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Ben Chananja · 1861-09-06 · 36 (6.9.1861) · p. Seite 311

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
36 (6.9.1861)
Date
1861-09-06
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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Zweimal, tut Jahre 1848 und 1849 wurde daö venetianische Volk aufgefordert seine Gesandten in die Nationalvcrsammlung zu wählen und zweimal ging der Name Errera'S auö den Wahlurnen hervor. In den gefahrvollsten Zeiten war er Mitglied deö Oinnlo di governo. Im Jahre 1850 ernannte ihn die Pforte zum Konsul von Venedig, aber daö Ereqnatnr wurde ihm versagt. Alle diese Sorgen aber entzogen E r r e r a nicht den Interessen seiner Glanbensgcnossen. Beinahe 30 Jahre war er Präsident seiner Gemeinde; auch war er lange Zeit Borstehcr der Thalmnd Thora. Sein Eifer für alles Gute war so bekannt, daß Ventura, der 30,000 Thaler zu wohlthätigen Zwecken legirtc, ihn znm Testaments-Erekntor ernannte. Errera selbst stiftete eine fortlaufende Rente von 1000 Livreö für einen armen Israeliten, der sich durch seine religiöse und sittliche Aufführung und seine Brauchbarkeit am meisten des Genusses der Stiftung würdig macht. Nicht nnr seine Familie und Gemeinde, sondern ganz Venedig nnd alle, die mit ihm in Verbindung standen und seine Tugenden kennen lernten, betrauern den Verlust dieses so edlen ManneS. Sein Grabstein trägt eine von Professor Lelio della Torre verfaßte Inschrift in klassischem Hebräisch. Schulwesen. VII. Wie kann die jüdische Bürgerschule den Ansprüchen der Religion und der Zeit in angemessener Weise gerecht werden? Mit Freuden begrüßt jeder, für Sittlichkeit und Religiösität, für Bildung nnd Humanität erglühte Mensch Anstallen, in denen diese höchsten Güter deö Lebens ihre Pflege finden. Mit ganz besonderer Geungthuung aber begrüßt sie der für seinen alten Glauben und dessen beseeligeuden Jnstitutionen warm fühlende Jude, wenn sie fähig und bestrebt sind, ihr Doppelziel zu erreichen. Kurz nnd scharf wird dasselbe durch die an die Spitze dieses Aufsatzes gestellte Frage bezeichnet. Die jüdische Bürgerschule will nnd soll gemäß derselben ihre Zöglinge mit all denjenigen Kenntnissen ansftatreu, die sie für den sofortigen Eintritt ins Leben geschickt machen. Ware dieses die einzige Forderung, die an sie zu stellen ist, so würde sie bei derselben Befähigung ihrer Lehrkräfte, bei derselben Anordnung nnd Vertheilung ihres Lehrstoffes nur dasselbe zu leisten haben, was auch andere Bürgerschulen leisten. Das Bedürfniß einer jüdischen Bürgerschule wäre dann kaum vorhanden, sicher aber kein dringendes. Könnten dann die jüd. Knaben nicht in jeder guten Anstalt ihr Ziel erreichen? Aber mit der Aufgabe für's bürgerliche Leben empfängt die jüdische Schule die wenigstens eben so hohe, ja höhere, zweite Aufgabe. Mit Recht fragt jeder wahre Jude: wie soll das Erbtheil, das als schönstes Kleinod unseres Volkes seit Jahrtauj senden erhalten ist, wie soll dieses Erbtheil der Jngeud überliefert werden, wenn sie, in Unkenntniß über dasselbe verbleibend, es von Anderen wol gar als nicht beachtenSwerth behandelt sieht? Bekümmert muß er sieb sagen, unsere Kinder, die als Inden geboren ancb Inden sein sollen, wachsen auf in Unbekanntschaft mit allem dem, was ihnen für ihr Seelenheil zu wissen Noth thnt. Darum wird die jüd. Bürgerschule von ihm freudig begrüßt, darin die Aufgabe derselben gelöst wird. Nur in einer glanbenSu. charakterfesten, urtheilsfähigen Jugend liegt das Heil der Zukunft für daö Jndenthnm. Die jüdische Bürgerschule erstrebt daher die Anssöhnung des Glaubens mit dem Leben, sie will den Fortschritt, den der Religion und der Zeit gleichmäßig Rechnung tragenden Fortschritt, innerhalb des Glaubens, sie will endlich und soll in dem Kinde die warme, innige Anhänglichkeit an den Glauben der Väter nähren und stärken. ״Der Unterricht würde seinen letzten Zweck, die mög- ״lichste Vervollkommnung der von ihm erregten Kräfte nicht ״erreichen, wenn diese Vollkommenheit eine rein intellektuelle ״bliebe, wenn nicht zugleich die gemüthliche und sittliche ״Seite des Menschen in Anspruch genommen und ebenso ״ihrer Vollkommenheit zngeführt würde. Nnr dadurch wird .,die Erziehung als Ganzes vollendet und der Unterricht ein ״Hauptfaktor derselben, welcher in eine Harmonie der ״Kräfte aufgeht. Die Anstrengungen für den Unterricht ״wären ungerechtfertigt, wenn derselbe nicht zur Erkenntniß ״und Liede Gottes und der Pflichten führte; die isolirte ״intellektuelle Bildung giebt viel zu wenig Bürgschaft für ״zeitliches nnd ewiges Glück, als daß man sie als einziges ״Ziel Herstellen dürfte. Wie sieb aber überhaupt die mcnsch- ״liehe Seele nicht in einzelne Kräfte zerlegen nnd gemäß ״dieser Zerlegung behandeln läßt, sondern überall eine Weck)- ״selwirkung und wechselseitige Bildung stattsindet, so auch ״in den Wirkungen des Unterrichts. Sie können nicht indis- ״ferent neben der Entwickelung des Gemüth's nnd Willens ״herlanfen, in dem Brennpunkte der Vernunft müssen sie ״nothwendig Zusammentreffen und daö Gefühl hängt sich ״schon unbewußt an die Vorstellungen." So spricht eine christliche Autorität auf pädagogischem Gebiete, Enrtmann in Schwarz-Curtmann'S Erziehungölehre II. Theil, pag. 220. In diesen Worten ist nun nicht allein die Einbuße bezeichnet, die der jüdische Knabe in seiner Ausbildung erleidet, wenn er die beiden Faktoren derselben au zwei sich oft entgegen arbeitenden Anstalten erwerben muß; in ihnen ist nicht allein daö Bedürfniß der jüdischen Bürgerschule gegründet, sondern eS ist auch in diesen Worten der Weg vorgezeichnet, den diese zu nehmen hat, um ihre Zöglinge in vollkommenster Weise ihrem Ziele entgegen zu führen. Welcher ist nur dieser Weg? Nehmen wir bei der Beantwortung dieser Frage drei Erziehungs-Fasen an, wie sie sich auch in dem Programme des D1\ Placzek als Elementar-,Mittel- und Realklassen bezeichnet finden, so haben wir nachzuweisen, wie in jeder dieser Fasen mit dem Unterrichte in den Wissenschaften und Fertigkeiten, die dem Weltverkehr dienen sollen, derjenige in der Religion Hand in Hand gehen, ja wie letzterer den ersteren all überall dnrchdringen müsse und wie er dieses

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