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Ben Chananja · 1861-08-30 · 35 (30.8.1861) · p. Seite 303

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
35 (30.8.1861)
Date
1861-08-30
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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303 Gleichgewicht wieder Herstellen. Aber die ganze Nnterscheidüng zwischen Theorie und Prariö ist hier an Unrechtem Orte. Die Wissenschaft wird davon nicht berührt, da cS ihr nm die Einsicht in die Natur und Bedeutung der thalnmdischen Mischnaerklärnng zn thun ist; sie wird sich von dem ״Bis hieher und nicht weiter!" der Halbkritik und Halborthodorie nicht irre machen lassen. Die Unterscheidung ist aber auch rein willkürlich. Sie verdankt ihren Ursprung der Befangenheit, die nicht sehen will, was sie sehen könnte, oder der Furchtsamkeit, die stehen bleibt, wo sie weiter gehen sollte. Einzelne Amorüer, wie R. ״Abba aus Memel" bekennen selbst, daß ihre Lehrer nicht immer die Mischna zu erklären verstehen^'), ohne daß sie die praktischen Mischna'S hievon ansnehmen würden, und S ch o r r'S gelehrte Zusammenstellung-'") hat die Unhaltbarkeit jener Distinktion über allen Zweifel erhoben. Schorr behandelt indeß die gcmaristischeu Jrrthümer in der Mischnaerklärnng noch immer als Ausnahmen, während in der Wirklichkeit die richtige Erklärung dunkler Mischua'S zn den anSnahmöweisen Leistungen der babylonischen Gemara gehört. Dasselbe gilt von dem Verhältnisse der Gemara zn den Barajtha'S. So wird die Vorschrift, sich beim Schlüsse der Mahlzeit vor dem Gebete zu bekränzen, — AehnlicheS fand bekanntlich auch bei Griechen und Römern statt, — irrthümlich so gedeutet, als ob nicht die speisenden Personen, sondern der Kelch bekränzt werden sollte׳''^)! Alles dies haben die Wort-,׳ sichrer der vulgären Traditionsdoktrin sorgfältig zu prüfen, zu erwägen, und anö den Quellen gründlich und abschließend zu widerlegen. Bei der emsigen Regsamkeit, welche heutzutage auf dem Gebiete der thalmudischen Sprach- und Alterthnmökttnde herrscht, liegt die Gefahr nahe, daß die vulgäre Vorstellung von dem Ursprünge und der Kontinuität der thalmudischen ParadosiS in kurzer Zeit von der Nenorrhodorie eben so als antiguirt betrachtet werden wird, wie dieselbe schon gegenwärtig die thalmudische Dämonologie, Astrologie und Oneirologie so entschieden als veraltet betrachtet, daß sie alle damit zusammenhängenden HalachaS für obsolet erklärt. Soll nun der drohenden Gefahr vorgebeugt werden, so müssen die Vertheidiger der Paradosis bei Zeiten daran gehen, all die Zweifel und Probleme zu lösen, die von ihrem Systeme unzertrennlich sind, u. d. sich schon bis zu diesem Augenblicke so anfgethürmt haben, daß deren Abtragung nicht geringe Kräfte in Anspruch nimmt. Die Herren Freund und Auerbach haben gezeigt, daß eö ihnen nicht an gutem Willen fehlt, die vulgäre Traditionsdoktrin in Schutz zu nehmen; ihre apologetischen Versuche mußten aber erfolglos bleiben, da sie sich ihrer Aufgabe nicht klar bewußt waren. Sind Napoport und Kämpf in dieser Rücksicht glücklicher gewesen? Hierüber sollen folgende Bemerkungen Aufschlttß geben. (tfertfcpiu; folgt.) Anmerkungen. '") Oben S. 145, 146, 153, 154. . 4") Milchamoth, hecauSgegebcn v. Raf. Kirchhcim im L. B. d. Or. VII, 211.: שבתי וראיתי בששה סדרים ,והנם על לעורן אנשים הרשים נאמרים• 5u) Berach 5, a.: ״Ich will dir die fteiiierncn Tafeln geben:" dies sind die zehn Aussprüche; ״das Gesetz", d. i. der übrige Theil der Thora; ״n. das Gebot", d. i. die Mischna; ״das ich geschrieben", der für die Profeten und Hagiografcn: ״sic zu belehren" das ist die Gemara. יי) Megilla 19, b. ‘2׳) jcr. Sabb. 7, 2. b. Gittin 60, b. Siehe oben Seite 288 Anmerk. 41. r3׳) Joma 71, b. und d. Paraltellst. ’■') Bathra 23, b. ־■־) Jer. Mord jfatan 3, 7.: ואנן אפי׳ רבבינן לא הכמין מבארה נזתניתן. r,,i) he-(§haluz 1, 56—64. 2, 58—60. 5, 31—66. ',ך Varach. 57, a. Das lönigUjiim in 3fraef. V. Jakob Heinrich Low, Musterhauptschnlkchrer in Sator-Alja-Ujhcty. Meist noch war es der neuesten Sprachforschung vorbehalten, auf den Quell der Geschichte Israels und dessen Kulturlebens hinzuweisen, den die Etymologie der hebräischeu Sprache in reichem Maße darbietet, wenn man das Endchen des Ariadnefadens nur richtig zn erfassen versteht, nm sich dann durch das Labirint der scheinbaren Gegensätze zu der erwünschten Quelle hin zu winden. Freilich erfordert es hier nm so mehr Umsicht, eben weil man von dem vorgesteckten Ziele leicht abirret, und gewagte Hypothesen als geschichtliche Daten zu geben vermag. Hat man aber all die Hindernisse überwunden, und sich durch die Abwege der verlockenden Spitzfindigkeit redlich hindurch gearbeitet, dann wird einem gewöhnlich auch das lohnende Bewußtsein: zur Aufklärung einer dunkeln Bibelpartie daö Seine beigetragen zu haben. Diese kurze Andeutung — wenden wir spezial ans eine Erklärung zu Deuteron. 17, 1-1—20 au. Dabei will es mir scheinen, daß die unermüdliche Kritik sich über die theokratischen und hierarchischen Institutionen in der mosaischen Gesetzgebung der größtmöglichsten Ausführlichkeit befleißigte, während sie, meines Wissens, der geschichtlichen Entwickelung des Königthumö in Israel noch lange nicht genug Rechnung trug. Und dennoch muß dieses mehrere Fasen durchgemacht haben, ehe es den Kulminationspunkt der Größe und Machtvollkommenheit unter David und Salomon erreicht hat. Wer würde auch in Saul, dessen Einfachheit ziemlich noch an den Führer eines Beduinenstammeö gemahnt, den glanzvollen Fürsten der spätem Periode finden wollen? Aber selbst vor Saul war der Königstitel nicht unbekannt in Israel gewesen. Sam. 1. 2, 10 wird auf Eli, den Herrscher und Oberpriester Israels, gedeutet. Richter 5, 3 so wie Ps. 2,1 sind unter "״מלבים nach Abarbancl, Stanimsürften Israels zu verstehen. Noch mehr.' Mose

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