Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 33 (16.8.1861)
- Date
- 1861-08-16
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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291 LiterSrische Ameigen. Parabolc, Legende e Pensiere raccolti dal Libri thalmudici 6. t. c. c tradotti dal Prof. Giuseppe Levi di Vorcelli. Firenze Feliee le Monier 8°, 452 S. Besprochen von Leopold D n k e s. Wie Maria Stuart kan» der Xfjalnuib auch sagen ״wahrlich ich bin besser als mein Ruf." Die Gedankenflnth des ThalmudS gibt eine anschauliche Börstellnng dieser Zeit. welche so lief aus die Zude» einwirkle. Die Dialektik des Tbalmuds ist seine größte Starte und Schwäche zugleich. Es hat übrigens schon in der thalinudischen Periode Leute gegeben, welche die Dialektik gering angeschlagen haben, wenn dieselben dieses auch nicht in strikter filosvsischer Form ausiprache»Es ist die thalmudische Dialektik, welche di.׳ Inden am meisten angezogen, und von der Betrachtung mancher wirklicher Thatsachen und der daraus folgenden Konsequenzen atgehalten hat. Unter den innen! Ursachen des Stillstandes der geistigen Bestrebnngen unter den Juden. nimmt die allzuviele Beschäftigung mit der Dialektik den ersten Platz ein. Es wiederholt sich diese Erscheinung auch bei andern Glaubensgesellschaften. Maimonid e ö wollte den Thalmud generalisiren. ohne von der Dialektik Gebrauch zn mache». Es ist diese Bestrebung in dessen רד ההזקה verwirklicht. Derselbe wollte dieses sein Werk als Stellvertreter des Thalmud'S zum allgemeinen Studium einführen. I s a k Al fast (רי״ף) ha! vor ihm schon den Thalmud abgekürzt und nur das unentbehrlichste der thalinudischen dialektischen Form gegeben- Diese 2 Werke bilden, genau genommen, die 2 Endpunkte der späten! Behandlung des ThalmudS. Alles was nachher geschehen ist, lehnt sich an eines dieser zwei Werke. Der dialektische Geist des ThalmudS hat bereits so tief in den Gemüthern gewurzelt, daß diese 2 Werke dennoch nicht zum allgemeinen Gebrauch kamen. Das Werk des MaimonideS wurde bewundert, komentirt, aber es wurde nachher selbst ein Werk, womit geistige Abgötterei getrieben wurde. Es wurde ein Nagel, woran wilde Dialektik ihre Produktionen aufgehängt hat. Das was die Zuden ״einen h a r b e n R a m b a ui" nennei!, Jjat das Werk erhalten: Wäre der Rambam nie ״Harb" so wüßten wir nicht, was die späten! Thalmudisten angefangen hätten. Die ungeheure Masse von geschichtlichem Stoss aller Art, weleher in den thalmudische!! Werken zerstreuet ist, und sein Zusammen- Hang mit der allgenleinen Kulturgeschichte, ist noch nicht so genau betrachtet worden, alö eS der Gegenstand verdient. Männer von Geist und Gelehrsamkeit können hier noch viel thun J). Die Zahl der Sprüche und Aussprüche, die allenthalben i», Thalmud zerstreuet sind, ist sehr beträchtlich. Die juristischen Marimen z. B. die das Gerippe der allgemeinen wie der thalmudische!! Jurisprudenz ausmachen, ist groß, eine Sammlung derselben würde in allgemein psychologischer Hinsicht interessant sein, um so mehr da man ähnliche Sammlungen in andern Sprachen hat 3). ') Die thalmudische Stelle welche wir hier im Sinne haben lautet hebräisch (Sanhedrin S. 100) מאי אהני לן רבנין ניעולם ״ לא שרי לן עורבא ולא אסרי לן יונה.Was nutze!!!!!!s die Rabbineu sie haben nie einen Naben erlaubt und nie eine Taube verboten." Den kultur-historischen Werth dieser Stelle wollen wir anderwärts betrachten. ׳) Manches hierhergehörige haben wir in unser!!! Ben Gabi- 1 0 l <S. 20 ff.) uiitgetheilt. a) Vergl. unsere rabbinische Blumenlese S. 267 Nr. 14. Manche Sprüche und Aussprüche, die zwar nicht ethisch nn strengen Sinne des Wortes sind, die aber allgemein streng sind u»v mit Marimen in Verbindung stehen, sind ebenfalls i« Thalmud;er׳ streuet. Solche Reflerionen. indem sie sich allenthalben finden, zeigen von ihrer innen! Wahrheit. ׳ Der bekannte witzige Ausspruch der gewöhnlich Talleyraud zugeschrieben ist: ״Den! Menschen sei die Sprache gegeben, damit er seine Gedanken verbergen könne 4)״ enthält in sich die Mariine verborgen. daß man über gewisse Dinge nicht seine wahre Meinung auSsvre- Le״ möge. Der thalmudische Ausspruch יש הן שהוא בלאו ויש •0״ לאו שהוא כהן (הוססחא סנהדרין ס״Manches ״ja״ ist «,4 ״nein" zu betrachten, und manches ״nein" ist als ״ja" zu betrachten" drückt in der größten Allgemeinheit denselben Gedanken ans. Daö bekannte deutsche Sprüchwort — welches übrigens sich in den meisten enropäischen Sprachen findet — ״ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß" enthält die allgemeine Lehre, sich von Prozessen ferne zu halten, theils weil es kostspielig, theils weil der Erfolg unsicher ist. Das thalmudische (Sanhedrin S. 5) יפה כה הפשרה מכה הדין drückt ungefähr dasselbe aus. In einer solchen Sammlung — worin sich Gelehrsamkeit und filosofischer Geist begegnen können — würde de», Kulturhistoriker reichlicher Stoff zu Betrachtungen geboten werden. über Zustände und Ansichten früherer Zeiten. Er könnte diesen Stoff unter ein allgemeines Urtheil bringen. DaS allgemeine Urtheil ist ein Friedhof, worin Beschreibungen aller Art zur Ruhe gebracht werden. DaS uns vorliegende Buch ist ganz populär und wird gew:׳; — und mit Recht — in Italien eine zahlreiche Leserschaft finden. Wir beabsichtigen hier nicht eine eigentliche Rezension des Buches zu schreiben, wir wollen nur die Aufmerksamkeit des Literatursreundes darauf lenken. Es enthält dieses Werk thalmudische Sentenzen, AforiSmen, Parabeln rc. u. re. Es ist dasselbe in 10 Abtheilnngen getheilt, deren Ueberschriften wir theilweise zur Probe hier folgen lassen. 1) Atribute Gottes. 2) Die Schöpfung. 3) Offenbarung. 4) Legenden, Parabeln, und Prinzipien re. rc. re. Diese Eintheilung ist praktisch und ebenfalls populär, ohne auf eine innere tiefe Gliederung Ansprüche zn machen. Kleine Noten find zuweilen der Uebersetzung beigegeben, um manches dem modernen Leser näher zu bringen. Es sind dieselben ebenfalls nicht als Magazine für eigentliche Gelehrsamkeit bestimmt.* Ein kleines passendes Vorwort gehet dem Buche voran, worin einige allgemeine Ideen in klarer Weise ausgesprochen sind. Wir wissen nicht, ob es in Italien solche Bücher früher gegeben hat. jedenfalls ist das uns vorliegende eines der nützlichsten Bücher. Es ist insofern es wirkliche Auszüge enthält aus dem Thalmuv geschichtlich werthvoll. Christliche Gelehrte können es sehr nützlich finden zur Bildung eines Nrtheilö über den Thalmud. Werke dieser Art haben einen allgemeinen Nutzen, sie enthalten Thatsachen des Geistes für den Geist, und sind jedenfalls höher anzuschlagen als sogenannte historische Romane wo — genau genommen — nichts zu lernen ist, sie mögen übrigens unterhaltend sein. Der Historiker fragt: was jemand g et Han? Der Rvmanschreiber fragt: was hätte er t h u 11 können? Dieses ist der ganze Unterschied zwischen beiden. 4) Qitard: Etudcs historiques S. 90 gibt allerlei Nach- Weisungen über diesen Ausspruch. Wir wollen hier auch zugleich bemer fei!, daß dieser Gedanke etwas verändert sich schon in den Essays von Gvlds!nith zusinden. (lieber dieses höchst interessante Buch haben wir bereits oben (S. 87) einige Bemerkungen mitgetheilt).