Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 35 (30.8.1861)
- Date
- 1861-08-30
- Page
- Seite 306 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Inland. y. Wien, 27. Jänner. Wackerer ״Ben Chananja"! Zum min beginnenden neuen Jahrbring' ich Dir meine Wünsche dar — Gott schenke Dir viel Muth und Kraft — daß Jsrael'S Ehre nnd Wissenschaft — im Kampfe, der ein gerechter — in Dir besitze einen Verfechter — Mögest Du nur fortfahren — zu beschissen das Meer der Gcmarcu — zu stehen im Dienst der Geschichte — die ewig sitzt zu Gerichte. — Es segne der Herr die Getreuen — die Edlen, die nimmer sich scheuen — zn prüfen, zu forschen, zu fragen — nnd was sic ergründet zu sagen — Die Lehre der Juden, sie scheut nicht das Licht — die Fackel der Forschung, die fürchtet sie nicht — der Glaube der Juden, er ist 1a so rein — Schädlich kann nimnier die Forschung ihm sein; — Drum forsche auch wacker im kommenden Jahr — Dir folget mit Liebe der Denkenden Schaar! — Pest, im August. Als im Monat Dezember v. Jahres die h. Gemeinde nach Langem Hinnnd Hcrraisonniren den Entschluß faßte die ung. Sprache in ihrer Normal- und Mädchcnhauptschnle.zur Unterrichtssprache zn erheben, da waren gar Viele, die da meinten so was sei bei unfern Kindern etwas rein Unmögliches und es sei gefährlich ein solches Erpcriment zu wagen. Nun die Zeit hat es gezeigt, wie grundlos jene Befürchtung gewesen, und darin werden gewiß alle, die mit mir diesen Prüfungen beiwohnten, übereinstimmen, daß solche Leistungen schon seit Jahren hier nicht gehört und gesehen wurden als dieses im heurigen Jahre der Fall war. Ich will hier nicht von der Auszeichnung sprechen, die dem in der Mädchenschule wirkenden von der bohen Regierung dahin beorderten Lehrer Nosenb. am PrüsungStagc allgcnlkin zu Theil wurde, noch will ich von den die allgemeine Verwunderung hcrvorruscnden Leistungen eines Bauer, Fischer, Großmautt» Kohn tu Lustig sprechen, sondern will mich bloS ans die einzige Thatsache bcschränken, daß die Lehrer Reich nnd Weiß zu unserer aller Staunen die Bibel, Gebete und GebetSsormeln ins ungarische von der Mehrheit der Schüler übersetzen lassen. In der Mädchenschule insbesondere bemerkten wir. daß die ung. Sprache mit sichtlichem Fleiße nnd großer Sorgfalt gepflegt wurde, denn sowvl bei Behandlung der Lesebücher als auch bei den übrigen Gegenständen hörten wir die Fragen nnd Antworten ungarisch ertheilen. Der Lotaleindrnck, den diese zwei Prüfnngcn auf die anwesenden Gäste, am 10. in der Knaben und am 10. d. in der Mädchenschule zurückließen, fand in den zahlreichen Beglückwünschen von Seite der Vorstandsmitglieder und Prüfnngügäste an sämmrlichc Lehrer seinen beredtsten Ausdruck. Herr Di׳. Hauser sowvl, als auch der städtische Direktor Herr Kriegler äußerten ihre besondere Zufriedenheit gegen Lehrer und Schüler über das was sie hier gehört nnd gesehen haben. Zum Schluffe der Prüfung wurden auch von dem hier bestehenden jüd. Prämienfond an die in der hebr. Sprache sich ausgez. Schüler Silberflücke vertheilt, außerdem wurden auch andere Präuiicii verabfolgt, darunter mehrere vom ung. Verein überschickte ung. Erzählungen. Gerne würde ich Ihnen über die am 13. d. M.'S stattgefundenen Prüfungen in der Musterhauptschule referiren, ich war nm diese Zeit jedoch nicht anwesend in Pest, und mußte mich demnach eines geistigen Vergnügens beraubt sehen. Wie ich jedoch allgemein höre darf sich die diesjährige Prüfung ihren früheren Kolleginnen würdig aiischließen. —v■ Temeövur, im August. Mit dem eben abgelaufenen Schuljahre hat die hier bestehende isr. Mnsterhauptschule das vierte Jahre ihrer Mission vollendet, und mit wahrhaft erhebendem Selbstbewlißtscin kann sie aus ihre segensreiche Wirksamkeit während des bezeichnelcn Zeitraumes zurückblicken. Die im Verlause dieses Monates abge- > haltene öffentliche Jahresprüsnng hat ihren Freunden und Gönnern I abermals den Beweis geliefert, wie sehr die Anstalt sich ihrer Ausgabe bewußt, und wie sehr sie bemüht ist, daS ihr gesteckte Ziel zu erreichen und des in sie gesetzten Vertrauens so wie ihres Namens als ״Musteranstatt" und zwar als ״jüdische Musteranstalt" immer würdiger zn werden. Die Antworten der Schüler ans allen Lehrgegenständen in allen Klassen haben dem einsichtsvollen, unbefangenen Zuhörer die Ueberzcngung verschafft, daß hier kein plan- und taktloses Fürgehen, vielmehr ein vernünftiges Jneinandergreifen, ein Handinhandgehen nach einem geordneten Lehrplane mit Handhabung einer entsprechenden zwcckmähigen Lehrmethode gang nnd gäbe ist, daß jeder Lehrer insbesondere aus allen Kräften und mit allem Eifer bemüht ist den ihn! obliegenden Pflichten nachzukcmmen und das Beste des Ganzen zu fordern. Ans den angeführten Thatsachcn ist auch die immer steigende Thcilnahmc der betreffenden Eltern nnd aller Schnlfrcunde überhaupt für diese Mnsterhauptschule erklärlich und steht zn erwarten, daß auch der neue ans intelligenten und thatkrästigcn Männern zusammengesetzte Kultus- Vorstand der Förderung dieses wichtigsten Institutes der Gemeinde sein vorzügliches Augenmerk znwendcn wird. Czeglssd, im August. Die Streitigkeiten zwischen der hiesigen Gemeinde und dem Rabbiner haben endlich ihr Ziel erreicht. Der Rabbiner legt sein Amt nieder, und die Gemeinde gibt ihm freiwillig eine Entschädigungssumme. In Bezug auf die Wahl der Gemeindevorsteher hat sich des Pcstcr Komitat dahin ausgesprochen, daß die jüd. Gemeinden, die keine politische, sondern religiöse Körperschaften sind, vollständige Autonomie besitzen, nnd daß dieselben in Bezug ans die Verwaltung ihrer religiösen Angelegenheiten keiner wie immer Namen habenden Beschränkung unterzogen werden dürfen. SzenteS, im August. Herr Rabbiner Goldzieher hat sein Amt hier niedergelcgt um das Erlaucr Rabbinat auzutrctcn. Der Wunsch, unser Rabbinat bis zu den Feiertagen besetzt zu sehen, scheint unerfüllt zu bleiben. Ueber hies. Schul- und Gcmeindeaugelegenheitcu ein andercö Mal. Bis dahin wünschen wir dem ״Ben Chanauja" כתיבה S. s.!והתימה טובה TcmeSvür, 27. August. Unser Glaubensbruder, Herr Schult, o f, hat heute in Anwesenheit eines großen Publikums Proben mit einer durch Dampfkraft getriebenen Pflugmaschine angcstellt. Es ist diese Maschine die eiste in ihrer Art, die in Ungarn gesehen wurde. Szegedin, 28. August. Das ״Szegcdi Hiradö“ bringt heute einen kleinen aber mit gebührendem Nachdrucke geschriebenen Artikel gegen die gehässige Weise, in welcher die Majorität des Esongrnder KomitatS-AttöschuffeS bei Gelegenheit der Superiutabulatiousdcbattc der Inden gedachte- Dasselbe Blatt empsiehlt den 13-jährigen Jakob Hauser, der diese Lage ein Konzert geben wird. Derselbe hat 1840 unter dem Bombardement Pest's das Augenlicht verloren, nnd ist seit sechs Jahren Zögling des Pcstcr Blindeninstituteö. Die von dem Red. d. Bl. am 7. v. M. zu Großwardein gehaltene ung. Synagogen-Eiuwcihungö-Predigt ist in der hies. Druckerei bereits unter der Presse. Der Vorstand der Großwardeiner ung. Gemeinde läßt dieselbe in sehr splendider Ausstattung erscheinen. Literarische Zn,eigen. שירי שלמה• Hebr. Gedichte v. Sal. b. Gabirol aus Malaga. Ans den Handschriften in Orford, Parma und Wien gesammelt, erläutert und zum erstenmal herauSgeg. von Leopold Dukes. 1. Heft. Hannover 1858. TengerS Hosbuchdr. 8. 2. Heft das. 8. Das erste Heft enthält ein deutsches Vorwort (1—VI), eine hebräische Einleiiung (I-XVI) nnd 27 Gedichte von Gabirol. Das