Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 39 (27.9.1861)
- Date
- 1861-09-27
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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335 gesprochenen jus talionis. Die im Thalmud enthaltenen Erörterungen über diese vier Stücke sind später!» Ursprungs, das Resultat derselben ist ein Erbe der Mosaischeu Zeit. Man erwartet nun, der Herr Vers, werde für letztere Behanptung, auf welche ja Alles ankonnnt, den Beweis führen, oder doch deren Vereinbarung mit der Geschichte und Alterthmnskunde nachzuweisen suchen; darauf laßt sich aber die Apologie mit keiner Silbe ein! Dagegen werden Erörterungen zur Sprache gebracht, die weder für die Traditionsfrage, noch überhaupt in irgend einer Rücksicht von wissenschaftlichem Belange sind. Die erste und ausführlichste dieser Erörterungen (3 bis 5) stellt sich die undankbare Aufgabe, die farisäische Bestimmung über die Feier des Wochenfesteö aus den Worlen der Thora zu rechtfertigen. Die unüberwindlichen Schwierigkeiten, welche die neuere Eregese dieser Auffassung entgegenstellt, sind schon von den Karaern hervorgehoben und geltend gemacht worden'''"). Wenn der Hr. Verf. als unzweifelhaft aunimmt, daß Maimonideö, der sich zur Begründung der Farisäischen Schabuothfeier auf Josua 5, 11. — ״und sie aßen vom Getreide des Landes am Tage nach dem Passah", nicht nach dem Sabbath — beruft, seine Vvrgäuger in dieser Beweisführung, R. Meschullam b. Kalonymos und R. Tobias den Eliezer, nicht gekannt habe, so ist ihm wol entgangen, daß die in Rede stehende Berufung von Abraham Aben Esra im Namen eines römischen Gelehrten, — wahrscheinlich des N. Meschullam, dessen Vater, N. Kalonym., der Geschichtschr. Jos. ha-Kohen einen Römer nennt, angeführt wirb, so daß sie dem Maim. wol nicht unbekannt sein konnte. Die Priorität in der Herbeiziehung der in einer verwandten Rücksicht schon in den Thalmuden ventilirten Josuastelle gebührt aber den Karäern, da dieselbe von Jehuda Hedessi auf die alten Karäer zurückgeführt wird. Die Rabbaniten haben die Deduktion nach ihrer Anschauung modifizirt, und Maimonides polemisirt hier ausdrücklich gegen die Karäer. Genau genommen spricht die Stelle auch mehr zu Gunsten der Karäer, was schon von Aben Esra ausdrücklich anerkannt wird «*). Und dennoch vermachet Rap., daß der Bericht des Buches Josua schon von den Männern der großen Synode zu Gunsten der Farisäischen Feier des Wochenfesteö angeführt worden sei!! Kürzer faßt sich der Verf. bei der nähern Auseinandersetzung des zweiten Beispieles. Wie im Erech Millin tritt er auch hier dem Nachmanides bei, welcher unter הדר 3 M. 23, 40 eine spezielle Bezeichnung des BaumeS versteht, dessen Frucht nach der Tradition einen Bestandtheil des Feftstranßes bildet. Im Erech Millin nennt er diese Frucht nach dem Vorgänge Landau's ״Paradiesapfel", was jedoch auf einem Jrrthume beruht. Die Juden haben den Ethrog niemals so genannt, u. d. Christen verstehen unter Paradiesapfel (Pomum paradisii) nicht den Ethrog, sondern die Frucht des gemeinen Pi sang (Musa paradisiaca), indem sic dafür halten, daß dieselbe die verbotene Frucht des Paradieses war'"). Eine tiefere Einsicht in die Ethrogfrage dürfte durch folgende Betrachtung gewonnen, oder doch ungebahnt werden. Daß der Ethrog zum Geschlechte der Zitronen gehört, lehrt der Augenschein, und ist dies niemals bezweifelt worden; dagegen hat man gegen das Alter der Zitronenkultnr im heiligen Lande Zweifel erhoben. Jahn sagt hierüber: ״Ob Palästina vor Alters auch Zitronen- und Pomeranzenbäume, die es jetzt in Menge hat, getragen habe, ist eine Frage, die schwer auözumachen ist. Einige glauben, daß diese Bäume erst nach dem Erilium aus Persien hieher sind verpflanzt worden; andere aber verstehen unter OO 3 עץ הרד M. 23, 40. Zitronen oder Pomeranzen; sollte dieß richtig sein, so wäre es sehr befremdend, daß eine so edle einheimische Frucht keinen eigenen Namen hatte, sondern durch eine solche Umschreibung: die Frucht eines prächtigen Baumes, angezeigt werden mußte, die auch dem prächtigen Palmbaume und dem Granatapfelbaume zukommen kann, so wie Homer die Aepfelbäume überhaupt uykaoxaQ- 7rag schöne Früchte tragend nennet"''')." Rosen Müller führt in seiner biblischen Naturgeschichte den Zitronenbäum auch wirklich gar nicht an. Jahn's Befremden ging indeß, rein sprachlich betrachtet, aus einen! Mißverftändnisse hervor, daS um so gründlicher beleuchtet zu werden verdient, als es von allen neueren Eregeten und Archäologen getheilt wird. Bei einem tiefer« Blicke in die Quellen muß man nämlich die Ueberzengung gewinnen, daß das Geschlecht der Zitronen allerdings einen hebräischen Namen habe: הפרה! Die Bibelübersetzer geben dieses Wort mit ״Apfel, A p f e l b a u m" wieder, indem sie den griechischen und lateinischen Versionen folgen; allein [itjXor und malum bezeichnen nicht den gemeinen Apfel (die Frucht des Pyi'us malus oder deö Mains mitis), sondern ein Kernob st überhaupt. Der gemeine Apfel kann auch, wie Jedermann bei einem Blicke in die Schrift sieht, unter den bibl. Schilderungen nicht verstanden werden; die Archäologen haben dies eingesehen und daher zur ״Quitte" ihre Zuflucht genommen. Nun wird aber in d. Bibel nicht nur der Geruch, sondern auch der angenehme , süße Geschmack des Tappuach gerühmt, während die Quitte von herbem Geschmacke ist, und nur mit Zucker gekocht und eingemacht genossen werden kann, wie denn auch nach dem Zeugnisse deö Celsius die Quitten auch im Alterthume mit Honig oder Most gekocht wurden, um genossen zu werden. Rosenmüller hilft sich mit der Vermuthung, daß es im Morgenlaude eine Gattung