Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 35 (30.8.1861)
- Date
- 1861-08-30
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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307 ceutschc Vorwort charaktcrisirt die Gcdichtcsammlnng folgendermaßen .׳ ״Eine» Tbeil dieser Gedichte hat Schmerz diktirt, über vermeintliches oder wirkliches Unglück. Edler Zorn hat andere cingegcbcn über sich breit machende leere Vornehmheit, die das Talent nicht zu würdigen weiß. Den Trost der Wissenschaft haben andere zum Inhalte. In anderen Gedichten feiert die Freundschaft ibre Triumfe. DaS Lob lebender!!!ld abgeschiedener Freunde fließt in reichlichen Strömen, reichlicher als wir in nnscrcn Ländern zu sehen gewohnt sind." (Aus einer Anmerkung erfahren wir gelegentlich, daß Jniuiaiinel ans Fernio das Sonett in die hcbräislkw Literatur cinfübrtc.) Die hebräische Einleitung enthält lirerär-historische Notizen, welche bestininil sind, den Einblick in die Filosofic Gabirol's zu erlcichlern: l. Auszüge aus dem Abnsahal (Donaö) Jbtt Tainim zngeschricdenen Jczirakommentarc; 2. Auszüge aus dem משכיח האורות ופרדס הנצני □ des Abnhamad Algazali mit dein Motto ans den Mibchar Pcninini המלכים שופטי האר^ן והחכמים שופסי המלכים 3. Einige ״Korner" aus dem dem Aristoteles zugcschricbencn Svd ha- Sodot. Die nun folgenden Gedichte Gabirols (l—40) sind mit zahlreichen, thcils svrachlichcn, theils sachlichen Anmerkungen begleitet, die eaS Stadium der G.'S erleichtern und fruchtbar machen. S. XV ist die Uebcrlragung: הפילוסיף הדחי=«« religiöser Filoivs vielleicht nicht ganz zutreffend; vermiithlich soll Algazali als Rcligionssilosos bczeichnct werden. DaS zweite Heft hat 94 hebräische und deutsche Seiten. Dem deutschen Vorworte geht voran: ״Ans einen aufgcsnudenen Briefe" (III—VI) ׳ ci״c Reihe epigrammatischer Acußernngcu gegen einen der kühnen Kritiker der Gegenwart. Hr. D. bcmcrkc gelegentlich, daß folgendc Zeile von Jchnda Ha-Lcvl ein ganzes Buch aufwicg: תשיאך הכמת יונית אשר אין לה פרי כי אס פרחים. (Deutsch ungefähr: Streb' nicht nach griechischer Weisheit. Die Blüten nur hat ohne Frucht). Diese Warnung hängt indeß genau mit dem Standpunkte R. Jehuda'S zusammen, die unparteiische Geschichte der Filosofic wird wol schwerlich die Behauptung unterschreiben, daß die von Plato und Aristoteles gepflanzten Erkenntnißbaume nur Blüten trugen und keine Frucht. Dauert ja der Einfluß, den diese Filosofen mirtelbar auch auf das Judenthum ausübten, zum Thcil bis auf den heutigen Tag fort! Das Vorwort bespricht die Eigenthümlichkcitcn Gabirols ans eine eben so geistreiche als belehrende Weise (VII-XVI). Der hebr. Thcil enthält auf 73. S. 40 Gedichte Gabirol's, woraus die gelehrten Zugaben des Herausgebers folgen. Dieselben geben Kunde von der seltenen Belescnheit und Spezialkenntniß, welche der HcrauSg. in dem bezüglichen Schriftthume besitzt. Der aufmerksame Leser kann sich hier in wenigen Stunden aneignen, was der Verfasser sich nur im Laufe von Jahren erwerben konnte. Die Quellen, aus denen Hr. D. schöpft, sind den meisten Freunden der neuhebräischcn Literatur unzugänglich, was die mühevollen Zitsammensttsluiigen d. Hrn. Dukes um so verdienstlicher erscheinen läßt; vergl. z. B. in dem vorliegenden Hefte den ErkurS über das Wort ׳מליצה Der ״Musivstyl" wird S. 78 auf Kalir zurückgeführt, während sich schon in der Mischua unverkennbare Spuren davon finden; so wird Jefaj. 7, 25 in d. Mischua Pea 2, 2 angeführt; auch Peßach. 9, 6.: וכי הולדה נביאה היא gehört gewissermaßen hieher. Andere thalmudische Anklänge an den Musivstyl hat der Versin s. ״Zur Kenntniß der neuhebr. Poesie" angeführt (114—116). S׳ 86 führt der Verf. folgende Worte des Meiri als bedeutsam an' מצות בפני תורה כנר בפני תמה : dieser Spruch ist aber mit einer geringen Modifikation dem Thalmud entnommen (Sota 21, a vergl. Ben Chan. 2, 498. Wir bitten gelegentlich unfern gelehrten Frennd, Hrn. Dnkes, die ״Lebcnsbctrachtung des JudenthuuiS" (das. 293, 389. 489, 537) seiner besondcrn Aufmerksamkeit zu würdigen, da diese Abhandlung durch ihn ohne Zweifel sehr bereichert werden könnte). S. 89 macht der Verfasser auf den Mangel einer ausführlichen Biografie R. Jsak al Faßi'S aufmerksam; vielleicht entschließt sich einer unserer Freunde, eine solche in d. Bl. zu liefern. Sehr merkwürdig ist der Vers l. Heil S. 3. אכוף כאגמון ואצ1ם שני וחמישי שני worauf der Ven. S. 91 aufmerksam macht. Es ist aber fraglich, ob hier von dem Fasten nach dem Peßach- und Sukkotfeste die Rede sei, welches Fasten von dem kmldigcn Simon b. Zemach Dnran als deutscher Gebrauch bezeichnct wird (Komm, zu Job 1, 4), so daß cs kaum denkbar ist, daß das Fasten schon in so früher Zeit bei den spanischen Juden im Branche war. Eher wird man an das wöchentliche Fasten zu denken haben, von welchem schon in Mcg. Taa». 12 und bab. das. 12, a die Rede ist . an letzterer Stelle heißt cs schon: ישני וחמישי שני Dieses Fasten war eine freiwillige asketische Hebung Einzelner/und hat also mit der srankogermanischen Einrichtung der 2",'בר nichts gemein. Die Ausstattung der beiden Hefte ist sehr ansprechend, und das Studium derselben sehr lohnend. Dieselben können sehr bcauem v. d. HcrauSg. d. Bl. bezogen werden (Preis 2 fl. ö. W.). Jahresbericht d e o j ü d. t h e o l. Seminars F r ä u k e l s ch e r Stiftung. BreSlau am Gedächtuißtage des Stifters, 21. Janner 1801. Borangcht: lieber die Chronik des Sulpicius Sevc rnS. Aon vr. I. Bernaps. Verl. 1861. 4. 72. V* *). Während das Breslauer Seminar von romantischem Fanatismus augcfcindct wird, geht dasselbe unbeirrt seinen Weg, und gewinnt von Jahr zu Jahr in erfreulich steigendem Maße das Vertrauen der deutscheu und nichtdcutschcn Juden. Die Abhandlungen, welche den Iahreöberichtcn vorangchcn, sind stets eines gelehrten Institutes würdig, welches vom Geiste der Wissenschaft geleitet wird, und aus der Höhe der Zeit steht. Vorliegende Abhandlung bewegt sich auf einem Gebiete, welches bisher zum Bchufe der Aufklärung )üd. Geschichte und jüd. Alterthümer nur wenig betreten wurde: daö Gebiet der ältesten christlich-römischen Literatur. Die Zttsammellstellung dessen, was sich bei alten römischen Filosofen, Geschichtschreibern und Dichtern über Juden und Jildenthuur sinder, ist v. Ga.ns'), Peter Beer׳). Gfrörcr') u. Schmidt') zusammeugeflellt; die christlichen Ausläufer der römischen Literatur warden bisher wenig ailögcbcutet. Einer dieser Ausläufer war der Agui. tanischc Rhetor Sulpiciuö Severus, dem der rühmlich bekannte Dr. Bernays eine ansführliche, tief eingehende Untersuchung widmet. Die Freunde jüd. Spezialforschung werden vielleicht dieselbe mit neidischem Auge betrachten. Denn aus dem jüd. (thalmudischen und uachthalmudi- *) Einer unserer Mitarbeiter, der das Programm zur Besprechilng übernahm, wurde verhindert, dieselbe zu liefern. Daher die Perspätung der Anzeige. ') Z unz, Zeitschrift s. d. Wissenschaft d. Jlldenthums 1. Heft. 35—41 in d. Abh. ״Gesetzgebung über Juden" in Rom. *) Bikkure Ha-Jttim V, 30—40 (der deutschen Abtheilnng). wo ans Gan'S Arbeit keine Rücksicht genommen wird. 3) Jahrhundert des Heils, 1. Abth. S. 114, wo jedoch nur TacituS uub Juvenal angeführt werden. 4) Gesch. d. Denk- und Glaubensfr. S. 159 ff.