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Ben Chananja · 1861-09-27 · 39 (27.9.1861) · p. Seite 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
39 (27.9.1861)
Date
1861-09-27
Page
Seite 340 (sequence 8)
Language
German
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340 Dic Blumen des Feldes stehen einsam da, bis sie sich in einem Strauße von kunstreicher Hand gebunden. freundlich begegnen. Die Thatsachcn stehen allein da, bis die Reflcrion eines denkenden Mannes dieselben ordnend verbunden hat. Die eine Thatsache an sich ist nicht immer von so großer Bedeutung, verbunden aber — wie das Bund Rohr in der Fabel — erreichen sic ihre eigentliche Stärke, und bilden dic geistigen Waffen des Verstandes. Dic äußere Welt liefert dic Thatsache, die innere, — den zusammcnhaltendcn Faden. Die innere und dic äußere Welt begegnen sich im Denken. Dic Mischung von Thatsache» und Reflcrioncn bilden dic Welt des Gedankens"). Dem bodenlosen Traume tritt dic Thatsache entgegen, dem gedankenlosen Halten an das bloße Wirkliche tritt der Gedanke entgegen. Dic Mischung von Thatsachcn und Reflcrioncn — gehörig sich verbindend und gegenseitig sich ergänzend — bildet auch das Innere der Literaturgeschichte. Sic geben ihr einen Reiz des Interessanten. Das Interessante ist nicht immer wahr, und das Wahre nicht immer intcrcssant. Dic historische Anschauung kann beides zilsammensinden und so dem Leser vorführcii. Die Mischung des Verschiedenartigen unter einer einheitlichen Anschauung, war — nach verschiedenen Richtungen hin — der Inhalt mancher geistreichen Anschauung. Allen Lesern stehen S ch i l l e r's Zeilen im Gedächtnißc gegenwärtig: Denn wo das Strenge mit dem Zarten Wo Starkes sich mit Mildem paarten. Da gibt es einen guten Klang — Diese Zeilen Schillers — sind wie viele andere desselben — Sprichwörter geworden. Das italienische Sprichwort sagt: ״Harles mit Hartem gibt keine Mauer." Es enthält dieses Sprichwort ohngefähr denselben Gedanken, in der Form eines Gleichnisses, von der Baukunst hergeiiommcn. Zwei Steine oder Ziegel allein kölincn sich ihrer Härte wegen nicht haltbar verbinden. Der weiche Mörtel macht die Verbindung derselben dauerhaft. Haben wir diesen Gedanken hier in der äußern Welt vcranschanlicht gesehen, so begegnet uns im Buche Sohar in Bezug auf dic göttliche Wcltregiernng ausgesprochen. Es heißt daselbst r,°) כמונא רא הק״בר־־. מזווג זיווגי□ הד ר־זקיף והד רפיא* בגין ״ •לאתחקנא בלא ויתבשםSo paaret Gott Paare eines milde und eins stark, daß das Ganze gehörig in Harmonie zttsammeiihaltc" re. Es sind dieses die im Thalmud und Midrasch so oft genannten Bezeichnungen der göttlichen Attribute מרת הרחמים (Maaß der Barmherzigkeit) und מדת הדין (Maaß des Rechts ׳׳'). Dieselbe Idee ist ganz ähnlich bei Philo. ״In Gott — sagt derselbe — sind 2 Kräfte, Güte und Autorität re. re. re.Ä־). Daß dieser Gedanke einer der Grundlagen der ganzen Theologie ist, ist überflüssig zu bemerken. Der Enzyklopädismus des TbalnuldS, das Kind der Zeit, hat auf alle Werke, welche Auszüge desselben enthalten, seinen Einfluß ausgeübt. Es ist dieses auch bei dem eben besprochenen Buch der Fall. Dieser Enzyklopädismus ist es auch, welcher diese Werke ins Reich der Kulturgeschichte bringen kann. Der יד הדלקה des MainionideS, obwol als rin Ganzes genommen, eines der bedeutendsten Momente der Kulturgeschichte, bietet — weil Niemand darin genannt ist, und weil kein Argument gegeben ist — im Einzelnen weniger znr Kulturgcschichtc dar, als das vorliegende Werk. Wir haben daher diese Gelegenheit benutzt ans manches in diesen Zeilen aufmerksam zu machen. Es sind dic Thatsachcn und Reflerionen — Parallelen erweitern daö Gebiet der Neflerion, — welche wir bei Besprechung dieses Buches dem Leser vorführte». Wir hahcn hicmit dieses Buch aus dem Gebiete der bloßen Bibliografie in das der Kulturgeschichte cingeführt. Wir sind zu glauben geneigt, daß cs jetzt wol Zeit wäre allmählich von der Anfzählung der Büchertitel zum Znhalte derselben zu übergehen. Wenn man cs der Mühe wcrtb hält, die Titel derselben anzuführen, so sollte auch der Mühe wcrth sein, dieselben betrachtend zu lesen und zu beurtheilen. Sollte der Wein in der Flasche weniger Werth haben, als die Etigncttc, welche außerhalb derselben aufgcklebt ist? Bibliografie ist — wie daö Feuer — ein guter Diener, aber ein schlechter Meister. Folgende Bemerkung ist vielleicht wenigstens der Dinte wcrth. ES sind beinahe 8 Jahrhunderte verflossen, seit unser Verfasser sein Buch geschrieben hat. Es ist uns wol nicht nnbekannt, daß eine große Anzahl von thalmudischcn Büchern geschrieben. gedruckt und kominentirt wurden. Es ist uns aber durchaus nicht bekannt, ob diese Werke in der Methodik des thalinudischen Studiums zum Fortschritt geleitet haben. Die Beantwortung der Frage: warum aus dem Gebiete des Thalmuds kein Fortschritt in der Methodik gemacht wurde wäre in sich selbst höchst interessant, und der Mühe der Erforschnng wok wcrth. Der künftige Bcantw orter dieser Frage hätte reichliche Gelegenheit sich als denkenden Thalmndistcn zu zeigen, deren Zahl sehr klein ist. ״Ein Kopf wie Mühlräder" dies war eine bekannte Fräse unter den Juden um einen scharfsinnigen Kops zu bczeichneu. Wir haben genug solche Köpfe wie Mühlräder gesehen, aber wir haben nicht gesehen, daß sie etwas Verständiges hinterlassen hätten. Es ist übrigens überflüssig zu bemerken, daß wir hier die rein literatnr-historischc Seite der Sache vor Augen haben. Wir haben bis jetzt von dem Buche selbst gesprochen. Unsere Anzeige desselben — oder genauer gesprochen, dieses Fragment einer Anzeige wäre nicht komplet, wenn wir nicht auch ein Wort über den H c r a u ö g c b er sagen möchten. (Schluß folgt in der Beilage). K. o n K u r s, (3-3) Au der vom hiesigen israelitischen Frauenvcrein kreirten und höher» Orts konzessionirten zwciklassigen Mädchenschule ist die Stelle eines Lehrers und einer Industrie-Lehrerin mit dem Gehalte von je 400 fl. zu besetzen, Reflektanten dic der ungarischen und deutschen Sprache vollkommen mächtig sind, wolle» ihre Kompetenz-Gesuche bis den 15. Oktober an den gefertigten Vorstand Franko eiuscnden. M.-Tbere sivpel, 3. September 180l. Der Vorstand des isr. Frnuenvereins. Szegedin, Öcrlaij von Siijmmiö Üurgrr Leipzig, üoiiiiuisjions.Vcrlag von Frau! Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegcdi», bin viertel Bogen Beilage.

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