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Ben Chananja · 1861-11-22 · Heft 47 (22.11.1861) · p. Seite 402

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
Heft 47 (22.11.1861)
Date
1861-11-22
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
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402 den kann; soll nun Gott nicht nehmen das Leben (d. h. soll dein Leben nicht in einem deiner Nachkommen gefährdet sein), so mußt du daran denken, daß dein Sohn in der Verbaunung nicht verkomme." — Gott ahndet die Sünde der Väter an Kinder, Enkel und Urenkel, bei denen, die ihn hassen, aber er erzeugt Gnade bis in das tausendste Geschlecht, denen, die ihn lieben und seine Gebote halten (Erod. XX. 5. 6. XXXIV. 7). Das heißt nicht etwa, daß die Person des Vaters die Vergeltung empfangen soll, denn das wäre eine Unbilligkeit; sondern dem Sohne oder Enkel wird Lohn oder Strafe für die Handlungen des Vaters, weil die Seele des Vaterö im Sohne und im Enkel lebt, weil Vater Sohn, Enkel u. s. w. eine und dieselbe Person sind. — Ganz konsequent bildete sich im Volke das Sprichwort: ״Die Eltern essen unreife Trauben und die Zähne derKinder werden stumpf (Jerem. XXXI. 29. Ezech. XVIII. 2)." Der Profet Ezechiel sucht dieser Anschauung, welche zu seiner Zeit das Volk geradezu in Verzweiflung zu versetzen und seine sittliche Kraft zu lähmen drohte, eine andere Richtung zu geben. Es ist wahr, sagt er (v. 7.), daß die Seelen in einem gewissen Zusammenhänge stehen, daß Vater und Sohn gleichsam nur eine und dieselbe Seele sind und j das Verbrechen des Vaterö auch dem Sohne Verderben und Tod bereiten könne. Dennoch aber (v. 5. und ff.) behaupte ich: wenn der Vater Recht und Tugend geübt, in den Wegen Gottes gewandelt u. s. w. und erzeugt einen Sohn, der lasterhaft und blutdürstig und in Allem das gerade Gegentheil ist von dem, was der Vater gewesen, dieser, der Verdienste seines VaterS ungeachtet, Strafe und Tod zu leiden haben werde. Und wenn wieder dieser gottvergessene Frevler einem Sohne das Leben gibt, der mit aufrichtigem Herzen der Frömmigkeit und der Rechtschaffenheit sich befleißigt, so wird er die Sünde seines VaterS nicht zu büßen haben, und vielmehr zum Lohne der eigenen Sittlichkeit eines glücklichen Lebens sich erfreuen. Denn, sagt er weiter (v. 21) zur Begründung der ausgesprochenen Behauptung, wie wäre eS denn, wenn der schuldbelastete Vater selbst seine Mißethateu bereuen und sich bessern wollte? gewiß würde ihm alles Böse, daö er geübt, verziehen werden, und er nur den Lohn seines gegenwärtigen rechtlichen Wandels j zu genießen haben. Also, selbst zugegeben, Vater und Sohn sind dieselbe Person, wie kann gegen den Sohn mit größerer Strenge vorgegangen werden, als gegen den Vater selbst? Wenn der Vater durch eine gründliche Besserung den üblen Folgen seines sündhaften Lebens sich zu entgehen vermochte, warum soll dies dem Sohne nicht gestattet sein? Haben also auch die Väter sauere Trauben gegessen, so ist eö doch nicht unbedingt u o t h w e n d i g, daß die Zähne der Kinder stumpf werden.-In den späten! biblischen Schriften wird an dieser Idee des Fortlebens der Altern in den Kindern überhaupt, und der Vergeltung, wie sie den Kindern für die Thaten der Altern werden soll insbcsondere, vielfach gerüttelt. So Hiob (VII. 7): ״Denke doch ein Hauch ist nur mein Leben, mein Auge sieht dann nichts Gutes mehr. Wie ein Wolke hingeht und schwindet, so, wer in den Scheol hinabfährt, er steigt nicht mehr hinauf!" Und weiter (XIV. 7. und ff.): ״Der Baum hat noch Hoffnung, wird er gefällt, er grünet wieder, seine Sprößlinge bleiben nicht aus. Aber der Mensch, der stirbt, steht nicht wieder auf, bis die Himmel vergehen erwacht er nicht aus seinem Schlafe. Werden seine Kinder geehrt, er weiß eS nicht, trifft Kränkung sie, er erfährt nichts davon." Noch schärfer spricht der gekränkte, unschuldige Dulder sich später aus (XXI. 19): ״Ihr sagt", heißt es dort, ״Gott spart die Strafe des Mißethäterö seinen Kinden! auf? Aber ihn selbst müßte vielmehr Gott strafen, daß er es fühle. Seine eigenen Augen müßten daö Unglück sehen, er selbst sollte aus des Allmächtigen Zorneskelche trinken. Denn was k ü m m e r t ihn das h i n t e r l a s s c n e H a u 8,׳ wen« seiner Monden Zahl geendet ist." — Schon die ersten Verse des Koheleth (I. 4 und ff.) ״Geschlechter > gehen unter, Geschlechter entstehen, aber die Erde bleibt immerwährend" u. s. w. soll nach Raschbam (zu Deuteronom. XX. 8) die Bedeutung haben: der Mensch ist in dieser Beziehung im Nachtheil gegen alle andere Geschöpfe, daß daö nachfolgende Geschlecht das vorhergegangene nur oft nicht zu ersetzen vermag. Die Sonne geht unter und dieselbe Sonne geht wieder auf, aber Geschlechter vergehen und ganz andere Geschlechter, oft von weit geringerem Werthe treten an ihre Stelle, der Sohn i st oft aus der Art geschlagen und dem Vater ganz u n ä h nlich. Ob dies wirklich der Sinn ist, der in diesen Versen liegt, wollen wir dahingestellt sein lassen. Bald jedoch wird diese Klage ganz deutlich ausgesprochen. ״Ich Haffe", sagt der Unzufriedene, ״alle Arbeit, die ich selbst unter dem Himmel mit Mühseligkeit vollführt, und einem Menschen hiuterlassen soll, der mir folgt. Wer weiß, wird er ein Weiser sein oder ein Thor? und der soll schalten über alle Arbeit, die mir so viele Mühe und Nachsiunen aus Erden j gekostet, wahrlich eö ist auch dies eitel." — ״Ein Mann, dem Gott Reichthum, Güter und Würden zugetheilt bat, es fehlt ihm an Nichts, was er nur immer wünschen könnte, aber Gott versagt ihm die Macht, das Seinige zu genießen, denn ein Fremder soll eö verzehren, dies ist eitel und eine böse Krankheit." ״Denn eö soll ein Mann hundert Kinder zeugen, viele Jahre leben, und fortwährend an allen Gütern des Lebens Ueberfluß haben; wenn er selbst das Gute nicht genießt, wenn ihm vielleicht nicht einmal eine ehrenvolle Leichenbestattung dafür wird, fürwahr die Fehlgebürt ist glücklicher als er" (daselbst VI. 3). Dagegen wird

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