Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 39 (27.9.1861)
- Date
- 1861-09-27
- Page
- Seite 339 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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339 Manche Stellen unseres Buches sind für die Erkenntniß des Alters manchen Aberglaubens sowol allgemeiner als speziell-jüdischer Art nützlich.' Die Geschichte des Aberglaubens hat eine größere Ausdehnung als man gewöhnlich glaubt. Es gehört das התוקע י!שר hieher svergl. weiter unten). S. 16 lesen wir gelegentlich einige Worte über שרטוטי היד (Ehiromantie). Diese Art der Profezeihung aus den Linien der Hand ist alt und im Oriente sehr bekannt *''■). Das Alter manchen jüdischen Aberglaubens lernt man auch zuweilen ans diesem Buche z. B. die Beschwörungsformel an den Engel der Vergeßlichkeit, welcher פותה שר שכהה genannt ist "). Es ist übrigens wol möglich, daß die ganze Stelle unterschoben ist׳ Die Sache selbst ist übrigens sehr unschuldiger Natur. Ein alter Spruch sagt (™׳. ■ומום הכמת לבבות השכחהEin Fehler der Weisen ist die Vergeßlichkeit." ״Wiederhole fleißig" — sagt ein anderer Spruch — so bcdürfst du keinen Balsam™)" szur Stärkung des GcdächtnißeSj. Schlechtes Gedächtnis; ist mit dem Faß der Danaiden zu vergleichen. Der Boden fehlt Die Dialektik kann alles in ihr Bereich ziehen und pro und eontrn sprechen. Der gesunde Verstand findet den festen Punkt heraus. ES gehört hieher die thalmudischc Diskussion ob 3מצות צריכות כמנה') oder nicht. Die hiehergehörigrn Stellen sind in diesem Buche (S. 36, 37) angeführt und betrachtet. Diese gewissen Diskussionen, um einen einzelnen Punkt sich drehend, sind im Thalmud ans mehreren Seiten zerstreuet. Es ist leicht cinzusehcn, daß ein allgemeiner Begriff, je allgemeiner er ist, je öfter er allenthalben zu finden ist. Jedoch ist eS oft, daß in einer Seite die thalmudischc Diskussion weniger, in einer andern mehr ausführlich ist. In thalmudifchcr Frascologic ist dies in den Worten ausgedrücktaדברי תורה עניים במקום אחד ועשירים (־ במקו□ אחר." Die Thora ist arm auf dem einen und reich an einem andern Platz." Das so eben Gesagte und die Natur der Diskussion in sich selbst, lassen beinahe den Gegenstand vor der Nebersicht des Lesers verschwinden. Es sind dieselben für einen Ucbcrblick zu sehr perzweigt. Erst wenn sie in einem schmalen Raum firirt ist, entkleidet von der sic überwuchernden Dialektik, ist sie fähig dem Geist des Bcnrtheilcrs sich darziistellen, dann erst tritt sic vom schwankenden Boden der Diskussion auf den festen Boden der Kulturgeschichte. So ist es auch hier, da doch das ganze Werk nur aus Thalnindstellen bestehet. Unsere Absicht ist hier nicht, uns in die tiefen dialektischen Abgründe cinzulassen — es wäre dies sehr überflüssig. — Es ist nur unsere Absicht hier zu bemerken, daß dieses eines der großen Momente der Kulturgeschichte ist, welche sehr breite Verzweigungen hat in allen Religionen, wo Zeremonien beobachtet werden. Diejenigen Leser, welche mit der Geschichte der Moral bekannt sind. werden sich erinnern. daß eine große Masse einzelner Einwürfe gegen gewisse Lehren der Jesuiten sich auf den Satz rcdnzireu läßt 33מצות אין צריכות כוונה)• Die Diskussion über מצות צריכות כוונה har übrigens praktisch gar keine Geltung. Es ist kein Zweifel, daß wenn die Besolgniig der Zeremonialgesetze irgend einen Werth haben sollen, so kann es nur durch die כוונה sein. Die Thalmudisten selbst haben übrigens allenthalben den Akzent auf die כוונה gelegt, und in unserem Buche selbst, sind im Verlaufe dieser Diskussion viele Stellen dieses Inhalts angeführt. Spätere Moralisten haben dieses ebenfalls außer allen Zweifcl gesetzt. Es sind allenthalben daselbst Sätze dieses Inhalts zerstreuet. Wir wollen nur in Bezug auf's Gebet die Worte des Bechai anführen ״ •תפלה כגוף והעיון כרוהDas Gebet ist wie der Körper, die Andacht wie die Seele." In dem vorliegenden Buche (S. 27) ist יוסי בן י ועור als Verfasser des bekannten Gebets אהללה genannt. Da ß diese Angabe der historischen Begründung entbehrt, ist überftüffcg zu bemerken. Daß der Verfasser dieses Gebets Josef geheißen hat, scheint als eine Art Gewißheit betrachtet werden zu dürfen, da alle Angaben diesen Namen haben. In einer Hamburger Handschrift — worauf Zunz zuerst anfmerksam machte") ist der Name des Verfassers יוסי בן אביתור היתום angegeben"). Daß Josef b e n Awitor — der auch בן שטאנאש heißt") — der Verfasser dieses Gebets sei, stünde an und für sich nichts entgegen, da derselbe auch als Vrf. anderer Gebete bekannt ist'״). Da aber das אהללה von Autoritäten erwähnt ist, älter als Josef bcn Awitor"), so muß man die Angabe der Hamburger Handschrift als mcht cristircnd betrachten, wenn mau nicht die Angabe der älter» Antoritäten als spätere Einschiebsel betrachten will. Nach der gewöhnlichen Angabe ist der Verfasser יוסי בן יוסי כ"( genannt. Dem Jos e bcn Jose würde gerade weil nichts näheres über denselben bekannt ist, nichts im Wege stehen, aber die Buchstaben )"ב, welches gewöhnlich als Abkürzung von כהן גרול betrachtet wurde, ist nicht zu halten, denn daß dieses Gebet schon während des Tempels cristirt haben sollte, ist gegen alle Geschichte. Das כ״ג könnte wol nur irgend eine Korruption sein, cs mochte ursprünglich wol כ״ץ gcstanden habe» 3'•‘). Daß der Verfasser nicht bekannt ist, ist sehr bedauerlich "). Das Gebet gehört jedenfalls zu den besten, und der Verfasser darf als einer der größten hcbr. Stülisten betrachtet werden. Wir finden (S. 38) das טרגמלטא. Der Herausgeber bemerkt, daß in unfern Ausgaben des ThalumdS sich hier das Wort תרמורי findet. Es scheint, daß diese תרמורי (Tarmudäer), die im Thalmnd als Leute angeführt werden, die Holz zur Stadt brachten"), ihre Waare mit einer Trompete in den Gassen ankündigten. Das טרגמוטא dürfte wol nur eine Korruption von תרמורי sein, wenn nicht dieses Wort in irgend eine Verbindung mit תרבי stehen sollte '׳). Wir finden manche Worterklärnng, die nützlich ist. Manche jedoch find durch Schreibfehler des alten Kopisten sehr entstellt. So z. B. (Seite 105) die Worte über das Wort פיטמא oder ־פטומה Steinschneider hamaSkir (Nr. 21 S. 61) versuchte den Sinn anszusindcn. Aber — um das altfran z ösisch c Sprüchwort zu gcbrauchcn: Die Glosse ist unverständlicher als der Tert. Es wird indem Buche oft das הלכות גדולות") und פסוקות angeführt. Es hat das הלכות פסוקות den Historikern Schwierigkciten gemacht, da nichts näheres über dasselbe bekannt ist. Wir haben oben bereits das התוקע לשר erwähnt. Wir wollen hier noch nachträglich bemerken, daß die allgemeine Leseart ist התוקע לשיר, eine Leseart, welche auch unser Autor anführt. (S. 37). Derselbe gibt im Verlaufe einige erklärende Worte, worin der Ausdruck שיר המור vorkömmt. Der Verfasser will im Allgcmeiiien den Unterschied angeben zwischen Tönen, welche eine bestimmte Melodie enthalten, und den bloßen Klängen ohne Melodie"). Wir haben bereits angemerkt, daß Jehuda Ha-Lewi in einigen Gedichten an Jehuda bcn Giath das Wort Giath in's Hebräische übersetzt, nämlich: מושיע und 3'ישע). Es ist dieses allerdings etwas seltsam, es erinnert an die Sitte der christlichen Gelehrten des 16. und 17. Jahrhunderts ihre Namen zurück ins Lat einisch e oder Griechische zu übersetzen. Das eine und das andere wäre hier noch im Vorbeigehen zu bemerken gewesen. Wir fürchteten, der Leser könnte — mit dem alten Thalmudisten — sagen (4"לא ירד בני עמכם־• Manches wird zur Zeit in einem andern Zusammenhänge betrachtet werden. Das אתרי מאריך טרהא sollte jedem Autor gegenwärtig sein ").