Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 44 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 378 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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378 I es doch gleichviel ob man diesen oder jenen, oder gar keinen Begriff damit verbindet. Als die Geheimnisse geoffew bart wurden, waren sie freilich noch keine Vernunftswahrheiten; aber sie wurden geoffenbarr um eS zu werden, sie waren gleichsam das Fazit, welches der Rechenmeister seinen Schülern voranssagt, damit sie sich im Rechnen einigermasscn darnach richten können. Wollen sich die Schüler aber damit begnügen, so würde die Absicht dcS Meisters schlecht erfüllt und der Schüler nie Rechnen lernen." Daß aber die Offenbarung wieder nur ans verstandeömäßigem Wege, nämlich durch besondere Erweckung und Erleuchtung vcrnunftbegabter, zur weiteren Verbreitung derselben auserkorener Wesen geschehe, scheint wenigstens annehmbarer, als die auf außerordentliche Weise. So sind daher die Inspirativnen der Profeten einer höheren Begeisterung, einer reichlicheren Entwickelung derselben zuzuschreiben, und natürlich mußten also zu solch erhabenen Missionen nur solche Personen ausgewählt werden, deren hervorragende geistige Anlagen sie dazu befähigten. So Abraham für das damalige aramäische, so Moses für das jüdische Volk. So sind auch zwar im weitern Sinne des Wortes, die Natur, die Geschichte u. s. w. Quellen der Offenbarmlg für den, der dafür ein offenes Auge und Ohr hat. - Offenbarung ist demnach nichts anders als eine durch die göttliche Weisheit veranstaltete höhere Erleuchtung auserkorener Wesen zur allgemeinen Belehrung so wie zur Er- Weiterung und Entwickeluug vernünftig-religiöser Ideen. Die Grundlage der Religion ist also unstreitig der Rationalismus, und in Sturmschritten naht die Zeit heran, wo unsere Geistesbildung von den Fesseln einer verdummenden Bevormuuduug befreut, dem echten Rationalismus den vollständigen Sieg erringen wird. Es wird und muß sich der Rationalismus Bahn brechen, der mit dem Glauben an zwar noch unerwiesene aber durch höhere Inspiration mitgetheilte Wahrheiten nicht im Widerspruche steht, der aber an die Autorität den Probirstein der Vernunft und des Verstaudes legt, und daS ihnen widerstreitende als Unreines und UnheiligeS aus dem geweihten Tempel Gotteö verbannt und auöweist. Also nie dürfen wir uns mit dem bloßen Glauben begnügen, immer müssen wir dem Leitstern der Vernunft folgen, um in ihrem Lichte durch die Funktionen des Verstandes die Wahrheit auch zu erfassen, zu begreifen und sie durch unsere Selbstthätigkeit gleichsam von Neuem zu schaffen und zu unserem Eigenthum zu machen. Erziehung ist Offenbarung an einzelnen Individuen, Offenbarung ist Erziehung des ganzen Menschengeschlechtes, und so wie die Erziehung dem Menschen nichts Neues gibt, sondern nur in die Höhe zieht, was in seinem inneren Boden als Keim verborgen liegt: ebenso gibt auch die Offenbarung dem ganzen Menschengeschlechte nur das, aber früher was die Vernunft dennoch einmal, wenn auch später als Prinzip oder Gesetz aussprechen muß. In der heiligen Schrift wird der blinde Glaube selbst an die höchsten Wahrheiten nie anbefohlen, höchstens ist er ein Verdienst, da er immer ein früheres Nachdenken vorauSsetzt. Abraham glaubte an Gott, und er rechnete es ihm zum Verdienste an. Die israelitische Religion kennt darum auch keine Dogmen d. b. gewisse Grundsätze, deren Glaube zur Pflicht gemacht wird. וידעת היום והש׳ א״ל heißt eö iu der heiligen Schrift, du sollst erfassen, begreifen und erkennen nnd dann cö Dir zu Herzen nehmen, daß ein überirdisches heiliges Wesen über Dich waltet. Das Nachdenken wird zur Pflicht gemacht nnd nicht der blinde Glaube. Dies ist ein beachtenswerthes Moment der israelitischen Religion, das sowol vor Aberals vor Unglauben schützt. Wer gäbe daß das ganze Volk der ewigen Profeten wäre, daß er seinen Geist über eS auöschütte, ruft Moses in erhabener Begeisterung. Die Offenbarung war die Hebamme der Vernunft, und nun muß die großgezogene Vernunft die greise Offenbarung stützen nnd erhalten. Vernunft und Offenbarung in ihrer Einheit und wechselseitigen Wirkung sind somit die Hauptfaktoreu der Religion und die Grundbedingungen zur wahren Religiösität*). Lin ' " MenM aus dem L6. Jahrhundert. Mitgeth. v. Prof. Stößel in Brünn. Im hics. mährischen Landeö-Archive ist ein aus Korsn datirtes in Quadratschrist auf Pergament geschriebenes Dokument anfbewahrt, das wol schon durch dessen Alter, 343 Jahre, und dessen Inhalt für den Geschichtsforscher interessant ist; dies aber noch mehr wird durch das wahrhafte Räthsel, wie das Aktenstück von dem AuSstellungsorte hicher nach Mähren gelangte, und ich veröffentliche hiermit das Original samuit der Uebcrsetzung, vielleicht gelingt es hierdurch, die Spuren des langen Weges, den dasselbe gemacht hat, aufzufinden. Dasselbe lautet: ויהי בשנת הרעה לפג ל׳בע׳ בהדש השביעי בחג הסכות ה*איש ה^כזר והעריץ כלי זעמו של הק׳ב־ה ושבט ^פו 71ה אמורר ביאי משנה למלך ושליט בעיר ירושלים תו׳ב׳ב, אמר בלבו לעל ורה על היהודיבס אשר בעירו וגבס על בני ישר^ל החונים בחברון, זמם לעשות בן: ויאמר ארדוף אשיג אבוז בז ואשבה שבי מן היהירים אשר בשתי הערים בעודם לבטח אתי ויבצע אמרו־סו ויגור אמר ויקום: ביום ההוא באו ן^נשיו על חברון ויהרגו עכם רב מן היהודיבס העומריבס על נסשבס וכל רכושם הביאו שלל עד בלי השאיר להם פליטה ומהי׳ בארץ: וינוסו אנשיכם מחי מעט מנוסרת הרב וירדו ^תרץ בירות: וטרם נסעם מהרו להביא את ספרי התורה הקדושה בחיקם ויבקשו להוציא את כלי הקדש עמהם וב׳ע׳ה לא מצאו דבר: *) Vergl. die Grnndlehren der Religion Israels, ״Ben Chananja" 1, 49—69. Red. 18911178