Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 34 (23.8.1861)
- Date
- 1861-08-23
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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298 t«r Ruhe von Jndenseindlichkeit in der ganzen Stadt keine Spur war. Blos die zerbrochenen Scheiben zeigen, daß der Pöbel bei der ihm aufgetragenen Aktion in der mittelalterlichen Tragödie-Judenhetze, die Sache recht erst nahm, und statt mit Konfetti, mit Kieselsteine und Siegel warf. Die ultranationale Partei hat nur ihre Unfähigkeit in Putschmachcn dokumentirt und den Juden ist im Grunde kein Haar gekrümmt worden. Die Regierung nahm das Heft in Hände», und daß ne dabei nicht immer sehr schonend zu Werke ging, wird ihr Niemand verrenken, auch sind die Organe zuweilen gar zu beflissen. In den Lagen der Gefahr war der hiesige Kultuövorstand sehr bemüht, den Autoritäten der Stadt wie den Behörden die kräftigsten Vorsteklungen zu machen, und so taktlos und unthätig das Benehmen des Bürgermeiflcrs war, umso fester und energischer war die Zusicherung des Polizei- Direktors, welcher im Einverständniß mit dem Stadtkommandanten Feldiiiarschall-Lieiitcilant Mcltzcr die Ruhe bald herstellte. — Der Rabinner Herr Freund hat, ich weis nicht zum wie vielteninal auf's Nene resiguirt. Die Ursache soll die Unzulänglichkeit seines Gehaltes »ein, der blos 400 fl. jährlich beträgt, was wirklich für eine Gemeinde wie Prag eine etwas knikerische Bezahlung ist, in Berücksichtigung, daß Herr Freund als anSgczelchncter Kultuskenner am meisten in Anfvruch genommen ist. In der Repräsentanz wurde über Annehmen oder Ablchucn debattirt, schließlich gewann doch die Ansicht die Oberhand, daß man einen Mann der der Gemeinde 30 Jahre dient, nicht wegen rin paar Gulden wcgschicken kann, wahrscheinlich wird eine gehörige Gehalts-Erhöhung eintreten, und Herr Freund seine Resignation zurücknehmen. In der jüngsten Sitzung des Stadtverordneten-KollegiumS wurde Hr. M. 1)1׳. Kalninß Sekundärarzt am k. k. Spital zum Bezirksarzt der Josefstadt ernannt. Gleichsam um von czechischer Seite die Jndenkravalle zu demeutireu wurde ein Jude seinen christlichen Mitkonkurentcn vorgezogen. Herr Di׳. Kalmuß ist ein ganz junger Mann, erfreuet sich aber schon eines trefflichen Rufes unter den hiesigen Acrzten, dessen Bruder ist Assistent am Brunner Spital. Am 13. d. M. fand die Thalmudthora-Prüfung statt. Die Schüler waren fast sämmtlich gut vorbereitet, der wackere Lehrer Herr Klempcrer, der den Thalmudniiterricht auf zweckmäßige Weise leitet, hatte alle Ursache mit seinen Beuiühnngen zufrieden zu sein. Die Schüler zeigten Verständniß der vorgetragenen Lhalmudstücke, und hielten sich von jedem Jargon fern, vielmehr war die Sprache derselben ganz korrekt. Die Thalmudthora- Schule ist fast gänzl. eine Schöpfung des Hrn. Ernst Wchli n. berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Herr Professor Di׳. Wessely und Herr Salamon Jerusalem haben ans ihre Stellen als Repräsenianteu refignirt und die Ersatzmänner Herr I. M. D1-. Randnitz und Herr Veit Osers sind an deren Stelle als Repräsentanten eingetretcn. L. B. Winterberg, (Böhmen) im August. Das durch den Tagesboten und andern Blätter verbreitete Gerücht, daß hier und in Skin Jndenkravalle stattgesunden haben, entbehrt jeder thatsächlichen Begründüng. In unserer Gegend weiß Niemand von diesem angeblichen Kravalle. Christen und Juden leben in ungetrübter Eintracht mit einander. H. |j Wien, 18. August. Wittelshöfer's medizinische Wochenschr. und nach derselben mehrere politische Zeitungen bringen das haarsträubende Gebühren des hiesigen Gebärhallses zur öffentlichen Kenntniß. Den j ü d. Gebährerinnen werden die Kinder entrissen, katholisch getauft, ohne daß die Mutter jemals Kunde von ihreut Kinde erhält. Man hofft allgemein, daß Herr Kuranda diese Barbarei im Reichsrathe zur Sprache bringen werde. Der ״Rechtsstaat" darf natürlich solche Unmenschlichkeiten nicht dulden. Zur Steuer der Wahrheit muß ich hinzufügen, daß Pros. Braun im vorigen Jahren einer jüd. Gebährerin auf deren Verlangen ihr Kind nicht entreißen ließ. Szegedin, 22. August. Indem wir die gegenwärtige Nummer unseres Blattes schließen, erhalten wir d. heut. Pester Bl-, denen wir folgenden, von Kolo man Tißa (aus dem Biharcr Komitäte) auf den Tisch des Repräsentanteuhauses niedcrgclegtcn, vom Hanse einstimmig angenommen Beschluß entlehnen: ״Da das Repräsentantenhaus dadurch, daß es gegen Recht und Gesetz nicht vervollständigt wurde, so wie durch den Mangel der gesetzlichen RkgierungSorganc daran verhindert wurde, über die wichtigsten, unser Vaterland betreffenden Fragen, und unter denselben auch über die weiter unten bezeichncten Gesetzentwürfe zu verfassen, so erklärt das Repräsentantenhaus bis dahin, als es hiezu befähigt sein wird, zufolge der von ihm bereits angenommenen, oder in seiner Mitte mehrmals ausgesprochenen Prinzipien, daß cs: 1) die Befricdiguug welcher Ansprüche der im Lande wohnenden Nationalitäten immer, welche mit der territorialen und politischen Intcgrität desselben nicht in Widerspruch stehen, nach den in den Adressen entwickelten Prinzipien; 2) die Einführung der vollständigen bürgerlichen und politischen Rechtsgleichheit zwischen den verschiedeneu Religionskonseffionen, und die Ausdehnung dcrselden aus die Israeliten; und 3) die Aufhebung aller mit dem Urbarialwcsen verwandten Befitzverhältnisse ohne Verletzung des EigeiithumSrechtes. ans der Basis der Billigkeit gegen beide Parteien, und der Entschädigung, respektive der Ablösung, — zu den ersten und wichtigsten Aufgaben eines zur Kreirung neuer Gesetze befähigten Reichstages zählt." LiterSrische Anzeigen. Wegweiser der Erziehung für isr. Eltern. V. Jonas Willhcimer, Lehre! an d. hebr.-dcutschen Schule zu Gaya. Wien 1881. Zamarski und Dittmarch. 8. VIII. 00. Angez. v. Rabb. Di׳. M. D u f ch a k. Im Vorworte klagt der Vers., daß man keine Erziehungsschrifteil für Israeliten besitzt, die für's Volk geeignet wären Die Klage ist!licht ungerecht. Der Materialismus, heißt es weiter, nnd dessen leibliche Tochter der Jndisserentismus beherrscht die Welt, die Zauberformet dagegen heißt: Erziehung. Ganz recht! Aber wenu der Erzieher indifferent und materialistisch, wer soll erziehen? da thäte cs Noth, znsörderft die Eltern für das Ewige und Wahre zu begeistern. -- Gehen wir zum Merkchen selbst über. Es ist das Produkt eines wacker«, criisteu, seit vielen Jahren thätigen Lehrers. Der 1. Abschnitt handelt von der Bestimmung des Menschen. Sic besteht darin in diesem Leben glücklich, nnd im kommenden glückselig zu werden. Nicht auch andere glücklich nnd glückselig zu mache»? Diese stillschweigende Frage soll uns offenbar begletten zu zwei Ausgaben der Erziehung nnd wie sie sein soll, u) religiös, 1») »aturgemäß. Die religiöse als auch intellektuelle Erziehung muß u) naturgemäß b) allgemein sein. Diese Eintheilung ist nicht logisch da die EintheilungSgliedrr nicht disparat sind, sowol die religiöse als auch die intellektuelle Erziehung muß a) naturgemäß b) allgemein sein. 2. Absch. A. Von der körperlichen Erziehung; in 5 wird die Wichtigkeit der körperlichen Erziehung besprochen; in 6 die Nachtheile der vernachlässigten körperlichen Erziehung aus dem Jrrgarte der Erziehung (Wien 1859) veranschaulicht, 7. handelt von der Nahrung, Wohnung und Kleidung der Kinder; 3. Absch. B. Geistige Erziehung ״Jeder (?) geistigen Thätigkeit muß eine sinnliche Anschauung vorausgehen" ״und dann wieder", insofern aber der Geist die höheren übersinnlichen Gegenstände, als