Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 44 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 380 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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380 langt derselbe, um dem Gesetze zu genügen, daß die betreffenden Geistlichen ihre Einwilligung dazu schriftlich ertheilen mögen. Dieser Tage hat wirklich ein, einer fremden Legation angchörender Familienvater seinen Knaben diesem Institute zugeführt und zwar mit ausdrücklicher Erlaubniß seines Geistlichen! Auch ein Zeichen der Zeit! Szegedin, im Oktober. Von dem sei. Joch ans n Pope ist ein literarischer Nachlaß zurückgeblieben, dessen Herausgabe vr. Jcllinek übernommen hat. Wir werden nächstens einige Proben mitthcilcn. H.-M.-D«s«rhely, im Oktober. Es ist eine Thatsache, die sich nicht leugnen läßt, ei» Uebclstand, der vor Allen, besonders den Gebildeten in unserer Gemeinde tief gefühlt wird, daß sich die Schule seit langer Zeit in einem höchst verkommenen, den Anforderungcn unserer nach Bildung strebenden Zeit in keiner Beziehung genügenden Zustande befindet, und daß das Absein eines s chmäßig gebildeten Rabbiners auf die Rcligiösität der Gemeinde einen höchst nachtheiligen Einfluß übt. Wir wollen uns in keine eingehende Schilderung dieser trostlosen Verhältnisse einlaffcn, da man aus einer solchen leicht Persönlichkeiten heransklügeln könnte, was wir umsomehr bedauern müßten, da wir nur das Prinzip, um welches es sich hier handelt, vor Augen haben. Daß wir in unserem absprechenden Urthcile über die Kultus- und Schulzustände Väfürhely'S, wie bemerkt, nicht allein stehen, beweist der Umstand, daß auch in den maßgebenden Kreisen der Gemeinde bereits vielfach über Reorganisation debattirt wurde. — Den Plänen zcitmäßiger Reformen wurde jedoch mit dem Einwandc entgegengetreten, daß die gegenwärtigen Zustände wohlfeiler, und daher den finanziellen V e r h ä l t u i s s e n der Gemeinde zuträglicher seien. Mit tiefem Bedauern müssen wir eingestehen, daß diese Einwendung alle bisherigen VerbesserungSprojekte zu vereiteln droht. Die hohe Bedeutung eines geordneten und entwickelten Schul- Wesens im Allgemeinen darzustellcn, halten wir für überflüssig, denn eS ist nicht leicht jemand Barbar genug, um zu verkennen, daß Bildüng und deren Früchte, nämlich Erweiterung des geistigen GesichtskreiseS, Veredlung des GemütheS und der geselligen Umgangsformen zu den dringendsten Forderungen unserer Zeit gehören. Sollten sich unter unfern Alten dennoch welche finden, welche sagen: ״Haben wir uns unter den alten Zuständen wohl befunden, so werden diese auch für unsere Kinder genügen", so antworten wir ihnen: Ihr habt eben unter ganz anderen Verhältnissen gelebt, und der Umstand, daß Ihr selbst zurückgeblieben seid, gibt Euch nicht das Recht Euren Kindern die Schätze der Bildung vorzuenthalten. — Auf einen Umstand wollen wir jedoch ganz besonders aufmerksam machen. Die Angehörigen der jüdische Gemeinde Vüsrirhcly zählen, wie die der meisten Jsraelitengemeinde», der Mehrzahl nach zum Handelsstande. Zn früherer Zeit nun, wo die Konkurrenz geringer war, der Kredit noch weniger benutzt wurde, die Geschäfte noch nicht so ausgedehnt und die kaufmännischen Wissenschaften, eine ordentliche Buchführung, Korrespondenz k., noch weniger im Gebrauche waren, als jetzt, genügte eö, wenn ein Geschäftsmann die rein materielle Seite seines Geschäftes kannte, und höchstens seinen Namen nothdürftig zu kritzeln verstand. Gegenwärtig jedoch wird vom Kaufmann allseitige merkantilische Ausbildung gefordert, und nur im Besitze dieser wird er im Stande sein seinem Geschäfte Achtung, Kredit und Ausbreitung zu verschaffen, und die Konkurrenz anderer anzuhalten. Was soll aber aus einem Geschäftsmanne werden, zu dessen Ausbildung eine so durchaus ungenügende Grundlage gelegt wird, wie sie unsere Schule zu bieten vermag? Er wird entweder sein Geschäft auf das Minimum einschränken, oder sich oft zu seinem größten Nachtheile ans seine Ge- Hilfen verlassen müssen, diesen förmlich auf Gnade und Ungnade ergeben sein. Aus dieser Betrachtung leuchtet aber von selbst ein, wie wenig begründet die Befürchtung sei, daß die Hebung der Schule große finanzielle Opfer erfordern würde. Für den Augenblick müßten freilich Opfer gebracht werden; mit der Hebung der Bildung würden jedoch, abgesehen von den geistigen Vortheilcn, die Geschäfte der Einzelnen, und dadurch der Wohlstand der Gemeinde unendlich an Ausdehnung gewinnen, und es würde bald das ausgelegte Kapital mit tausendfachen Zinsen heimgezahlt werden. Noch eins müssen wir bezüglich der Schule besonders betonen. Die Israeliten genießen allenthalben mit Recht den Ruf, daß Ihnen ein großer Drang nach Ausbildung innewohnt, und daß sie insbesondere auf die Erziehung ihrer Kinder sehr viel verwenden. Wir glauben nun daß es uns in Väsürhely durchaus nicht zur Ehre gereichen würde gegenüber unseren anderen Glaubensgenossen länger zurückzubleiben. Was die Anstellung eines fachkundigen Rabbiners betrifft, so ist auch diese ein unabweislichcS Bedürfnis;. Wer immer mit den isr. Kultnrverhältnissen, in denen die vollste Autonomie herrscht, vertraut ist, der wird von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß nur allein ein tüchtiger Rabbiner sich binlängliche Autorität zu verschaffen vermag, um die Rcligiösität ungetrübt aufrecht, und in den fiuanziellen, oft sehr verwickelten israelitischen KultuSangelcgenheiten Ordnung zn erhalte». Ueberhaupt ist eine jüdische Gcmeiude ohne Rabbiner eine Heerde ohne Hirten, welcher die größte Gefahr der völligen Auflüsung droht. Alle diese Auseinandersetzungen wollen wir hiemit unserer Gemeinde dringend ans Herz gelegt haben. Wolf Koh n. Literarische Äuzeigen. BLEICH מחליא• Die Fabeln des Sofoö. Syrisches Original der griechischen Fabeln des SophoS ,c. Mit deutscher Uebcrsetzung von vr. I. Landsberger, Posen 1859. 8. Fortsetzung und Schluß*). Der Vcrf. betrachtet (S. 43) die Fabel von den 2 Frauen, welche den Mann kahl machten. Es ist hier die Priorität nicht nachzuweisen. Denn es hat auch in Athen eine Zeit gegeben, wo cs erlaubt war, 2 Frauen zu heiraten "). Die griechische Fabel hat statt der 2 Frauen 2 Hetären, welches au der Sache selbst nichts ändert. Diese Fabel, oder vielmehr die Anspielung darauf, hat eine weite und langdauernde Zirkulation erhalten. Ein arabisches Sprichwort auf diese Fabel anspielend, zirkulirt heute noch in Aegypten '׳)- Mit der thalmudischen Stelle wo l4 Dinge aufgezählt, wovon eines das andere überwindet '*) vergleicht der Verfasser (S. 53) eine indische Fabel, welche eine gewisse Aehnlichkcit mit unserer Stelle hat. Die gedrungene Kürze der hebräischen Stelle, das Schlagende in der Aufeinanderfolge derselben gibt ihr ihren Werth. Der thalmudische Ausspruch — dort für einen andern Zweck gebracht — כל המקצר (,9״ חריזה משובהwer sich kurz ausdrückt ist preisenswerth" verdient auch seine Anwendung. Die 7 Fräsen des menschlichen Lebens, welche So lo n und Hiporates bereits beschrieben haben"), finden sich auch im Midrasch. Dort ist eine Vergleichung mit gewissen Thieren hinzu gefügt. Der Verfaffer vergleicht damit (S. 59) die Fabel von BabriuS (Nr. 74). Die schlagende Kürze des Hebräischen gibt auch demselben einen bedeutenden Werth. ') S. vor. Nummer S. 372.