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Ben Chananja · 1861-11-15 · 46 (15.11.1861) · p. Seite 400

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
46 (15.11.1861)
Date
1861-11-15
Page
Seite 400 (sequence 8)
Language
German
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400 Len Lehrern dieser Anstalt zu suchen. Daß diese Schule in den Herren Wilheim und Engl zwei vom heiligsten BcrufSeifer beseelte, kenntnißreiche, geschulte Lehrer besitzt, wird wol Herr Kohn, der gewiß nur in reiner Absicht geschrieben, ganz gern zugeben. Wie wäre es dann bei solchen Kräften möglich, daß ein Institut verkümmere, wenn nicht der Grund hierzu anderswo läge. Die häusliche Erziehung ist'S, die in Vüsärhely so sehr im Argen liegt, und die der Schule hemmend in den Weg tritt. Andererseits stellt Herr Kohn zu hohe Anforderungen an die Volksschule, die keinen Handwerker, keinen Künstler, keinen Geschäftsmann und keinen Gelehrten entläßt. Sie gibt die Grundlage zur Fortbildung nicht nach einer, sondern nach allen Richtungen. Das weitere geben die Sonntags- und Wicdcrholnngsschuleu, die Realschulen und die Gymnasien. Das was Herr Kohn der Vüsnrhcly'er Schule zur Last legt, gälte somit von allen andern Schule». Wollten doch endlich so einsichtsvolle und verständige Gemeindeiuitglicdcr, wie Herr Kohn, aufhören, jedes Gebrechen das der Schule anhaftet, den Lehrern zur Last zu legen, vielmehr allen ihren Einfluß dahin gebrauchen, daß die Schule als Heiligthnm der Gemeinde betrachtet werde, das durch jede Berührung mit dem Eisen der rohen Gewalt entweiht wird. Dann könnte durch langsame Entwickelung die Schule das ihr vcrgcsteckte Ziel erreichen. Joachim Heitler. Miszellen. XXVII. Der Name eines Thalmudisten. Wir finden den Namen 1" שימי; derselbe legte einem andern Thalmudisten eine Frage dialektischen Inhalts vor, worauf derselbe die Worte an ihn richtete*) שימא את das wäre zu übersetzen ״du bist ein Verblender." Es stünde in Verbindung mit dem Thalmndischen סומא (blind). Das gebrauchte שימו würde hier so viel als ססמא hießen. Im Arabischen heißt auch Simijah Blendwerk, natürliche Magie. (Jbn Challican II. S. 288). XXVIII. Ein aufgelöster Elenchus in Midrasch Jalkut zu Sprüche Sal. 10, 19. Der vorliegende Midrasch hat uns einen aufgelösten Elenchus anfbewahrt, der allem Anscheine nach von den Eristikern der Megarischen Schule hcrrührt. Wir lassen denselben weiter unten in Nebersetzung folgen und erlauben uns nur eine nothwendige Bemerkung voran zn schicken. Die Eristikcr waren die geistigen Athleten Griechenland's, sich ein Geschäft daraus machend, ihre Zuhörer ans öffentlichen Plätzen und an den Tafeln der Könige durch ihre Geschicklichkeit in der Dispntirkunst und in der Dialektik zu unterhalten und zn belustigen. Ihre Form bestand in der Hcraussindung der feinsten Widersprüche in der Behauptung, die Zemand anfstellte, ihn dadurch in Verlegenheit zu bringen und lächerlich zu machen. Ohne ans de» konkreten Inhalt eines *) Die Worte sind im יוהסן Art. רב und שימא angeführt. Eigentlich genommen ist der Name שימי nichts anderes als das biblischt שמעון man findet im Thalmud davon ר׳ סימא סימון u. s. f. Begriffes einzngchen, hielten sie sich blos an das formekle Wort, und die Zweideutigkeit desselben gab ihnen Stoff zn allerlei Witzen und Späffen. Die in jeder Logik angeführten Beispiele von SofiSmaten als die öwQtirr,!; und <0^»ג»ין? find eigentlich von ihnen ans uns gekommen, wie wir auch bei Aristoteles eine Menge von ihren Elenchen vorfinden, die er später aufzulösen sich bemühete. Dies genügt Jedermann zu überzeugen, daß unser Midr. die logische Auflösung eines alten El. zur Erklärung einer Schriftstelle benützte. Wer dieser אנדרימס war, konnte ich nicht ermitteln, nur soviel ist historisch bekannt, daß die Gristiker am Hofe der Ptolemäer cine.bedeutende Rolle gespielt. Der betreffende Midrasch lautet: Zwei Anwälte traten vor den Richtcrstnhl eines weisen König's. der Eine zn plaidiren für die Kunst der Rede, der Andere für die des Schweigens. Und es erhob Erstcrer seine Stimme, sprechend also: Herr und König! Groß sind die Segnungen und Wohlthatcn der Sprache; sie ist unter allen Erdcngütcrn das kostbarste Geschenk des Himmels. Welche Beweisgründe vermagst du uns für deine Behauptung anznführen, entgcgncte der König; worauf der Redncr begeistert erwicderte: Königlicher Herr! durch die Gewalt der Sprache herrschen Könige und Fürsten mächtig über Völker und Nationen; wäre die Sprache nicht, es gebräche ihnen der Zauberstab , mittelst welche» sie Wunderdinge hcrvorbringen; durch die Sprache verkünden wir die unsterblichen Verdienste unserer Dahingeschicdenen, es gäbe nicht Nachruf und nicht Nachruhm wäre die Sprache nicht; durch die Sprache wird gepriesen der Liebrcitz unserer Schönen, ohne Sprache würden die zarten LiebeSregnngcn des Herzens im Keime ersticken-, die Sprache ist das wichtigste Band des geselligen Lebens, wir hätten keinen Verkehr, keinen Handel und Wandel wäre die Sprache nicht; die Sprache ist die Pflegerin der Kunst und Wissenschaft, es könnten sich nicht stolze Schiffe Bahn brechen über die schäumenden Flinhen des Meeres, wäre die Sprache nicht gewesen. Deine Gründe leuchten mir ein, sagte der König, und sprach zu dem Zweiten: Nun! Welche Gegengründc könntcst du uns ausühren! Schon schickte sich dieser an, das Wort zn ergreifen, als sein Gegner ausrufend: Triumf! der Sieg ist für mich errungen, ihm auf den Mund schlug und die Rede unterbrach. Welche Verwegenheit! rief d. König zürnend, worauf jener sich folgcndermaffen rechtfertigte: Herr und König! Wenn ich mir der Sprache als Waffe siegreich bediente, ich hatte guten Fug dazu; ich vcrthcidigte dnrch's Wort daö Wort; darf es aber dem Gegner der Sprache gestattet sein, das Wort als Waffe zu ergreifen zu Gunsten des Schweigens? Schweigend möge er für das Schweigen plaidiren, wie ich redend für die Rede! Wer über die Sprache den Staab bricht, begibt sich selbst des Rechtes zu sprechen, und darum schlug ich ihn auf den Mund. Die Pointe des Sofism. liegt hier in der Zweideutigkeit des Wortes: Schweigen. Wol stellet der Anwalt der Schweigekunst sie höher als die Redekunst, er verstehet aber bloö darunter die Gabe, seinen Worten zuweilen Einhalt zu thnn; doch der Eristiker, in gewohnter Weise das nackte, formelle Wort ausbeutend, erhascht es und bringet seinen Gegner derart durch eine geschickte Wendung in die Klemme, daß er gar nicht zn Wort kömmt. Ganz richtig löst unser Midrasch den Elenchus durch den Satz auf: Nicht die Sprache schlechthin ist verwerflich; sondern ihr Mißbrauch — die Geschwätzigkeit; nicht im Schweigen bestehet die Klugheit und die Lebenskunst — sondern in der Schweigsamkeit und Bezähmung der Sprache. Rabb. M. F e i n. Szegedin, Verlag von Sigmund Lurger. Leipzig, Aoinmisflons-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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