Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 45 (8.11.1861)
- Date
- 1861-11-08
- Page
- Seite 388 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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388 B. Beer um Juden und Judcuthum erworben hat, eine Stiftung in'S Leben rufen wollen, welche den Namen des edlen Verblichenen tragen soll. Bereits sind nahmhafte Sninmen gezeichnet und hoffentlich bin ich bald in der Lage, Ihnen das Schlnßrcsnltat zu berichten. Nach dem Muster von Berlin bat sich jetzt auch hier eine ״Gesellschaft der Freunde" gebildet. Das gesellige Znsainincnlcbcn unter den Inden soll dadurch gefördert werden, und verspricht man sich in sozialer Beziehung große Erfolge. Ein derartiger Zentralvnnkt für das gesellige Leben unter den Inden hat sich hier gewissermassen als Bcdiirsniß hcransgcstcllt. Die Inden sind nämlich von christlichen Kreisen nicht ausgeschlossen, aber in denselben auch nicht sehr eingebürgert. (-) Belgrad (Serbien) 2!>. Oktober. Vergangene Woche hat hier eine von der Regierung nicdcrgcsetzte Kommission zur Organistnun; des jüdischen Gemeinde- und Schulwesens ihre erste Sitzung gehalten, welche sich dem Vernehmen nach auf gründliche Eruirung der gegenwärtigen Zustände beschränkte. Wer der Rabbiner sei, wer ihn gewählt habe, welche Kenntnisse zur Bekleidung eines RabbinatcS erfordert werten, mit was für Besähignng die Lehrer ihr Amt antreleu, und nach welcher Anleitung sie der Jugend den Unterricht ertheilen, — diese und ähnliche Fragen sollen bereits zur Sprache gekommen sein. Unser edler, großherziger Fürst wird ganz gewiß von den wohlwollendsie» Absichten gegen seine jüdischen Unterthanen geleitet. Es ist nur zu wünschen, daß die jüdischen Mitglieder dieser Kommission sich selbst über die nnlengbar vorhandenen Mängel keine Jlllisionen machen, und solche Maßregeln anrathcn mögen, welche geeignet sind, die Knltnr der serbischen Inden zu heben, ohne religiöse Bedenken und Skrupel zu! erregen. Die Schwierigkeiten, welche hier einem gcordn. Schulunterrichte n. anderen Verbcsscrnngeu, welche dieZeit dringend fordert, ciitgegensteben, sind allerdings nicht gering anznschlagen. Aber schon nnsere alten Weisen sagten: ״Nach der Anstrcngnng zur Verwirklichung des Gnten richtet sich der Gotteslohn!" Wenn, wie mit Zuversicht zu erwarten steht, die hiesige jüdische Gemeinde, welche viele einsichtsvolle und biedere Männer zu ihren Mitgliedern zählt, den hnmanen und inenschensrcnndlichcn Absichten des Fürsten bereitwillig ciitgegeiikommcil wird, werde ich Ihnen hoffentlich recht bald Erfreuliches zu melden haben. Amsterdam, 22. Oktober. Gestern ist der allgemein verehrte Dajan unserer Gemeinde, Herr Abraham Susan mit Tod abgange». Der Selige hat sich testamentarisch alle Lobeserhebungen verboten. Sein literärischer Nachlaß besteht in folgenden Werken: Novella'ü zu den sechs Ordnnnge» der Mischna, zur Gemara Keritor und die Satznn-! gen von שח׳ עיסות. (Ha-Magg.). ן Posen, 20. Oktober. Der auch den Lesern Ihres Blattes > rühmlich bekannte Or. Joses Perles aus Baja ist bei der hics. I Gemeinde definitiv als Prediger angestcllt worden. Im kommenden April | wird seine Installation erfolgen.! Inland. - Auö Mähren, i. November. Wiewol wir unser Landesrabbinat besetzt wissen, unterlassen wir dennoch nicht, die Landesrabbinatfrage zu ventiliren. Es ist dies sehr natürlich, da sich drei Parteien, wenn auch noch nicht sörinlich gegenüberstchen; so doch in nicht gar ferner Z n k n n s t gegenüberstchen werden: Die P l ac z e k i a n e r , die F e u ch t w a n g i a n e r , und — diejenigen, die gar kein Landesrabbinat haben wollen, also — die N e ssnniancr! Ich will es nicht verinchcn, diese Parteien näher zn schildern; dies möge Anderen überlassen bleiben. Dagegen gestatte ich mir, meine Jnangnrativn als Ihr Korrespondent durch folgende Thesen zn feiern, welche ich gegen jede Einwendung zn vertheidigen be- I. Das Landesrabbinat ist ein in jeder Rücksicht heilsames, ehrwürdiges, auch in Zukunft aufrecht zn erhaltendes Institut. II. Die Verwaltung des Landesrabbinates durch ein einziges Individuum muß als zweckwidrig, ja als gefährlich bezeichnet werden. HI. Zur Leitung der Geschäfte des Landesrabbinates ist ein ans drei Nabbine» und zwei Laie» bestehendes Kollegini» erforderlich. IV. Die Wahl und d. Best, des GeschästskrciseS dieses Kolkeginms muß von den mährischen Geincindcn ausgehen, und bedarf der Bestätigung cs GnberninniS. V. Die Bcanfsichtignng der Schulen ist jedenfalls in das Resfort des Landesrabbinates zn ziehen. VI. Nach dun jüd. Grundsätze: מעיין בקדש ולא מורידין bleibt der gegenwärtige prov. Landesrabbiner in seiner Wurde, und führt daher auch den Vorsitz bei dem zn wählenden Kollegium. Dies sind meine Thesen! — Sollten sich, woran ich keinen Angcnbl. zwcistc, Opponenten dagegen vernehmen lassen, so werde ich nicht säumen, mich als Respond. cinzusinden. Ans den cothurnus logic118 kommt cs natürlich bei dieser Disputation nicht an, wol aber ans Kcnntniß der Verhältnisse, ans die Lehren der Erfahrung, ans ein unparteiisches Urrheil, und ans jenen edlen Gcineinsinn, der im Eifer für das Einzelne das Wohl der Gesammthcit nicht ans den Auge n verliert. /.Witt», 20. Oktober. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat soeben au den Gemeindcrath der Residenz ein Dankschreibei! gerichtet. Der Gemeinderath hat nämlich jüngst den Beschluß gesaßt, das Staatsniinisterium zn ersuchen, damit die mittelalterliche Gepflogenheit im hiesigen Gebärlianse anrherc und jüdische Mütter nicht ferner gezwungen werden, ihre Kinder taufen zn lassen. Herr Gemeindcrath Knranda wies in der Sitzung darauf hin , daß der große Stifter des Krankenhauses, daß Kaiser Josef gewiß am allerwenigsten daran dachte, daß iil dieser Anstalt Gewissenszwang ausgeübt werde. — Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit die Bemerknng: cs befinden sich im hies. Gcm. Rathe drei Inden, die Herren Will,. Frankl, Ignatz Knranda und Mor. Pollal, diese gehören zu den tüchtigsten Vertretcrn in der Kommune. Sic flehen aber ebenso wacker und mannhaft für jüd. Interessen ein. Wie ich höre gehen einige Mitglieder der hiesigen Gemeinde, welche sich orthodor nennen, damit um, den Vorstand zn bitten, daß er eine südische Volksschnle errichte. Wir gestehen ansrichtig. so sehr wir sonst für die Errichtung einer jüdischen Volksschnle das Wort sühreu möchten, so scheint uns der jetzige Augenblick am allerwenigsten dazu geeignet, tim diese Idee ansznsühren. Von allen Seiten wird darauf gedrängt die Schule von der Kirche zn trennen. Wollen die Inden gegen den Strom schiviminen ¥ Gelegcnheitlich sei es bemerkt, der Titel orthodor ist eine Erbschaft des Graf Thnn'schen SistemcS. In Wien gibt es unter den Inden nicht Orthobore und Reformer in dem Sinne, wie sie in Berlin re. gefunden werden. Die Orthodoxie war jedoch von dem Herrn Grasen % h 11 n mit einem Talismane ansgestaktet und leider sind trotz Schmerling »och Männer im Amte, welche dem Konkordatsininifler und seinem System ganz ergeben sind. Hoffentlich wird die: Zeit auch in dieser Beziehung eine Klärung bringen. t. Iankovstez, 22. Oktober. Vorgestern wurde das ganze Vermögen eines hiesigen jüd. Einwohners ein Raub der Flammen. Durch freiwillige Spenden der Gemeindeglied er wurde ihm gestern ein bedentender Theik seines Schaden ersetzt. Die H. H. Aron Lcvi und Sal. Scheffer zeichneten sich bei dieser Gelegenheit besonders aus. Auch die christlichen Einwohner boten dem Verunglückten menschensrenndlich die Hand.