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Ben Chananja · 1861-09-20 · 38 (20.9.1861) · p. Seite 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
38 (20.9.1861)
Date
1861-09-20
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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330 Itm so auffälliger muß gegenüber dieser liberalen Interpretation -»«- Gesetzes durch dir königl. ungarische Hofkanzlei, der Beschluß der königl. Curie erscheinen, welche wie bekannt, die israel. AdvokaturS- Kandidaten von der Zensur und Ausübung der Advokatur auSschließcn wikl, während es weder ein Gesetz in Ungarn gibt, welches die Jsraelitett von der Advokatur ausschließt, noch auch die PrariS für eine solche intolerante Maßregel spricht. Indem wir wieder auf den obigen Akt der Bestätigung unserer beiden geschätzten Glaubensbrüder zurückkommen, glauben wir annehmen zu können, daß derselbe muthmaßlich in erster Linie der höchst liberalen von wahrer Brüderlichkeit und Humanität zeugenden Fassung des Wechselprotokolles, ferner dem biederen makellosen Charakter und der Popularität, denen sich beide Gewählte in unserer Stadt allgemein erfreuen, zuzuschreiben ist. Das hier erscheinende politische Tageblatt ״Alföld“ schreibt hierüber: ״Die Herren Heinrich Blau und Paul Walisisch sind heute als Beisitzer des WechselgerichtcS beeidiget worden. Ein neuer Beweis jener edlen Toleranz, die Arad auszeichnet; eS ist in der That keine gemeinnützige Anstalt, kein Verein, kein industrielles, künstlerisches oder merkantilischeS Unternehmen, bei dem die Israeliten nicht durch Geld und Intelligenz verkreten wären und an deren Verwaltung sie nicht als verdienstvolle Mitglieder Theil nehmen würden. Hinzufügen müssen wir, daß die jüngere Generation hinsichtlich der Sprache rein ungarisch ist. Unter solchen Verhältnissen ist bei uns natürlich die Emanzipation schon faktisch ins Leben getreten, und die Stadt Arad ist ans ihre israel. Einwohnerschaft als ungarische Bürger wahrhaft stolz." Groß-Kanifcha, 13. September. Von unserm berühmten Oberrabb., Herrn Fasset, ist eine meisterhafte Predigt erschienen, welche et am 16. v. M. zu WaraSdin bei der Einweihung der dortigen neuen Synagoge gehalten hat. Wien, 13. September. Die höchstbesteuerten Juden in Ungarn sind emanzipirt, indem sie in Gemäßheit der Instruktion der Hofkanzlei Sitz und Stimme in den Komitatö-NuSschüssen haben. Prag, 13. September. Herr Vr. Wolfgang Wessely seit 13 Jahren außerordentlicher Professor des Strafrechtes, ist zum ordentlichen Professor dieses Lehrzweiges ernannt worden. Die freudige Theilnahme an dieser Ernennung ist um so größer, als der Hr. Prof, nicht nur dem Namen nach Jude ist, sondern für Zsrael'S Lehre und Ehre glüht, und sich auch als jüdisch-theologischer Schriftsteller bedentende Verdienste erworben hat*). Zichydorf, 12. September. Die alte Wurzel des Judenthums treibt, sich ewig ewig verfügend, in unserer Zeit manche Blüten, die Auge und Herz deö Freundes des Fortschrittes erfreuen. Wer wird nicht ein inniges Behagen empfinden bei den Anblick, wie der Jude rastlos bemüht ist das, was er in einem vieljährigen Stillstände hat versäumen müssen, nachzuholen! Man muß Jude sein, frei von allen den Verstand einengenden, das Herz verkümmernden Vorurtheilen, Jude, frei von aller Sofisterei,' um in eine richtige Parallele bringen zu können den Stand deö JudenthumS in früherer und jetziger Zeit. Welches ist aber.der Maßstab, durch den sich die Entwickelung des IndenthumS genau bestimmen läßt? Es gibt deren mehrere: einer der vorzüglichsten aber war, ist und wird ewig sein — der Gemeindezustand. Thora, Gottesdienst und Wohlthätigkeit sind nach der Lehre uns. *) Auch wir gratuliren unserem geehrten Freunde und Mitarbeiter zu der Ernennung, die einen neuen Fortschritt in den bürgrrl. Verhältnissen der Osterr. Juden bezeichnet. Hoffentlich wird eö ihm auch fortan gegönnt sein, der jüdischen Theologie, seiner Jugendfreundin, manches Ständlein zu widmen. Red. Weisen die Grundpfeiler des Bestandes Israels. In vielen Gemeinden des Vaterlandes stehen dieselben Gottlob auf festem Grund und Boden. Auch in der Gemeinde Groß-BecSkerek, wo ich die NcujahrStage zubrachte, ist dies der Fall. Die Gemeinde hat eine dreiklassige Volksschule, welche an Herrn Feldheim einen tüchtigen Lehrer besitzt: das Schulgebäude befindet sich in ordentlichem Zustande. Da an den Tagen, wo ich daselbst verweilte, nicht Schule gehalten wurde, so konnte ich mich nicht persönlich von den Leistungen der Schüler überzeugen; wie ich aber vernommen, sollen sie recht befriedigend sein. — Die Mädchen in der mit der Volksschule verbundenen Industrieschule machen recht gute Fortschritte, wie die netten Arbeiten, die ich von 9—10-jährigen Mädchen verfertigt, zu sehen Gelegenheit hatte, deutlich zeigen. — Die jugendliche Baumschule, die Kleinkinderbcwahr-Anstalt erfreut sich der regsten Theilnahme, da die jungen Pflänzlein naturgemäß zu ihrer weitern Bildung herangczogcn werden. Wenn der äußere Bau der Synagoge schon angenehm auf den Beschauer wirkt, so ist die innere Einrichtung derselben überraschend; eine heilige Scheu befällt den Eintretenden, cs ist gleichsam» als fühlten wir Gottes Odem von allen Seiten uns anwehen, unser Herz und Sinn wird von der Alltäglichkeit zu Gott emporgehoben. — Hr. Kan. tor Goldstciu trägt nicht Unbedeutendes zur Verherrlichung des Gottesdienstes bei: er besitzt eine reines Tenorstimme und eine Vortragsweise deren Töne die HerzrnSsaiten erschüttern und einen heiligen, gottgefälligcn Akkord hervorbringcn. Das Chor jedoch ist nicht gut eingeschult. Der Herr Rabbiner hielt an beiden Tagen!ר״ך und am darauffolgenden Sabbate gottesdienstliche Vorträge. Diese näher zu beleuchten, gestatten hier nicht der Raum. Einen Umstand jedoch muß ich nicht nur rügen, sondern sogar tadeln: In den hintern Tempelräumen befinden sich Getreidemagazine, die an Christen vermicthet sind; da wird nun immer, ohne Rücksicht ans Sabbat oder Feiertage gearbeitet; dichte Staubwolken steigen von unten auf und das ewige Geklapper beleidigt das Ohr. Finden sich keine israel. Miether? Oder könnte im Kontrakte nicht die Klausel eingeschaltet werden: ״Mit Ausnahme von Sabbatu. Feiertagen?" Wir hoffen, daß der wackere Vorsteher Herr Mangold auch diesen Stein des Anstoßes entfernen wird. Von dem Biedersinne des Fraurnvcreins hat ein Korrespondent des geehrten Ben Chananja einmal berichtet. Besondere Erwähnung verdient ״der Jugendvcrein", der jetzt 75 Mitglieder zählt und sich die Ausgabe gestellt, einen Fond zu gründen, um ein jüdisches Spital zu stiften, welches Vorhaben wahrscheinlich bald verwirklicht werden wird- Vorsteher und Depositeur des Vereins ist der Sohn des Herrn Sim. Eisenstädter. Berathungen hält der Verein in einem ihm zu diesem Behnfe unentgeltlich überlassenen Lokale; wie ich aber vernommen, wird er in Bälde sich eines ankausen. — Verdient ein solches Beispiel wahrer Humanität nicht in weitesten Kreisen Verbreitung und Nachahmung? Könnte unsere Jugend uicht überall irgend eine milde Stiftung ins Leben rufen? Sollte die Gemeinde zit klein sein, so können ja mehrere in einen edlen Bund zusammentreten. ״Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes Dich an" sagt der unsterbliche Schiller. Von d. erwähnten 75 Mitgliedern nehnien 25, welche gute Stimmen haben, bei Herrn Goldstein Unterricht in Musik und Gesang um au Feiertagen und sonstigen freudigen Anlässen beim Gottesdienste mitwirken zu können. Wahrlich solch ein Männerchor macht eine Orgel entbehrlich, da der Eindruck viel mächtiger wirkt. — Eine solche Erscheinung muß um so mehr erfreuend für uns sein, als der ״geregelte Gesang" oder wenn ich so sagen darf, der ״Gesang als Kunst" in dem Jndenthnme — einzelne Ausnahmen hat es wol zu allen Zeiten

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