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Ben Chananja · 1861-10-25 · 43 (25.10.1861) · p. Seite 370

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
43 (25.10.1861)
Date
1861-10-25
Page
Seite 370 (sequence 4)
Language
German
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370 Die Araber haben von alter Zeit her sich im Besitze dieser vermeintlichen Kunst geglaubt. Es haben sich solgende arabische Zeilen erhalten. ״Kundig sind die Lihbiten, darum schätze nicht gering die Rede der Lihbiten wenn Vögel vorbeiziehen?)." Lane, der bekannte Reisebeschreiber von Aegypten hat noch jetzt Spuren bei den heutigen Aegyptern davon gefunden *). Es war auch den Griechen in der alten Zeit des D e m o k r i t n s bekannt. Letzterer soll auch — nach der Angabe des A u l i u S G e l l i u ö die - Sprache verstände n haben 9). Es mochte diese Kunst vielleicht von dem Morgenlande nach Griechenland gewandert sein. Es ist übrigens vollkommen hinreichend zu wissen, daß man von Demokrit bis aus Lane herab daran geglaubt hat. Der Leser — so hoffen wir — wird unsere Ansicht theilen, daß Zusammenstellungen dieser Art — wobei nur allgemeines Urtheil die Thatsachen zusammenznhalten hat — für die Kulturgeschichte, sowol in aufsteigender als absteigender Linie, nützlich sind. Mangel an Verkehr u. Mangel an literarischen Hilfs- Mitteln überhaupt hielt in der thalmudischen Periode als auch lange nachher die Mit- und Vorwelt abgeschlossen. Die Thalmndisten und die späteren Kommentatoren derselben wußten von vielen Dingen nicht, daß sie sich anderswo finden. Mangel an historischer Kennmiß ließ sie manches als Eigenthümlichkeiten der thalmudischen Periode betrachlen, und sie haben daher manchen Dingen mehr Werth beigelegt, als ihnen in Wirklichkeit gebührt. Wenn moderne Kritik Haare spaltet, ohne rechts oder links sich nmzusehen, so kann das Urtheil, geleitet durch historische Thatsachen, in das Innere der Dinge sehen, so weit dasselbe geschichtlich vorliegt. Das Innere der Dinge in seiner Wirklichkeit liegt aber außerhalb der Geschichte. In Bezug auf den bereits erwähnten Namen I l i s ch (עיליש ) wollen wir zum Schlüße noch bemerken, daß dieses wahrscheinlich der altfönizi sche Name עלש ist, welcher sich in einigen Inschriften findet'"). Anmerkungen. ') Vergl. unsere rabbinische Blumeulese S. 93 Note 1. Die Kraniche des Jbikus — welche durch Schiller's Gedicht allbekannt geworden sind — stehen dieser Bibelstelle so nahe, daß es ganz natürlich ist, daß man sie in Verbindung brachte. Vergl. unsere Blumeulese S. 93 Note 1. ') Vergl. Aruch (Art. טייר״). ') Wir haben jüngstens in diesen Blättern (S. 372) einiges darüber gesagt. ') Vergl. unsere rabb. Sprnchkunde S. 39 Nr. 127. 6) Vergl. Aruch Art. מל. טייר. ') Alfia deutsch von Ditrici S. 65. ") Laue modern EgyptianS II. S. Vergl. auch Hammer« Enzykl. Uebers. S. 487. ") Attische Nächte X, 16. '") Zeitschrift der d. m. Gesellschaft 1859 S. 551. .Mm(|c zur lljitlnuiDtfdjcn ", " ״ itnll MerlljiimskimSe. .טאיירין ,טיאורין,סיאריו ,טייר .137 Die erste Leseart sindct sich im Midrasch Rabba zu 4 M. Kap. 17; die zweite im Rabba zu Kohclct tO, 20; die dritte im Jalkut das. Nr. 989; die vierte im Rabba zu 3 M. Kap. 32. Das davon abgeleitete Verb, gebraucht Pscndojonathau und Jernschalmi zu 1 M. 44, 5. 15. Das. 30. 27. verbunden mit ׳ קוסמין worauf schon Mussafia hinwies. R. Nathan gibt dem Worte arabischen Ursprung: טאיר --volucris. Diese Etymologie scheint sich auch unser gelehrter Freund DukeS angeeignet zu haben (S. ob. Anm. 3). Allein die arabische Be- Nennung steht mit der Wahrsagerei, von welcher die bezüglichen Stellen reden, nicht in der geringsten Verbindung. In der That ist das bisher mißverstandene Wort kein arabischer Vogelname, sondern das griechische schon bei Homer sehr häufig vorkommcndc oder tfQ<x; ״Zeichen, Anzeichen, Vorzeichen, Wundcrzcichen, von jeder nngewöhnlichen. außerordentlichen oder widernatürlichen Erscheinung oder Naturbegebenheit, in der man einen Wink der Gottheit und eine Hindentung ans die Zukunft zu erblicken glaubte." Die Midraschstellc lautete ursprünglich: זה העורב בחכמת 12׳ d. i. unter dem Unglücksvogel, welchen Kohelct nach der Meinung des Midraschisten im Sinne hat, versteht mau den Raben in der Kunst des Teras oder der Zeichendcntung. (S. Landan'S Anm. z. Art. טייר). Das 2 vor הבמה ging aus Mißverstand in ein ו über (Wajj. r. 32), und fiel dann ganz aus (Kob. r. zu 10, 20). Hiernach sind auch die Worte des Bam. r. 19. : שהיו יודעי' וערומי' בטייר leicht zu erklären. Die Morgenländer, von denen 1 Kön. 5 , 10. Die Rede ist, waren Kenner des Teras; mit dem arabischen ״Vogel" gewinnt man hier offenbar keinen Sinn. Eben so leicht erklären sich die angeführten Thargumstellen. wo ebenfalls an keinen Vogel gedacht werden kann. Die הבמה טייר ist die Beobachtung und Deutung wunderbarer oder widernatürlicher Zeichen und Erscheinungen. Plntarch gebraucht die Worte Mantis und TcratoskopoS als gleichbedeutend (GrylluS, s. Op. II. 990, f), und die Benennungen dauerte» in der Byzantinischen Zeit mit den Beschäftigungen fort. Es ist daher nicht befremdend, der Teratoskopie im Midrasch zu begegnen. Die Verbindung, in welche diese Kunst mit dem ״Vogel des Himmels״ gebracht wird, berechtigt zu der Annahme, daß dem Haggadisten die hellenische Anschauung geläufig war, nach welcher die Vogelschau im weitern Sinne des Wortes den größern Theil aller vorbedentenden Zeichen umfaßte (Herm. gottesd. Alterth. 38, 3). Eine Art der Vogelschau, die Weissagung aus dem Fluge, erwähnt Josefus in der bekannten. dem Hekatäns nacherzählten Anckdote von dem jüdischen Bogenschützen Meschullam, welcher einen Vogel herabschoß, aus dessen Fluge ein Wahrsager einer von Judäa nach dem rothen Meere ziehenden Reisegesellschaft ihr künftiges Geschick verkünden wollte (contra Ap. 1, 22). Der Ursprung der Vogelschau ist vielleicht in dem Umstande zu suchen, daß die Zugvögel durch ihre Wanderungen Vorboten der wechselnden Jahreszeiten sind; vergl. Aristofa- «es. Vögel 704—714., wo die Vögel von sich rühmen: ״Was es Schönes auf Erden und Großes gibt, das verdanken uns Alles die Menschen: 406476

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