Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 46 (15.11.1861)
- Date
- 1861-11-15
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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399 Herr L. kann cS nicht begreifen, wie ich, der kleine Mann, den Mnth haben könne, ihm dem langen Goliath cntgegenzutretcn, und cs gewährt wiederum einen klaren Einblick in seine sittliche Anschauuttgswcise. wenn er die Erklärung nicht darin sucht, daß. wenn Goliath nichts, als das Schwert, den Speer und den Spieß der Lüge besitzt, NM seine Bestimmungen *ti stützen, es selbst dem, wie er mich nennt, Unbedeutenden und Unbekannten nicht schwer fällt, mit der Schlender der Wahrheit ihm den Kopf zn spalten, sondern nur. in meinem Verlangen: bekannt zn werden. Nachdem cs dem alles Wissens und aller Bildung baarcn Herrn L., von dessen Dasein außer seiner nächsten Umgebung Niemand Kenntniß gehabt. gelungen ist, sich ösftntlich — was ja auch die Familien Garmn, Abtinaö re. (wovon sich Herr L.. wenn er überhaupt die Mischna lesen kann, in Joma 3, 1l überzeugen kann) vermochten — wenn auch לגנאי genannt zu sehen, so fühlt er sich dadurch ganz außerordentlich geschmeichelt, und kann sich nun. nachdem er sich sogar so berühmt gemacht, um zur Einweihllng der Synagoge zn Köln cingcladen worden zu sein — kaum denken, daß irgend Jemand, die Gelegenheit, bekannt zu werden, nngcnützt vorübergchen lassen werde. Einen Beweis von großem Scharfsinn liefert Herr L. in der Entdeckung, daß ich durch mein Belcidigtscin über seine Verleumdung eine entsetzliche Unwissenheit bekunde, die ihm, dem gefühlvollen Menschenfrenndc. das Herz an Mitleid brechen läßt, daß ein ungünstiges Geschick mich zum Rabbiner gemacht hat. Er weiß zufällig, daß der Gebrauch des Schofar am R. H durch eine (abweichend von Herrn Lehmann, der eine;מרה שאינה שור ist) Gcscra Schava ״herauögcfnndcn" wird. In der Voraussetzung nun, daß ich die Jnterpretatiousregeln der ״ש) nicht als מסיני betrachte, sagt Herr L., müsse ich, da ich seine Verleumdung für eine Verlcnmdnng erkläre, meinen, das Schofarblasen am Neujahrsfeste sei in dem Schriftworte deutlich ausgesprochen. Großer, sittlicher, reiner Lehmann! Was sind alle Erfinder in der Welt gegen Dich, der Du uns mit der Lehre überraschest: eine Verleumdung, die sich nur auf einen Gegenstand מדרבנן bezieht, sei gestattet. Ach! daß dein Herz so vergeblich ob des Mitleids wegen meiner bluten muß. Beruhige Dich, mein Freund! Hätte mich das Geschick auch zu etwas anderem gemacht, als zu einem Rabbiner, und ich hätte in Deinem weltbeglückendcn Blatte gelesen, daß in der hies. Synagoge am R. H. nicht mit dem Schofar geblasen werde, ich hätte die Mühe nicht gescheut, solches als eine Verleumdung zu bezeichneu. Deine Behauptung ist — ich will cs Dir: weil Du'S mit deinem verschrobenen שכל vielleicht nicht verstehst, nochmals deutlich sagen — nach den Begriffen jedes gerate und redlich denkenden Menschen nicht erst daun eine Verleumdung, wenn man annimmt, ת״ש sei deutlich in der Thora geboten, sondern sie ist es dadurch, daß sie erfunden, erlogen, unwahr und deshalb veröffentlicht worden ist, um mich vor den Augen derer, die, ob mit Recht oder Unrecht, den Gebrauch des Schofar am N. H. für eins der wesentlichsten Gebote des Judenthumö halten, als den leichtsinnigen Zerstörer der heiligsten Gebräuche hinznstellen. Um schließlich noch einen Beweis für die ״Bewußtheit" des Herrn L. zu liefern, verweise ich auf den ״leitenden Artikel" ui Nr. 43 seiner Zeitung, in welchem ein Herr S. aus Berlin ihm so tief eingreifende Worte schreibt, die er in aller Harmlosigkeit abdrucken läßt. Dort heißt cs Seite 514: ״Wir freuen uns jeder Erhebung der Orlhodorie, wir begrüßen jedes frische Lebenszeichen derselben, wenn diese Erhebung, wenn dieses Leben getragen wird von dem ernsten, sittlichen Kern der Wahrheit. Nicht immer ist das Orthodoxie, was sich mit dem Nimbus derselben bekleidet, nicht immer das konservatives Jndenthum, das diejenigen jüdischen Seiten aufgreift, die im Vergleich zu den großen jüdischen Wahrheiten als kleine erscheinen." Möge Herr Lehmann das sich merken und — beherzigen. Ben Israel, Rabb. Inland. Wien, 12. November. Nicht nur eine eigene Volksschule fordert der orthodoxe Theil der hiesigen Gemeinde, sondern auch eine eigene nach seinen Grundsätzen zu erbauende und einznrichtende Synagogc und einen eigenen vom Gcmeindevorstandc unabhängigen Synagogcnrath; nur die Verwaltung soll eine gemeinschaftliche bleiben. Die Gewährung dieses Verlangens, gegen welches sich vom Standpunkte der Gewissensfreiheit sicherlich nichts einwenden läßt, ist nur noch eine Frage der Zeit. Von allgemeinem Interesse ist das Auftreten der hiesigen Orthodoxie besonders deshalb, weil cs uns den Werth unserer Reformen würdigen lehrt. Daß unsere Tempel mit ihrer Ausschließung der Muttersprache aus der Liturgie, ihrem einjährigen Thorazyklus und noch anderen positiven und negativen Eigenthümlichkeiten die Bedürfniffc der ״Hiesigen" im enger» Sinne und auch eines Theiles der Eingewanderten nicht entsprechen, ist eine unbestrittene und unbestreitbare Thatsache. Aber wir trösteten uns stets mit der Erwägung, daß ein streng konservatives Vorgehen in Rücksicht ans die Gesammtheit der Gemeinde geboten, und jeder Grilnd oder Vorwand zur Spaltung zu vermeiden sei. Hat nun dieses streng konservative Vorgehen daö gewünschte Ziel erreicht? Leider antwortet die Erfahrung: nein! Sehr treffend sagte neulich ein hervorragendes Mitglied der Gemeinderepräscntanz: ״Unsere Tempel sind rcsormirt genug, um ihre Feinde abzu׳ stossen, aber nicht rcsormirt genug, um ihre Freunde anzuziehen." Aus Siebenbürgen, Anfangs November. Nachdem das Gubcrninm nicht nur die Mnnizipicn, sondern auch die größeren Grundbesitzcr wegen der Maßregeln, die in Rücksicht auf die Theuerung, von welcher das Land bedroht ist, zu ergreifen wären, vernommen hatte, erließ dasselbe im Geiste und nach dem ausgesprochenen Willen der öffentlichen Meinung ein Verbotgegen die Erzeugung geistiger Getränke. Kaum war dieses Verbot publizirt, als sich eine Deputation nach Wien begab, um bei der Siebenbürgischen Hoskanzlci die Sus- Pension des Verbotes zn erwirken, was auch wirklich gelang. Warum ich Ihnen dies mittheilc? weil die Deputation aus Juden bestand und nur Juden vertrat. Es kommt mir nicht zu, die Maßregel von national-ökonomischen Standpunkte zu beleuchten; hat ja die oberste Behörde die Verantwortlichkeit für die Fortdauer der Brennereien übernommen! Sehr schmerzlich ist cs aber unter den vorwaltenden Nmständen. daß Juden mit der öffentlichen Meinung in Konstikt gerathen. Die großen jüdische» Gemeinden in Wien, Pest und Preßburg sollten mindesten'S auf die jüd. Inhaber der größeren Brennereien einwirke», und dieselben vermögen, sich, so lange die Krisis dauert, der Ausübung ihres Gewerbes zu enthalten, um allen Unannehmlichkeiten vorzubeugen. Die Journale heben leider schon hervor, daß Juden die Aufhebung des Gubernial-VerboteS erwirkt haben. R. Zichydorf, Ans. November. In Nr. 44 der ״Ben Chan." zieht Herr Kohn gegen die Vüsürhelyer Schule zu Felde, bricht hierbei über Lehrer und Leiter dieser Anstalt dermassen den Stab, daß wir cs im Interesse der Wahrheit und der persönlichen Ehre des angegriffenen Thcile für unsere Pflicht halten einige Vemerkungen dagegen hier zu machen. Zuerst müßte meines Erachtens, bevor ein öffentliches Institut, zu dessen Gedeihen die mannigfachsten Momente Mitwirken, an den Pranger gestellt wird, genau untersucht werde», welches der eigeutliche Grund eines etwaigen Verfalles desselben sei. Unserer Ueberzeuguug gemäß ist dieser bei der Vüsürhelyer Schule am allerwenigsten in der Schule selbst d. i. in dem Leiter und