Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1861)
- Date
- 1861-11-22
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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406 merter kein improvisirter war, schöpfen wir aus seiner Trans- Portfähigkeit nach 250 Jahren (Sukka 25 a; Sota 13 a). Selbst während der thalmudischen Zeit waren Särge im Gebrauch (O. Moed Katan 25 a. 27 a. und a. O.) Da findet sich aber auch von den Scherben keine Spur, und wenn im Thalmud vom Zndrücken der Augen und Aufbinden des Kinns die Rede ist, so sollte damit bloS der Zutritt der Lnft verhütet werden (Sabbat 151 b), was durch die Scherben destoweniger bezweckt wird, als sie zu den spätsten Liebesdiensten, am Rande dcS Grabes oder im Grabe, gehören. Auch Maimonideö, der ebenfalls von Holzsärgen spricht (H. Abel 4, 4), weiß von den Scherben noch nichts und erst später, nachdem der Beth Josef (I. D. 362, 1) die Leiche direkt in die Erde zu senken empfiehlt, ״בקרקע ממש" um die Verwesung zu fördern, wie es noch heute in Palästina der Gebrauch ist, tauchte die Scherben-Idee auf (ש״ך das.) wie es scheint, um das Einfällen der Erdschollen in die Augen- und Mundhöhle wenigstens im ersten Augenblick zu verhüten. Da nun bei uns Särge Anwendung finden (in unserer MustergeMeinde sogar Tischlerarbeit mit schwarzem Anstrich), so dürfte leicht von den Scherben Umgang genommen werden können. Was vollends die Grabsteine betrifft, so wundert uns nicht wenig zu vernehmen, daß darüber in der Residenz keine wachende Kontrolle besteht, so nöthig es auch ist, die Jrrthümer, die bald durch den Schreiber, bald durch den Graveur entstehen, vorher anszumerzen, wenn nicht oft das Gefühl der Pietät von dem Gespötte verdrängt werden soll. Da stellen wir unsere Gemeinde wieder zum Muster auf, wo die Revision der Inschriften einem Gemeinde- Gliede anvertranet ist, das Alles leistet, was es kann. Dasselbe Mitglied verfaßt auf Verlangen zugleich Aufschriften gegen sehr mäßiges Honorar, welches es dem Spitalfonde -»fließen läßt.!מהרו עשו כמונו Korrespondenz. Ausland. Trier, Ende Oktober. Der Artikel ans Köln in Nr. 42 des ״Ben Ehananja", in welchem der dortige Rabbiner, Hr. I)r. Schwarz so heftig angegriffen ist, hat mich sehr nnangcnchm berührt. Ich bin anch einer von den in diesem Artikel erwähnten Rabbincn, welche bei der Einweihungsfeier zugegen waren und kann ich daher aus eigener Anschauung sagen, daß das so scharfe Urtheil über den Hrn. Di׳. Schwarz gewiß ein zu strenges ist. Er hat dort den Ruf eines wohlwollenden und thätigcn Rabbiners und wurde ihm am Sabbat Morgen nach der Rede vom Vorstande für seine Bemühung und Thätigkeit in Be- Ziehung ans die Einwcihnngsscierlichkeiten, öffentlich gedankt. Ob er der dortigen Aufgabe gewachsen ist, vermag ich zwar nicht zu beurtheilcn. Es würde aber anch jedem andern noch so tüchtigen Rabbiner bei der jetzt dort eingeführtcn neuen Organisation nach dem Gesetze von 1847, nach welcher hanptjächlich du- Repräsentanten Alles zu bestimmen haben, der Rabbiner, ja sogar der Vorstand säst eine Null sind, sehr schwer werden, was tüchtiges zu bewirken. Einen Beweis des Edelmuthcs dieser Herren Repräsentanten werde ich vielleicht bald zu veröffentlichen Gelegenheit haben. Oberrabbiner I. K a h 11. «, Paris, Mitte November. Je weniger unsere Großrabbinen litcrärisch thätig sind, desto größere Beachtung finden ihre litcrärischc Erzeugnisse. Einer der produktivsten derselben ist Herr Klein, Großrabbiner der Oberrhein-KonsistorinmS in Kolmar. Von demselben ist in franz. Sprache erschienen: eine ausführliche hebr. Grammat.; Elementarbegriffe der hebr. Gramm.; Führer bei der Ncbcrsetz. des Pcntatench'S; das Judenth. oder die Wahrheit über den Thalm. In hebr. Sprache gab er heraus: מענה רך על ה!ות קשה . Schutzschrift für die Rabbinen Seligman Gotscha nnd Meir Lambert; ׳דברי הסיוטי□ וזעקחם Apologie der Pijjntim nnd des Gebrauches ders.; ׳מפני?!שט Krittk der Frankel'schen Hodegctik; האמת והשלו□ אהבו Sendschreiben an Rapoport zu Gunsten Hirsch'S »nd contra, Frankel. Herr Klein schreibt korrekt nnd elegant hebräisch, und ist in Frankreich als Vorfcchtcr der Orthodoxie bekannt. Von den deutschen Forschungen auf dem Gebiete der jüd. Geschichte nimmt er keine Notiz. Rapoport kennt er bloß aus dem Lobe, welches der Gelehrsamkeit desselben in öffentlichen Blättern gespendet wird. In dem Scndschrcibcn sowol als in der Kritik hält er, wie Dr. Weil sagen würde, die ״vulgäre Traditionsdoktrin" fest, was anch Rapoport thnt. Allein während Rapoport die Kollision zwischen dieser Doktrin und Frankel'S Darstellung zu vertuschen sucht, hebt Herr Klein dieselbe schonungslos hervor. Gegen Rapoport wird also Herr Klein wol Recht behalten. Frankfurt am Main, 14. November. Unser Hirsch hat vor Kurzem den Lesern seines Jeschurnm eine förmliche Possenrcißcrci über den Leviathan znm Besten gegeben. Die Possenrcißerci als solche hat natürlich keine weiteren Folgen, höchstens gibt sic in thalmudknndigcn Kreisen Gelegenheit zu unschuldigen Scherzen. Aber die Symbolosirniig deS Leviathan mit Zubehör hat bei vielen Orthodoxen gewaltigen Anstoß gegeben. Bekannt!, hat MaimonideS das eschatologische Symposion der Frommen, wovon im Thalmnd die Rede ist*) symbolisch ansgefaßt; sein Gegner N. Abraham ben David weist aber mit Recht auf die im Thalmud vorkommendcn Einzelnhciten jenes Gastmals hin, welche gegen die maimonidische Symbolisirung feierlichen Protest einlegen. ״Wenn er geschwiegen hätte", fügt R. Abraham hinzu, ״wäre viel besser für ihn gewesen (Tesch. 8, 4)!" Diese Worte hat ein milde gesinnter Orthodoxer in Amsterdam in einem hicher gerichteten Schreiben auf Hrn. H. angcwendct. Die rigorosorcn Orthod. dringen aber, wie ich höre, ans eine deutlich ausgesprochene Wiedcrrufung des Leviathan- Exkurses, der nach ihrer Meinung die heiligsten Geheimnisse des Thalmud profanirt, und der Willkür des Rationalismus Thür und Thor öffnet. Man ist hier gespannt, wie sich Herr Hirsch aus dieser Klemme ziehen wird. Es ist übrigens merkwürdig, wie sich dieser wirklich geistvolle Mann in seine fixen Ideen hineinlebt, und der Geschichte selbst dort in'S Gesicht schlägt, wo er sich ans das Zengniß derselben beruft. Und er thnt dies nicht nur der jüd. Geschichte gegenüber, anch die allgemeine Geschichte muß ihm das aussagen, was er sic eben will aussagen lassen. ״Die Gewalt verschmäht es, sich mit Geist zu paaren, und geht daher entmannt, ohne Zukunft, zu Grunde." Das ist ihm ein weltgeschichtliches Ariom. Aber seitdem sich Alexander der Mazedonier mit Aristoteles ״gepaart" hat, wurden die Bestrebungen des Geistes oft genug von der Gewalt begünstigt; wenn letztere häufig zu Grunde ging, so gibt die Geschichte für jeden einzelnen Fall die zureichenden Ursachen dafür an. Für Hrn. H. gibt cs aber nur ein einziges wissenschaftlicheü Forum: seine lebhafte Fantasie! Am drolligsten sind seine Etymologieen. Das uralte primitive Wort!!?^״Mutter stammt von dem Bindcworte □□Nt ab, weil die Mutter das ״Wenn", die conditione aine qua non der Familie ist!! Herr H. sollte einsehcn, daß *) S. ״Be». Ehan." 2, 562. R e d.