Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 39 (27.9.1861)
- Date
- 1861-09-27
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser Frnchl zu geben scheint, Die amt roh gegessen wird. Er beruft sich auf das Zeuguiß des Reisenden Tavernier, nach welchem die Quitten im südlichen Arabien nicht so herbe sind, wie die nnsrigen, und wie Aepfel gegessen werden''׳''׳). Die Verlegenheit der biblischen AltcrthumSkundc war sogroß, daß sich dieselbe hat entschließen müssen, gleich den südlichen Arabern in einen säuern Apfel zu beißen, und die Quitte für eine süße Frucht gelten zu lassen. In Wahrheit versteht aber die Schrift unter Tappuach daS Geschlecht der Zitronenbäume (Citrus), wozu sie, gleich der neuern Naturgcschichte, nicht nur den gemeinen Zitronenbaum (Citrus medica), sondern auch die Pomeranze (Citrus;uirantium), zählt, letztere zuweilen auch mit dem besonder» Namen ״goldner Apfel" (חסוהי והב Spr. 25, 11) bezeichnend. Auf die Pomeranze bezieht sich auch die Schilderung des HohenliedeS: ״Wie ein Tappuach unter den Bäumen deö Waldes, so mein Geliebter unter den Jünglingen. Unter seinem Schatten wünsch' ich zu sitzen, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß (2, 3)." Das Targum zu der eben angeführten Schriststellc übersetzt auch wirklich תפוח mit אתרוגא, ein unwiderleglicher Beweis, daß man auch in späterer Zeit unter Tappuach das Geschlecht der Zitronen verstand, obwol, wie aus dem Targum zu Joel 2, 12. erhellt, auch der gemeine Apfel — vielleicht irrthümlich — unter dem bibl. Tappuach verstanden wurde. So hat auch die thalmudische Haggada die mehrerwähnte Stelle gedeutet: ״Wie der Tappuach unter den Bäumen des Waldes, so mein Geliebter unter den Söhnen: ein Bild Israels! wie die Frucht des Tappuach den Blättern vorangeht, so ging Jsrael's Vorsatz, daS Gesetz Gottes zu befolgen, (נעשה), voran, der Vorsatz, dasselbe zu vernehmen, (נשמע), folgte nach!" — Daß die Präzedenz der Frucht vor den Blättern bei dem Apfelbaume nicht statt finde, ist unzweifelhafte Thatsache. Wol aber paßt die Beschreibung auf daS Geschlecht der Zitronenbäume, an denen allerdings manche Frucht älter ist, als manches Blatt. Schon Theofrast sagt nämlich von dem Zitronenbaume: ״Dieser Baum trägt zu jeder Zeit deö JahreS Aepfel, während ein Theil derselben gepflückt wird, kommt der andere Theil zur Blüthe oder zur Reife." R. Jakob b. Meir Tam hatte von diesen Worten des Theofrast keine Kunde, aber in dem Tappuach, dessen Frucht älter ist, als sein Blatt, hat er gleichwol den Ethrog- oder Zitronenbaum erkannt, weil ihm das, was Theofrast von der perennen Fruchtbarkeit dieses Baumes sagt, aus dem Thalmud bekannt war'״). Solchergestalt kann das Vorhandensein eines einheimischeu Namens für daS Geschlecht der Zitronen- und Pomeranzenbäume nicht mehr in Zweifel gezogen werden, und Jahu'ö Bedenken hat sich mithin als grundlos erwiesen. Frappant, wiewol für unsere Untersuchung von keinem Belange, ist der Umstand, daß nach der neuesten Botanik die Anrantiaeeen, namentlich die verschiedenen Spielarten der Zitrone und Pomeranze, auch Apfelsäure enthalten,58). Je klarer indes; die Bedeutung des hebräischen Tappuach nachgewiescn ist, desto unbegreiflicher muß es erscheineu, daß die Mischna den einheimischen Namen fallen läßt, um sich deö ausländischen Namens Ethrog zu bedienen. Die übrigen Pflanzcnuamen der Bibel sind auch in der Mischna beibehalten! — Manchen wird vielleicht folgende Erklärung dieser Anomalie befriedigen. Die Deipnosofisten des AthenäuS disputiren unter Anderem über die Erwähnung der Zitrone bei den Alten. Die Einen wollen dieselbe bei den Alten erwähnt wissen, und werden sogar die Aepfel der Hesperiden, welche Herkuleö nach Griechenland verpflanzte, für Zitronen (oder Pomeranzen) erklärt. Andere stellen alles dies in Abrede. Einer der Genossen, Demokrit, führt hierauf die Worte Theofrast'ö an, welcher versichert, daß zu seiner Zeit, — er war bekanntlich ein Schüler deö Aristoteles, — die Zitrone nicht gegessen wurde. ״Wundert euch hierüber nicht", fügt Demokrit hinzu, ״denn die Frucht wurde bis zur Zeit unserer Großväter nicht gegessen, sondern als eine Sache von hohem Werthe in Schränken unter den Kleidern bewahrt ''׳")", (um dieselben vor Motten zu bewahren). Plntarch berichtet viel später, er kenne Alte, welche die Zitrone nicht essen, und zwar nicht weil ihnen dieselbe zu kostbar ist, sondern weil ihnen der Geschmack derselben widerstrebt7"). Sollte eS nicht gestattet sein zu vermuthen, daß die Juden erst nach ihrer nähern Bekanntschaft mit den Mittelasiaten anfingen, die Zitrone zu genießen? Der Name ״medischer" oder ״persischer Apfel" bei den Alten, zeigt jedenfalls, daß die Kultur der Zitrone von Persien ausging. Da nun der Gebrauch der Frucht ausländischen UrsprungS war, so bediente man sich zur Bezeichnung desselben auch eines ausländischen Namens. Eine tiefer eingehende Kritik wird vielleicht noch einen Schritt weiter gehen, und auch vor folgendem Raisonnement nicht zurückschrecken. Die Thora preist Palästina als ein Land voll Weizen und Gerste und Weiustöcken und Feigenbäumen und Granatäpfeln, ein Land voll Ölbäumen und Honig (5 M. 8, 8); von der süßen und duftenden Pomeranze ist hier noch keine Rede. Unter den Aegiptischen Hieroglyfenbildern kommen Palmen, Lotuöblumeu, Weinreben, Datteln, Granatäpfel, Nüsse, Feigen, Bohnen und Kürbisse, aber weder Zitronen noch Pomeranzen vor, so daß es höchst wahrscheinlich ist, daß diese Bäume von den persischen oder griech i s ch e n Königen nach Aegypten verpflanzt wurden. — Andererseits gehören die biblischen Bücher, welche den Tappuach nennen und preisen, einer späten nacherilischen Zeit au71). Sollte also die Annahme gewagt sein, daß die Zitrone und Pomeranze — letztere beißt amt aramäisch, wie