Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 34 (23.8.1861)
- Date
- 1861-08-23
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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297 Kulturbestrebungen find unter den ung. Juden vorhanden, und deren Verdienstlichkeit wird von allen Einsichtigen anerkannt. Der alberne nnd unberufene Schreier in Gr.-Becskerck wird ohne Zweifel auch über den Handwerkerverein in Pest den Stab brechen, da unter den Christen kein ähnlicher Verein vorhanden ist, und die Juden durch die Gründüng und Erhaltung desselben das Zugeständniß ihrer Unreife ablcgen ü Herr O. hatte noch lange nicht begonnen durch seine Schriftstellerei die Makulatur zu vermehren, als ich den ersten jüd. Handwerkcrverein in Ungarn gründete (1842). Bei der sichtbar fortschreitenden Bildung d. ung. Juden ist auch die Gründung eines allgemeinen Kulturvereins zu erwarten. durch welchen den bisherigen Bestrebungen eine festere Konsistenz, ein weiterer Umfang, ein fruchtreicherer Erfolg gesichert würde. Dem Herrn vr. Filippson kann ich mit folgenden Thatsachen dienen. Der ״Ben Chananja" wurde noch vor seinem Erscheinen in der Judenzcit. angegriffen. Der Angriff enthielt eine Unwahrheit, welche ohne mein Hinzuthun vom Herrn vr. L. Levysohn in Worms zurückgewiesen wurde. Vr. Fil. ließ aber die Berichtigung nicht abdrucken. Vor Kurzem schickte ihm Herr Schuldirektor Bacher in Szutsün ebenfalls ohne mein Hinzuthun eine Widerlegung der gegen mich gerichteten Angriffe, vr. Fil. machte von der Sendung keinen Gebrauch, während ich das, was mir zu seiner Bertheidigung oder zu seinem Lobe zugesandt wurde, stets wortgetreu in mein Blatt aufnahm. Das Verfahren des Herrn vr.'S Filipps. bedarf wirklich keines Kommentars. Dasselbe erscheint aber in einem viel mildern Lichte, seitdem Hr. vr. Filipps. bewiesen hat, daß er sein Blatt auch gemeinen politis. Dettunziationen öffnet. Hr. vr. Filipps. scheint der Urtheilsfähigkeit der ung. Juden sehr wenig zuzutrauen, sonst würde er eingesehen haben, daß er durch sein gehässiges Benehmen gegen ein Blatt, welches vermöge seiner wissenschaftlichen Haltung mit seiner Zeitung nicht einmal konkurrirt, den winzigen Rest von dem Nimbus zerstört, der seinen Namen zu einer Zeit umgab, als noch der Doktortitel in Ungarn imponirte. der sich aber längst auf ein sehr unansehnliches Minimum reduzirl hat. Lö w. Lorrespondenz. © Pest, 19. August. Wie ich so eben höre, neigt sich die Anschauung der königlichen Tafel zu Gunsten der jüdischen Advokaten. Bekanntlich hat der Reichstag von 184V4. bei welchem die allgemeinen Emanzipation in der Minorität blieb, die Zulassung zur Advokatur einstimmig ausgesprochen. Die speziellen Begünstigungen dieses RcichstageS fanden aber zu jener Zeit in Wien keinen Anklang, weshalb die königl. Sanktion unterblieb. Da jedoch die Ausschließung von der Advokatur in keinem ung. Gesetze ausgesprochen, und bloß im Usus belichem, religiösem und nationellem Standpunkte beleuchtet. Daß meine Worte nicht wirkuugöloS verhalten, ist aus den ung. Blättern, besonderS aus der ״ungarischen Presse" und der ״neuen Zeit" zu ersehen. Herr O. wird wol daran thun, sich hierüber von einem Kundigen unterrichten zu lassen. Er wird gelegentlich erfahren, daß mir Herr Eöttevönyi, Red. d. in TemeSvür erscheinenden ״Delejtü“ (Magnet) den Vorwurf macht, daß ich mich in m. ung. Aufsätzen viel zu scharfer Wasfen bediene, und die ganze Christenheit wegen des an den Juden begangenen Unrechtes anklage. Herrn G.'S Zorn wurde nämlich erregt, weil ich seinen Angriffen aus den Thalmud gegenüber den Beweis lieferte, daß er nicht nur in der jüdischen, sondern auch in der christlichen Theologie ein Pfuscher ist. Alles dies möge sich der zanklnstige Herr O. ausführlich erkläre» lassen. Ueberhaupt wird es viel nützlicher für ihn sein, daß, was ich über die Emanzipation der Juden in Ung. seit mehr denn 20 Jahreil geschrieben habe, zu studiren, als mich — ohne Aussicht auf fallen und!eden Erfolg — zu denltnziren. gründet ist, so wird hoffentlich d. königl. Tafel demselben Geiste folgen^ welchem die Direktion der Theißbahn folgte, indem sie jüd. Ingenieurezu Anstellungen zuließ. ■t Pest, 18. August. So eben hat die Presse verlassen: ״Mo-- saische Religionslehre zum Gebrauche für höhere Schulen. Von Jehuda Wahrmann." Bei dem reichen Materiale, welches das Merkchen enthält, und bei der wie uns scheint sehr zweckmäßigen Anordnung wird dasselbe ohne Zweifel in weiten Kreisen als eine willkommene Ecscheiuung begrüßt werden. — Die Wahl unseres Gemeindcvorstandes soll, wenn inzwischen nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, am 29. d. M. ftattfinde». Unsere Lehrer finden sich noch immer verletzt, daß ihnen das aktive und passive Wahlrecht entzogen wurde. Das künftige Gemeindestatut, woran gegenwärtig eifrig gearbeitet wird, wird hoffen»- lich dieser Ausschließung ein Ende machen. Ungarisch-Itanifcha, im Augnst. Ihr B. Korrespondent von hier brachte in Nr. 26 Ihres Blattes die Notiz, daß die zwei Kandelaber für die neugcbaute Synagoge eine Spende der hiesigen Frauen ist. Diese Notiz haben wir so zu berichtigen, daß zur Beischasfung der Kandelaber nicht alle hiesigen, sondern nur folgende Frauen gespendet haben. Cäzilia Deutsch, Rosalia Deutsch, Cäzilia Grünner, Babette Hesser, Rosalia Klein, Rosalia Redlich, Katharine Weißberger d. Ä. und Katharina Weißberger d. I. Regina Weißberger und Rosalie Wolf. Lemberg, im Aug. Ich zolle Ihnen aufrichtigen Dank für die vorläufige Erwähnung meiner herauszugebenden Peßikta. Ich finde es jedoch nöthig, ausdrücklich zu bemerken, daß ich nicht die bereits gedruckte פסקחא רבתי neuerdings zu cdiren beabsichtige. Die von mir zu edircnde Peß. ist noch niemals im Drucke erschienen; vielmehr ist es dieselbe, welcher vr.Zunz seine berühmte Darstellung (11. Kap. d. gottesd. Vorträge) gewidmet hat. Ich verdanke das Manuskript der Peßikta der Güte des allgemein verehrten Prof. Sam. D a v. L u zzatto in Padua, der in edler Bereitwilligkeit dasselbe für mich kopircn ließ. Diese handschriftliche Peßikta ist eS, welche den alten Autoritäten, Kalir, R. Nathan, Raschi, den Toßasisten vorlag; alle von den mittelalterlichen Schriftstellern zitirten Stellen finden sich in dieser Handschrift, wie ich in meiner Einleitung ausführlich zeigen werde. In der Luzzato'schen Handschrift fehlen einige Pißkot, welche ich aber glücklicherweise aus der Handschrift zu ergänzen im Stande bin, die ich der Güte des berühmten Vr.'S E. Carmoly in Frankfurt am Main verdanke. Ich bin eifrigst beflissen, die Ausgabe durch Angabe der Varianten, der Parallelstellen, Erklärung der fremden Wörter so auszustatten, daß dieselbe dem gegenwärtigen Standpunkte und den Forderungen der jüd. Wissenschaft hoffentlich entsprechen wird. Da ich nur die Mußestunden, welche mir mein Geschäft frei läßt, der literärischen Beschäftigung widmen kann, so ist es mir in diesem Augenblicke nicht möglich, den Zeitpunkt genau zu bestimmen, wann die Peßikta erscheinen wird. Eine Probe ist in dem קבוצת חבמיס von S. G. Stern in Wien abgedruckl. Schließlich noch die Bemerkung, daß meine im ״Ben Chan.:" HI, 488 belobte Arbeit daselbst irrthümlich d. Hrn. Plungian zugeschrieben wird. Salomou Bnber. Prag, 18. August. Die cckelhaften Ereignisse Anfang d. M.'S, die Judenkravalle, find fast von der gesammten inu. ausländ. Journalistik nach ihrem Parteistandvunkte ausgebeutet worden. Hier gilt bloS zu bemerken, daß nationale Tendenzen wol im Hintergrund waren, und daß jene Kravalle wenn nicht provozirt von denselben, doch der Direktion in czechischer Nationalangelegenheit sehr gelegen kamen, daß sie aber von den Thatsachen überrascht den Kopf verloren und sich zur Leitung einer Bewegung ganz untauglich zeigten. Ggentlicher Judenhaß ist durchaus nicht als Ursache auzuuehmen, da gleich nach Herstellung