stelle auszuheben sei hier erlaubt. ״Zwei prozessirendeParteien näherten sich ihm, um seine Entscheidung zu hören. ״Dem Rechte nach — sagte Alerander zu ihnen — kann nur einer gewinnen, vergleicht euch gütlich, so werdet ihr beide gewinnen2).״ Wie der Leser selbst siehet, so ist die Entscheidung des weisen Monarchen dem Inhalte nach nun das bekannte Sprichwort: ״Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß 3)." Es eriftireu viele Briese — theils echte ') theils unterschobene — die Alerauder mit Aristoteles gewechselt haben soll. Die Regeln über die Regierungöknnst welche Aristoteles für Alexander geschrieben haben soll, enthält das — unterschobene — Büchlein ״ סוד הסודותGeheimniß der Geheimnisse" woraus wir aus manchen Seiten Proben gegeben haben s). Der Tod Alexanders hat die orientalische Fantasie mächtig ergriffen. Man hat mit santasiereicher Ausschmückung viele interessante und eindringliche Gedanken au denselben geknüpft. Diese Gedanken welche den Inhalt der Abtheilung dieses Buches bilden, sind in die Form einfacher Sprüche gekleidet, hie und da machen geistreiche Wendüngen einen Satz interessanter als gewöhnlich. Alle diese Gedanken ergreifen den inner» Menschen. Dieselben waren ihrer inner» Natur nach daö Material, woraus man von jeher Grabreden, erbauliche Predigten, Grabschristeu machte. Fantasie, Witz, Rhetorik und alle Künste der Sprache haben nur diese Gedanken in unzähligen Formen reproduzirt. Es sind diese Gedanken rein menschlich, gleich weit von filosofischeu Dünke! als von geisttödtenden Aberglauben entfernt. Es war das rein Menschliche, welches ehmals ihnen Werth gab, und es ist dieses allein, welches heute noch ihnen ihren Werth erhält. Es dürsten sich hier manche Leser der berühmten Grabrede Massilons über Ludwig XIV. erinnern. Es dürften dieselben vielleicht nach reiflicher Betrachtung zum Schluß kommen, daß die genannte Rede den simpelu Sprüchen unseres Büchleins uachstehe. Wir sind selbst dieser Meinung. Die Gründe dafür sind verschiedener Natur, deren Entwickelung aber Raum und Zeit hier nicht gestatten. Es dürste sich vielleicht anderwärts eine Gelegenheit dazu bieten. Vielleicht, daß wir schon zu lange dem Leser mit Allgemeinheilen schwer gefallen sind, einige Einzelnheiten mögen sich nun denselben anschließen. Einige Stellen auszuheben, mit einigen Bemerkungen begleitet, sei hier erlaubt, umsomehr da die gedruckten Ausgaben sehr fehlerhaft sind. Manche dieser Stellen finden sich in der Handschrift — welche uns zu Gebote stand — mehr korrekt. Das erste Kapitel dieser Abtheilung enthält einen Brief Aleranders an seine Mutter, um sie über seinen bevorstehenden Tod zu trösten. ES finden sich darin unter andern folgende Worte — תפרצי בנפשך במדות החלושות באימות המלכים והחנש^י בנפשך מה שהתנשא בנך בנפשו ויהי גודל סבלך כפי גודד ״ שברך. —Lasse die Schwäche. welche Königsmüttern sich zu bemachtigen pflegt, keine Gewalt über dich haben. Erhebe dich durch deine Seelenstärke, wie dein Sohn in der seinen. Die Größe deiner Geduld möge der Größe deines Schmerzes gleichk o m m e n." Das sinnreiche orientalische Mährchen von dem Hemde des G l ü ck l i ch e n darf in gewisser Beziehung als ergänzendes Seitenstück zu der geistreichen Parabel unseres Buches (ebendaselbst) von der Mahlzeit, woran nur glückliche Theil nehmen sollen betrachtet werden. Der Inhalt des Mährchen vom H e mb e des Glücklichen ist in kurzen Worten folgender. Eine Prinzessin wurde gefährlich krank, die Aerzte haben dieselbe ausgegeben. Jedoch sagten dieselben, das Hemd ei n e S G lücklich e n könnte sie — wenn sie es anzieheu würde — retten. Nach allen Ländern hin sind nun Gesandte ausgezogen, um einen Glücklichen zu finden, und ihm für sein Hemd ein halbes Königreich zu bieten. Es wollte sich keiner finden. Jeder hatte etwas auf dem Herzen, welcher ihn eines großen Theils seines Glückes beraubte. Endlich traf mau einen Menschen in Traümen versunken, der in Monologen sich als den Glücklichsten der Menschen pries. Der Gesandte war froh, endlich einen Glücklichen zu finden, und bot ihm für sein Hemd das halbe Königreich. Dieser Glückliche aber — hatte kein Hemd auf dem Leibe. Solche Erzählungen enthalten die Geheimnisse der menschlichen Brust. Jede dieser Erzählungen wiegt eine ganze Bibliothek von moderneu Predigten auf. Abschnitt 5 Nr. 19. די לני ראייה בחדושים אשד יתחדשו כי הוהב רתיד מצפון ^ר^כסנרר ועתה נעשה criN בבני ״ ^י^כסנדר מצפון והב.Wir sehen Wunder genug sich unter den Menschen ereignen. Gestern hielt Alexander daö Gold verborgen, heute hält das Gold ihn verborgen." (Der goldene Sarg in welchem sein Leichnam gelegt wurde). Ebendaselbst Nr. 25. דנר־ו זה הגוף ד־^פניך שאל על מה ״ שלפניו ואל תשאל על מה שאחריו.Dieser Körper liegt vor uns, frage was ihm vorangegangen ist °), und nicht was zurückblieb. ״(Eineu Vers ähnlichen Inhalts haben wir in Frankels Zeitschrift 1859 S. 191 gegeben, so wie auch im Zion II)." Ebendaselbst Nr. 29. וןאת המלכות גדמ^ה ורחבה ^יך ״ יכילוהו ארבע אמות.Dieses große und ausgebreitete Reich, wie ist eö von 4 Ellen sdaS Grab) umschlossen." So sagt auch Pe troniuö (Sathren 8- H5) ״quiuque pe. dura fabricata domus“ (daö 5 Fuß breite Haus ך. Schiller's Zeilen überschrieben ״das Kind in der Wiege" enthalten diesen Gedanken in umgekehrter Form. Es darf hier auch noch das folgende a r a b isch e Sprichwort einen Platz finden. ״Erst der Staub füllt das Auge des Menschen" (d. i. der Staub des Grabes ")- Solche Sprüche können zwar aller Rhetorik entbehren, jedoch kann dieselbe ihnen äußern Glanz verleihen. Ebendaselbst Nr. 49. חמורת השוד. בין הנכבד והנקלה במשכב העפר מפני של^ת השוה בחייכם ביניהכם במלכודת ״ ויכולת.Aus dem Staublager macht der Tod Geringe und Vornehme gleich. Macht und Herrschaft hat im Leben einen so großen Unterschied zwischen ihnen gemacht."

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