Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 42 (18.10.1861)
- Date
- 1861-10-18
- Page
- Seite 364 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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standSmitglicd gibt, durch dessen maßgebendes Wort ans die Gestaltung einer jüdischen Gemeinde geistig eingewirkt werden kann, muß die hies. Gemeinde vor allen Dingen darauf bedacht sein, tüchtige Lehrer für die Jugend und einen Rabbiner heran zu ziehen, dem sein Beruf etwas mehr als cinr Sinekure ist. — Es handelt sich hier noch gar nicht darum, ob und welche Reformen cingcsührt werden sollen, sondern ob Gemeinde und Jugend ohne Führer, sich selbst überlassen, dem Indenthum gänzlich entfremdet, oder Inden bleiben sollen. — Es fehlt hier ganz und gar an einem Manne, der sich die Sache unserer Rcligion zu Herzen nimmt. Im Thalmnd heißt es: יש^ mVlS 1אנשים השתדל־• Hätte Herr Israel Schwarz MH ein Körnchen von dem Geiste unserer Väter, so würde er sich den Spruch derselben zu Herzen nehmen. Aber dieser Mann, dessen heiliger Beruf es ist, die Gemeinde zu belehren, überläßt sie gleich der letzten Dorfgemeinde einem geistlosen Schlendrian. Und glauben Sie nicht, daß der Grund davon etwa in der zu starren Orthodoric des Herrn Schwarz, oder in Schwierigkeiten innerhalb der Gemeinde zn suchen sei. Wenn Herr Schwarz nichts leistet, so kommt dies lediglich daher, weil er eben das dazu erforderliche Talent und Wissen nicht besitzt, und zu bequem ist, sich dasselbe anzuzeigen. Es ist leichter, eine Hafthora hebräisch her sagen , als sie deutsch erklären , leichter Bibliotheken anszuplündcrn und Predigten abschceiben, als eigene halten. Die wcnigen Predigten, die Herr Schwarz zuweilen auswendig lernt und seiner Genicinde als eigene Weisheit zum Besten gibt, lassen Ungebildete mit Gebildete stets kalt. Worte, die nicht aus dem Herzen kommen, können nicht zn Herzen gehen. Wie wenig Mühe Herr Schwarz sich gibt, seine Plagiate, wenn auch nur durch Umschreibung, zn verbergen, mögen Sie ans seinen dem Drucke übergebenen Reden entnehmen, aus welchen ich eine Reihe von Auszügen nebst Parallclstellcn der Predigten, ans welchen er die scinigcn abgeschrieben hat, hier beilege*). Nach diescn Belegen schließen Sic, von welchem Gehalte erst dasjenige ist, was Herr Schwarz nicht der Oeffentlichkeit übergibt! — Auch ist Niemand so ungebildet, nm nicht den Werth seiner durch und durch hohlen RedcnSartcn beurtheilcn zn können, und nur solche Mitglieder unserer Gemeinde lassen sich allenfalls den Herrn Schwarz gefallen, die niemals die Synagoge besuchen und nebenbei von ihm hosirt werden. Indischen Hausvätern, deren Kinder kein anderes religiöses Fest feiern, als die christlichen Weihnachten, ist cö gleichgiltig, ob eine jüdische Gemeinde besteht, oder sich auflöst. Die große Mehrzahl der Gemeinde aber ist, wenn auch nicht streng orthodor, doch nicht so gleichgiltig gegen den Fortbestand des Judcilthums, daß sie der Mciunng eines einflnßreichen Gemeinderepräsentantcil wäre, welcher sich eu chamille dafür anöspricht, je weniger zur Fortbildung des Judenthums geschehe, desto schneller löse es sich ans, und dahin müsse eö endlich kommen.' Diese Ansicht mag noch von manchen Juden und Nichtjudcn gethcilt werden, «11b ich achte jede individuelle Ucberzeuguug. Wer jene aber hegt, sollte wenigstens von dem jüdischen Angelegenheiten sich ferne halten. — Da lobe ich mir den Herrn Oppenheim, der zwar auch niemals die Synagoge besucht, die er aus seine Kosten erbauen ließ, sich aber auch nicht zum Repräsentanten der jüdischen Gemeinde hat wählen lassen, und lediglich einem baierischcn P.n zu gefallen, ohne seinen Empfohlenen zn kennen, denselben ganz harmlos in Borschlag brachte. Herr Oppenheim interessirt sich lebhaft für den Fvrtbestand des JndcnthnmS nnd würde, wie die bei Weitem große Mehrzahl > der hiesigen Gemeinde, sich glücklich schätzen, wenn statt einer Nullität ein Rabbiner hieher berufen würde, der seinem Amte gewachsen, und seinem Berufe treu ist. Inland. M.-Therestopel, im Oktober. Unsere 3-klassige Volksschule, die durch den Tod des seligen Rabbiners scbr viel gelitten hat, ist ncnestcr Zeit neu organisirt worden. In dieser Hinsicht haben sich Hr. Rabbiner Kuttua. als Direktor der Schule, nnd Hr. mvd. Dr. Wiener, als SchulpräscS, große Verdienste erworben. Bei Eintheilnng der Stunden ist ans die ungarische Sprache viel Rücksicht genommen, doch so, daß dadurch die übrigen Gegenstände keine Verkürzung crleiden. Nur die Schnllokalitätcn lassen noch Manches zn wünschen übrig. Israel Back, Oberlehrer. / Pest, lü. Oktober. Ein hervorragendes Mitglied der hicsigen Gemeinde hat so eben Kritische Bemerkungen zum hiesigen Ent- Wurfe des organischen Gemeind estatuteö /)cranSgegeben. Die Bemcrkungen werden ohne Zweifel die ihnen gebührende Beachtung finden. Bei einer etwaigen Revision der Statuten wird §. 35. a. die ״lieberwachnng der Matrikel" zn streichen sein, da dieselbe mit 2». G.-A. vom Jahre l8-10 im Widerspruche stellt. Der Herr Vers, der ״Bemerkungen" ist ein bewährter Denker, aber kein Dichter; man tkird daher die versisizirtc Apostrofe an innere neuen Vorsteher nicht strenge beurtheilen. Dieselbe enthält die Worte: ״Daß es vollendet Eures Namens Ruf entspricht!" Der Bericht des illig. Vereins hat eine Polemik im Earmel hcrvorgcrnscn. Aus jenein wie ans dieser geht klar genug hervor, daß wir noch keinen festen Boden gewonncn haben, und daß überhaupt Alles erst in einem allerdings viel versprechenden Werden begriffen ist. Der ״ungarische Jsraelite" hat für einige Zeit zu erscheinen anfgesührt, um nach einigen Wochen mit verstärkten Kräften seine Laufbahn zn beginnen. Das erste von dem nng. Vereine berauSgcgebenc Elementarb. ist bereits versendet. *) Falls diese Anszüge wegen Mangel an Rani» hier nicht veröffentlicht werden können, möge die Redaktion nach Enisichtönahme dieser frechen Plagiate wenigstens konstatiren, daß sie die Belege zu meiner Beurtheilung des Herrn Jsr. Schwarz in Händen hat, (was hieruiit geschieht. Red.). Literarische Anzeigen. Pharisäer nnd ^abtnicticv oder Judaismus und Mosaismns. Eine historisch-stlososische Untersuchnng als Beitrag zur ReligionSgeschichte Vorderasienö. Von Alois Müller, Amannensis an der k. k. Universitäts-Bibliothek. Wien. 18G0. 8. 72 (Aus dem Märzheste d. Jhrg. 1800 d. Sitznngobcrichtc d. fil.- hist. Klaffe der k. k. Akademie d. Wissenschaften [XXXIV. Band S. 95. | bes. abgcdruckt). Seit dem Tode Johann Jahn'S, des gelehrten und hochverdienten Professors an der Wiener Universität, dessen Werke auch von Protestanten nnd Inden vielfach benützt werden, ist das Studium der von demselben vertretenen Wissenschaften, so viel uns bekannt worden, an der Wiener Hochschule nicht eben mit besonderer Vorliebe gepflegt worden. Jahn selbst wurde bekanntlich von seinem Lehrstuhle entfernt, nachdem früher der Veröffentlichung seiner Hermeneutik unüberwindliche Hindernisse entgegengesetzt worden waren. Er selbst berichtet dies in der Vorrede zu seinem 1812 erschienenen ״Enclm'idion IIermeneutica3u mit folgenden Worten: ״Prajsagire enirn illo quidera tempore nullatenus poteram impedimenta, qurv editioni paulo post objecta fuerunt. Ad haec accessit, quod demurn uiox anno seqnente, 1800, una cum inunere docendi sinaul religione proinissi absolut»« esse mihi vederer.“ Später wurden auch Jahn'S Lehrbücher verboten. Um so erfreulicher ist eö, daß der Verfasser vorliegender Abhandlung, ein junger, geist- und kenntnißreichcr, von edler Wissenschaftlichkeit beseelter katholischer Gelehrter, sich mit vielem Eifer der Erforschung jüd. Altcrthümrr znwendet, nnd sogar den Thalmnd mit in den Kreis sei-