Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 43 (25.10.1861)
- Date
- 1861-10-25
- Page
- Seite 371 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543066--2322-2546089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
371 Wir verkünden die wechselnden Zeiten des Jahr'S, den Frühling, den Sommer, den Winter: Der .Kranich, er mahnt euch zu säen im Herbst, wenn er krächzend nach Lybien wandert, Und der Seemann hängt sein Steuer alsdann in den Rauch, um aus'S Ohr sich zu legen: Den Orestes heißt er sich weben ein Kleid, um im Frost cs nicht stehlen zu müssen. Kommt aber der Weih, so verkündet er euch nach dem Winter die mil, dcre Jahreszeit, Wo die Frühlingswolle den Schafen ihr müßt abschecren; die zwitschernde Schwalbe, Die erinnert euch jetzt, zu vertrödeln den Pelz und ein sommerlich Röckchen zu kaufen; Kurz, Anlmon sind wir und Dclfi für euch unb Dodona und FöboS Apollon! Stets wendet ihr euch an die Böget zuerst, eh' eure Geschäft' ihr besorget, Als: Lohnarbeit und Kauf und Verkauf und Ehevcrlöbniß und Hochzeit *).״ Aber nicht nur in dem Fluge, auch in den Lauten der Vögel glaubte man Spuret. göttlicher Eingebung zu finden (Herm. das. Anin. 5), woraus sich die Anknüpfung des Midrasch an die Worte יוליך את הקול erklärt. Hieher gehört auch die griechische Mythe, nach welcher Melampuö, Kassandra, TiresiaS dadurch zu Sehern wurden, daß Schlangen ihnen die Ohren reinigten, damit sie die Stimmen der Vögel verstanden (Herm. das. Anm. l2). Auf gleiche Weise und wol unter hellenischem Einflüsse hat die Haggada den König Salomo mit der Kunst ausgerüstet, die Laute der Thiere zu verstehen: Kohcl. rabba 1, 1-, wo nicht ׳מצויץ sondern מצייץ zu lesen ist, wie aus Aruch 8. v. erhellt; im Jalkut 1 Kön. Nr. 175 und bei Raschi das. 3, 15. steht dafür מצפצף. Letzterer spricht geradezu von einer Sprache (לשונו) der Thiere, was die Midraschim nicht thun. Kimchi führt den Midrasch imSinne Raschi's an,'jedoch nicht vollständig, indem er nur d. Sprache der Vögel erwähnt. Das Targum Scheni zu Esther läßt sogar einen wilden Hahn (תרנגול ברא) vor dem Könige Salomo einen Vortrag halten, und von demselben eine diplomatische Mission über« nehmen. Der Thargumist gefällt sich in fantastischer Dichtung; die naive Anschauung des Alterlhumö ist bei ihm nicht mehr voranszusetzen. Bei der wichtigen Rolle, welche der thargumistische Faschingsschwank dem Hahne zutheilt. erinnert man sich unwillkürlich au die Verherrlichung des letztern bei Aristofanes, Vögel 477—486: ״So war, zum Erempel, vor Zeiten der Hahn souveräner Herr und Gebieter Im persischen Reich, vor den Fürsten lang, vor Dareios und Megabyzos, Drum heißt er denn auch, weil er einst dort gebot, der persische Vo« gel noch heute. Drum stolzirt er auch noch auf den heutigen Tag mit der aufrecht spitzen Tiara Auf dem Kopf umher, wie der große Schach, er allein von sämmtlichen Vögeln. So gewaltig war er, so mächtig und stark, daß heut noch, wenn mit dem Tag er Sein Morgenlied kräht, die Schlafenden all, seiner sonstigen Größe gedenkend, *) Ueber die Profetengabe der heiligen Thiere bei den Aegyptern s. Üblem. 2 , 218. Aufspriugen und rasch an die Arbeit gehn, die Töpfer, die Schmiede, die Gerber, Mchlhändlcr, Barbirer und Schneider und Schuh- und Harfen- und Schildfabrikanten, Zn die Schlappschuh' fahren im Dunkeln schnell sie und rennen." Als Quelle dieser Verherrlichung ist leicht der Morgenrus des Hahns und dessen stolzer Gestus zu erkennen. (Den Zendischen Ursprung der Benennung תרנגול hat Bötticher nachgewicscn: Puckimenta Mythol. Sem. p. 59., was mit dem ״persischen Vogel" bei Aristos. übereinstimmt. Daß der Hahnenruf mit einer Eulogie begrüßt wurde, ist bekannt. Berach. 60, b). Die Versprechungen des Hahn's Erub. 100, b. sind ebenfalls eine dem GcstnS desselben entnommene Abstraktion, und stehen mit der Sprachfähigkeit der Thiere in keinerlei Verbindung. Ferner verdient bemerkt zu werden, daß derselbe Haggadist, R. Jirmijah b. Eleazar, welcher den Raben als Unglücksvogel bezeichnet, und von der Teratoskvpie spricht, auch der Taube ein Gebet in den Mund legt. An 1 M. 8, 11. angeknüpft lautet dieses Gebet: ״Herr der Welt! Meine Nahrung komme lieber bitter wie eine Olive aus deiner Hand, als süß wie Honig ans der Hand von Fleisch und Blut (Grub. 18, b)!" Der Acsopische Charakter dieses kurzen, den Werth einer unabhängigen Lebensstellung preisenden, Gebetes ist eben so leicht zu erkennen, wie der Charakter der anderen Äsopischen Fabeln, und Fabelfragmente im Thalmud. Diesen Charakter hat aber nicht das Gespräch, welches die babilonischc Haggada den Fönir (׳אורשינה wofür nicht mit Lewysohn Zool. S. 353 griechischer, sondern persischer Ursprung zu suchen ist) mit Noe in der Arche führen läßt (Sanh. 108, b). Mil der den Thiercn zngeschriebenen Sprachfähigkeit*) hängt eS zusammen, daß das thalmndische Alterthum keinen ausschließlich den Menschen als redend bezeichnenden Namen desselben kennet. Das מדבר flamnitj nicht, wie Lewysohn (Zool. S. 2) glaubt, aus der thalmudischen, sondern aus der arabischen Zeit.- cs ist unmittelbar ans dem arabischen ב^טי mittelbar ans dem griechischen tu>ov Xoyixov geflossen (Siehe Kassel, Kusari Seite 59. Anmerkung 2). Das Onkelosische *>{*1 לרוח ממ<“<ה M. 2, 7 steht ganz vereinzelt da, auf hellenische Einwirkung hindcutend. Ueber Reflerionen der Thiere s. noch jer. B. Mez. 3, 5 nnd b. Tos. 40, a. Schlagwort 1כי• B. B. 73 , b. אווזו. Chulin 7 , d. Ans. Nach der Meinung der Mnatazile erhalten die Thiere eine Remuneration (תמור) für den erlittenen Schmerz (Ez. Chajjim Kap. 89). Schließlich verdient noch der unbekannte Verfasser des Gesangsabschnittes (פרק שיירה) erwähnt zu werden, welcher verschiedene Thiere reden läßt. Die Anregung zu seiner Komposition hat er sich ohne Zweifel aus dem Thalmud geholt, wo das Rauschen der Ähren vor der Ernte als deren Lobgesang astf Gott bezeichnet wird (Rosch Ha-Schana 8, a), und auch von dem Lobgesange der Erde die Rede ist (Sanh. 37, b), ja selbst den Kühen, welche die heil. Lade von Ekron im Filistäerlande nach Beth Schemesch brachten, die Anstimmitng eines Lobgesanges zugeschrieben wird (Ab. Zara 24, b. unter Anführung v. 1 Sam. 6, 12). Zm Midrasch ist auch vom Lobgesange des Frosches die Rede (Jlk. Ps. Ende). Diese Notizen hat der Verf. des Perek Schira auf eine abgeschmackte und ungeschickte Weise weiter gesponnen. Derselbe scheint im Oriente gelebt zu haben, da der erste Kommentar zu seinem Opus von R. Moses b. Josef Trani in Safet (gest. 1580) geschrieben wurde. Jakob Emden, der neueste Kommentator desselben, bekennet, er habe d. in den Gebetbüchern abgedruckte P. Sch. seit seiner Jugend für ein eitles Werk (אך שוא) *) Ein alter hellenischer Mythus läßt die Thiere als verständige, redende Wesen erscheinen (Plato Polit. p. 272 D. Xenoph. Mernor. II. 7. 13), und in der Ilias spricht des Pferd LanthoS zu seinem Gebieter und Herrn Achilles (19, 404—418).