Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 40 (4.10.1861)
- Date
- 1861-10-04
- Page
- Seite 347 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543063--2295-2546059- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
347 die Seite stellen. CajuS Cornelius Tacitns war allerdings ein Heide, und nach den Grundsätzen des Herrn Bischofs L. und seiner Gesinnungsgenossen müßte er, wenn er anö dem Grabe erstünde, sich erst taufen lassen, um Professor der Römischen Geschichte werden zu können. Aber ohne eine Professur innegehabt zu haben, ist doch TacitnS einer der edelsten Lehrer der ganzen gebildeten Christenheit geworden. Wie urtheilt nun TacituS über Christen und Christenthum? — Die bitterste Verfolgung der Christen in Rom trat bekanntlich ein, als Nero nach dem großen Brande Rom's im Jahre 64. den Vorwurf der Brandstiftung von sich abwälzen wollte. ״Um daö Gericht zu entkräften", sagt nun Tacitnö, ״unterschob Nero als Schuldige, indem er sie mit den ausgesuchtesten Strafen belegte, die wegen ihrer Schandthaten verhaßten sogenannten Christen. Nun wurden zuerst diejenigen ergriffen, welche sich offen zur Christensekte bekannten, dann auf deren Aussage hin eine große Menge Anderer; sie alle wurden nicht sowol des Verbrechens der Brandstiftung überwiesen, als vielmehr durch den Haß der Menschheit verdammt (Annn. 15, 44). Die Urtheile deS Sueton und des PliniuS stimmen mit TacituS im Wesentlichen überein (Seut. Ner. 16. Plin. ep. 10, 07. 08). Woher kommen nun diese Blasfemieen gegen daö Christenthum, woher diese lieblichen Urtheile über die An- Hänger desselben, woher die Verblendung so begabter, geistreicher Männer? Ihre vorzüglichste Quelle ist die privilegirte Stellung der Unterdrücker gegen die Unterdrückten! Jene finden eS gar nicht nöthig, sich über Wesen, Natur und Beschaffenheit dieser genau zu unterrichten. Die lieblose Behandlung, die der Unterdrückte erfährt, ist das Gegebene, Bestehende, Herkömmliche, daö man konserviren will; die lieblose Benr t Heilung ist die psychologische Konsequenz. Dieselben verdammenden Urtheile werden in intoleranten Ländern bis auf den heutigen Tag von den Bekenner« einer christlichen Kirche gegen die Bekenner einer andern Kirche geschleudert. In Tirol sprach es ein kath. Prediger noch in diesem Jahre öffentlich aus, daß er sich keinen Protestanten denken könne, der ein rechtschaffener Mensch sein könnte. Sollte in all diesen offenkundigen Thatsachen nicht eine nachdrückliche Mahnung liegen, in der Beurtheilung Unterdrückter mit besonderer Vorsicht zu Werke gehen? Wenn selbst TacituS, trotz seines durchdringenden Scharfblickes und seiner Reichthümer umfassender Menschenkenntniß, nicht vor Verblendung behütet blieb, wo er den Unterdrückten und Ausgeschlossenen zu beurtheilen hatte; wer will sich in gleicher Lage rühmen, daß seinen verdammenden Aussprüchen keine Befangenheit, kein Vorurtheil, keine Verblendung zu Grunde liege? Auch kannten ja die christenfeindlichen Römer noch nicht die Lehre, welche den Christen im Evangelio ertheilt wird: ״Richtet nicht, aus daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden (Ev. Matth. 7, 1. 2)." Im Munde eines christlichen Theologen ist daher ein liebloses Urtheil viel befremdlicher als im Munde eines heidnischen Redners und Geschichtschreibers. Der hochwürdige thalmudkundige Herr Bischof Litwinowicz denkt ohne Zweifel, so oft die angeführten Verse liest, atr die Stetten im Thalmnd, die dasselbe lehren *). Christen und Juden handeln daher nur im Geiste ihrer Religion, wenn sic in der Beurtheilung ihres Nebenmenschen Liebe und Wohlwollen walten lassen. Aphorismen nach B. Von Nabb. Dr. M. Duschak. 1• טוביה הטא, זעיר מעיד! de» Sack schlägt man, de» Esel meint mau. Vor der französischen Revolution war es am französischen Hofe Sitte, daß gemeinschaftlich mit dem königlichen Prinzen ein bürgerliches Kind erzogen wurde, das, so oft sich der juiHe Prinz vcrgieng, statt seiner gezüchtigt wurde; ein solches Sündcnbockschicksal hakte und hat das jüdische Volk. Die Juden sind die Repräsentanten aller Kornwncherer; durch sie drang der Feind in'S Land; sie sind Schuld an den Nevolntionen, sic haben die Brunnen vergiftet, sie sind die bürgerlichen Kinder neben den Prinzen. Es ist gar zu betrübt. Wir müssen trachten, daß wir groß werden. 2. Die sich בנאים (nicht wie Sachs v. ßcuvuv Baptistcr, Essäer) Ncligionöbaumeistcr nennen, glauben, um dem Nanche ein Ende zu machen, brauche man nur die Schornsteine zu vermauern. Sie ihn» es, treiben den Stauch zurück, vermehren ihn, werden ärgerlich darüber und ahnen gar nicht. daß ihre Unwissenheit das Nebel vergrößert. 3. ונתתי לך מהלכים! Denkt euch, ein Arzt untersagte seincm Kranken jede anhaltende Bewegung, sic könnte ihm tödtlich werden, erklärte er. Der Kranke wäre unfolgsam und ging eine Meile weit, was würdet ihr von jenem Arzte sagen, der um den Fehler gut zu machen, den Kranken seinen gegangenen Weg zurücklcgcn ließe? Jetzt denkt euch eine Religiouögcsellschaft sei krank, man verbiete ihr die Bewegung, aber sie hat sich doch bewegt! Wenn nun ilin den Schaden zu verbessern, die Religionsärzte vervrdneten, das sie zu dem Punkte, von dem sic ausgegangen, wieder znrückkehrte, was würdet ihr davon denken? Ist Bewegung schädlich so ist es jede, richte sie sich vorwärts orer rückwärts, sei es aus Vorsicht oder aus Spekulation. 4. רתזעק בהבהירה כן היינו מפניך ה Sw במו הרה Wann wird ihre Frau entbinden? fragte Ludwig XIV. einen Hofmann. Quand il plaira a votte Majestö antwortete dieser mit tiefer Verbengnng. So glauben, die sich für die absolute Sonveraine ans dem Gebiete der Religion halten, sic könnten die Stunde verzögern, in welcher die Zeit ins Kindöbctt kommen soll. 5. Beim täglichen Priestersegen wendet sich der Vorbetende nach rechts und links; der Segen schließt mit dem Frieden. Mancher Prie- *) Aboth 2, 4. Sabb. 127, a. b. Sota 1, 7. ״Nichte deine Nebenmenschen nicht, bis du in seine Lage gekommen. Wer seinen Nebenmenschen nach der bessern Seite beurtheilt wird selbst ebenfalls nach der bessern Seite beurtheilt- Mit dem Maße, mit dem der Mensch mißt, wird er auch gemessen."