Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 34 (23.8.1861)
- Date
- 1861-08-23
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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295 gewidmet ist; da es zu den neuesten Versuchen gehört, die Filosofie mit der Kabbala zu vereinigen; da in demselben der höchst originelle Versuch gemacht wird, die fünfzig Einsichtspforten der Kabbala (!־משים שערי בימי) ans der Geschichte zu erläutern; da das Werk über das Verhältniß der Töchterreligionen des Judenthums zu ihrer Mutter höchst bedeutsame Aeußerungen enthält: so dürften sich unter den Verehrern Chorin's, besonders in A r a d, nicht Wenige finden, die geneigt wären, daS Rosch Emana mit den in meinen Händen befindlichen, ziemlich umfangreichen Zusätzen und Berichtigungen neuerdings herausgegeben. Jede hierauf bezügliche Eröffnung soll mir sehr willkommen fein5). Zugleich erlaube ich mir an die Freunde und Korrespondenten Chorin's die ergebene Bitte, mir die in ihren Händen befindlichen Briefe desselben zu biografischem Gebrauche unsrankirt zukommen zu lassen. L ö w. Z»r iJefrfjirfjfc bet Silben in ' . Bon Rabb. Di׳. M. D u sch a k. Ich komme aus meinem Geburtsorte, der einst Berlin, Klein-Berlin, wegen der hohen Intelligenz, welche dort herrschte, und die reichste Pflege und Unterstützung fand, genannt ward, der aber nunmehr schlechtweg Triesch heißt. Die Männer welche von der Sehnsucht nach Wahrheit beseelt und begeistert waren, sind — im Reiche der Wahrheit; die jüngere Generation wohnt in den Städten. Merkwürdig! Einst bildete sich die Triescher Gemeinde aus den Jglauer Erulanten, heute ist Jglau eine bedeutende Religionsgesellschafl, wozu Triesch ein bedeutendes Kontingent liefert. In Jglau wohnten schon im 13. Jahrh. Juden. Die berühmten Jglauer Rechte vom Anfänge des 13. Jahrh., bestätigt von Wenzel I. enthalten auch das Gesetz: Unzüchtige Gemeinschaft zwischen Juden und Christen wird mit Lebendig begraben bestraft. Markgraf Karl, Karl IV. siedelte wegen Beförderung des Handels, besonders mit Wollwaaren, als dem Haupterzeugnisse der Jglauer, viele Kammerknechte in Jglau im Jahre 1345 an. Er fordert die Richter und Geschworenen auf, alle Juden, sie mögen aus was immer für Städten, Märkten und Orten, sich mit ihren Familien daselbst nieder lassen wollen, unter billigen Bedingungen aufzunehmen, und im Falle des Wiederabzuges an andern be- ') Um iui vorhinein allen Mißverständnissen vvrzubeugen: bemerke ich. daß ich noch ein Mannskript von Chorin besitze: ,שומר תורה welches in 2 Theile zerfällt: 1) שומר הסף gegen Kunitzer's Ben Jochai; 2) תורת הקנאות, Filos. Kabb. Inhalts. Vrn diesen Manuskript besitze ich ein doppeltes Autograf d. Vers. Eines hat er mir selbst zugesendet, das andere verdanke ich der Güte des Hrn. Gemeinde- Sekretärs Rosenberg in Arad. Der Vers, hat, wie er selbst in ersterer Handschr. S. 5 bemerkt, 2 Kopien s. Schrift versendet: an ׳'. Verwandten Jsak Don a t in Mähren und an Abr. Ab. Landau in Lemberg. Ueber die Person des letztern wäre uns eine Notiz willkommen. liebigen Orten ihnen behilflich zu sein. Um dieser Anfiedlung Vorschub zu leisten, befreiete er sie von der Abhängigkeit von allen Juden Mährens, besonders Brünns. Die hier zahlreich sich ansiedelnden Inden bewohnten 2 Gaffen, die noch jetzt Hinter- und Vorjudengassen genannt werden, und besaßen eine Synagoge. In die landesfürstliche Kasse zahlten die Juden die Vermögenssteuer. Sie lebten ruhig unter den christlichen Brüdern, beförderten den Handelsverkehr mit den Auswärtigen, und unterstützten die christlichen Bürger bei ihren Gewerbsunternehmungen mit Geld, wie die Stadtbücher des 11. Jahrh. Nachweisen. Sie bereicherten sich da, und bald war der größte Theil der Jglauer Bürger von ihnen abhängig gemacht, und die allgemeinen Klagen der Jglauer Bürger veranlaßten den Olmützer Bischof Konrad und einige Standesherren zu dem Anträge, daß alle über 10 Jahre alten Schuldverschreibungen zu Händen der Juden für ungiltig und nichtig erklärt werden. Um diesen Zweck noch leichter zu erreichen, nahmen sie zum Vorwände, daß den christl. Bewohnern Jglau's aus der nahen Verbindung mit den Juden große Gefahr an ihrem Seelenheile zugehen würde. Wirklich fanden diese Vorst, bei dem damaligen Markgrafen Albrecht umsomehr Eingang, als er selbst alle Inden in seinem Erblande Oesterreich verhaften, abstrafen und des Landes verweisen ließ. Er befahl die Juden aus Jglau zu vertreiben 1126. Der Befehl wurde auch strenge vollzogen, und die Juden mußten nach einem Aufenthalte von 81 Jahren mit Zurücklassung ihrer unbeweglichen Güter und Schuldforderungen die Stadt verlassen, und zogen nach den benachbarten Ortschaften Triesch und Pirnitz, wo sie Judengemeinden gründeten. Ihre verlassenen Häuser vertheilte der Markgraf an die christlichen Einwohner; die Synagoge dem Armenspitale, und der Bürger Merbot verwandelte sie in eine Kapelle mit 2 Altären, die Kapelle d. h. Körp. Chr. genannt, wo 1509 v. Olmützer Erzbischöfe die erste Messe gelesen wurde, später wurde sie von den Unkatholiken profanirt, und in der neuern Zeit zum Pferdestall eines Wirthshauses verwandelt. Doch müssen sich später Juden angesiedelt haben, denn in den später» Stadtbüchern 1162 kommt ein Jude als Besitzer eines Gartens vor. 1163 gehört ein Haus in der Judengasse dem Juden Moestilin. Die Juden aus Triesch konnten in Jahren doch das Hausirgeschäft betreiben, was ihnen aber 1576 auch untersagt ward. 1618 beklagte sich der Stadtrath gegen die Juden, die Handel trieben. Sie durften fortan nur einzeln u. unter gewissen Beschränkungen bei einem bestimmten Thore die Stadt betreten, das Uebernachten wurde ihnen nur in einem Theile der Vorstadt unter gewissen Beschränkungen gestattet. Die neue Jglauer Mauttabelle von 1725 belegte einen vorübergehenden Juden mit 3 kr., einen mit Hausrath Vorüberreisenden mit 10 kr. Im Jahre 1825 suchte ein judenfeindlicher Kreiskommissär Uharek diese alten Gesetze fluchwürdigen Andenkens aus der alten Rüstkammer Hamanö hervor, und veranlaßte in Jglau eine Judenhetze, allein die humane Hofstelle belehrte den Judenfresser, daß es nicht mehr im Sinne der Regierung liege, solche verrottete inhumane Verordnungen aufzufrischen. — Triesch hat einen imposanten Gottesdienst, den der in Temesvär angestellte berühmte Sänger Herr Katzmarof, zur Blüthe brachte, und den dessen begabter Bruder mit aller Umsicht und Energie weiter leitet. In Triesch besteht auch eine gute hebräisch- 7975