Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1861)
- Date
- 1861-11-22
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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404 ThcoguiS, einer der ältesten griechischen Weisen, hat die folgende Zeile der Nachwelt als Erbschaft hinterlassen: ״Nimmer geboren zu sein ist dem Erdensohne das beste')-" Menander, der alte Lustspieldichter, sagte ohngefähr, daß wenn ihm die Götter die Wahl ließen abermals zu dieser Welt zurückzukehren, er würde trotz aller glänzenden Anerbietungen nicht mehr zurückkehren'O- Epikur selbst hatte ohngefähr dieselben Worte wie T h e o g n i S Es waren dies Griechen, welchen diese Welt das höchste war, und welche sich das Leben zu verschönern wußten, und dieses der Nachwelt als Erbstück hinterlassen haben. Die Griechen hatten für Heuchelei zwar ein Wort, machten aber von der Sache selbst weniger Gebrauch, als wir. In gewisser Beziehung als Seitenstück zu den vorhergenannten Stellen mögen auch die Worte eines berühmten arabischen Arztes hier angeführt werden, welcher erblindete. Ein Augenarzt erbot sich, ihm das Augenlicht durch eine Operation wieder zu geben. ״Ich habe schon genug gesehenH" erwiderte der blinde Arzt, und wies damit das Anerbieten des Augenarztes zurück. Im Thalmud lesen wir ähnliche Stellen wie bei den Griechen. Sie sind im orientalischen Kostüm gegeben. 3 Jahre — so lauten die thalmudischeu Worte — haben S chama i und Hi l lel gestritten: ob es für den Menschen besser wäre, geboren oder nicht geboren zu sein, aber endlich haben sie sich entschieden, daß es besser sein würde, wenn der Mensch nicht geboren wäre-נוח לו לאדם שלא נברא משנברא) .(׳). Jüdische Leser wissen, daß diese Worte in den Gebeteil für I om Kippur sich finden. Um Erbauung zu erregen hat man diese Worte — wie natürlich — dort eingefügl. Der Streit zwischen Schamai und Hillel: ob das Sein oder Nicht sein des Menschen besser wäre, ist ein allgemeiner Streit der Ansichten, der, wie über so viele audere Dinge, heute auch noch geführt werden kann. Derselbe hat aber mit der Ansicht von der Präeristenz der Seele nicht den geringsten Zusammenhang'׳). Es ist die Annahme der Präeristenz der Seele eine rein metafisische Behauptung, und dürfte mit der Moral selbst sehr wenig Verbindung haben. Man hat diese thalmudische Stelle auch mit der Idee der E r b s ü n d e in Verbindung bringen wollen 7). Da die Griechen — wie gezeigt wurde — diesen Gedanken bereitS hatten, so hat er dadurch der ganzen Menschheit angehört, bevor die Welt von der Erbsünde etwas gehört hat. Diese Stelle mit der Erbsünde in Verbindung zu bringen, ist übrigens ganz ungeschichtlich, da die Erbsünde im Judenthum nicht dieselbe Bedeutung hat wie im Christenthum. Etwaige thalmud. Stellen die man damit in Verbindüng bringen kann, sind mehr historischer Natur. Die thalmudische Stelle ״Vier sind gestorben durch den Nalh der Schlange" drückt aus, daß durch die Schlange der Tod in die Welt gekommen und Naturgesctz geworden ist^). Die Worte, daß die Schlange eine Art geistige Unreinheit in Eva geworfen hat") (הטיל זוהמא) ist mehr dogmatischer Natur, als die vorige, ist aber genau genommen nichts anderes als eine thalmudische Ansicht ohne dogmatische Wichtigkeit. Die Ophiten, eine gnostische Sekte, sollen die S ch l an g e a n g e b e te t haben. Die angeführte thalm. Sage, daß die Schlange eine moralische Unreinheit zurückgelassen haben soll in der menschlichen Natur, hat daher nicht die geringste Verbindung mit den O p h i t e n. Die etwaigen Zusammenhänge dieser thalmudischeu Stelle mit platonischen Gedanken, wenn solche uachgewiesen werden könnten, wären noch in Erwägung zu ziehen. A u 11t e r k u n g e n. ') Griechisch» Blilinenlese von Jak» b'S Buch XII. Nr. 21. '0 Stobäns. (Wir bedauern unser Notat darüber in diesem Augenblick nicht finden m können). 0 Diogenes Vaerti n s Aei. G p i t n r §. 27. ') Wir haben dies in einer Note im Zion II. bereits angeführt. ׳) Bergt, :übrigens auch unsere rabbinische Spruchknndc Seite 52 Nr. m. ') Bcrgl. oben S. 350 und unsere Btnmcnlesc S. 34. ׳) Bergl. diese Blätter S. 350. s) Bcrgl. A r u ch Art עט. '') Bcrgl. Arnch Art. CH]. .»]emeiiiöe־ uni) " . v. AbzusteÜmde Mißbräuche bei Nabbittutsbesetzuugeil. Bon Rabb. M. F e i n- Schon gegen daö Ende deS 10. Jahrhunderts erhoben die gefeiertesten Männer Klage darüber, daß viele Gemeinden unberufene Individuen, denen alle Qualifikation zum Rabbinerstande abgeht, als Rabbiner anstelle«. Damals wurde dieser Uebelstand hervorgerufeu durch zwei herrschende Mißbräuche: Simonie und Nepotismus. Nicht dem Würdigsten und Befähigtesten, sondern solchen, die entweder dem Säckel der einstußreichen Vorsteher Rechnung trugen, oder welche sich zufällig ihrer Verwandschaft erfreueten, wurden durch allerlei Kniffe und Kunstgriffe Amt und 31 D7$$$^^