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Ben Chananja · 1861-08-16 · 33 (16.8.1861) · p. Seite 290

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
33 (16.8.1861)
Date
1861-08-16
Page
Seite 290 (sequence 6)
Language
German
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290 gelehrt. daß dir Bekehrung von Kaffer» , Zulus, Maoris, nordamerikanischen Indianern und andern Heiden am christlichen Ehegesctz eine Hauptschwicrigkeit habe. Der Bekehrer nmthct dem Heiden zu. sein Familienleben zu zerstören, seine zweite oder dritte Frau, wenn nicht — nach der wolbekannten Anekdote — anfzuessen. doch sammt ihren Kindern zu verstoßen, und die Zumuthnng solcher Harre erwecke in ihm ein natürliches Norurtheil gegen die neue Religion. Bischof Kolenso empfiehlt daher in solchen Fällen die Vielweiberei zu dulden. Er weist aus der Bibel, den Kirchenvätern, den Schriften moderner Theologen und Missionäre nach, daß es für eine solche Politik gute Grunde gebe. Dre Polygamie stehe zur christlichen Ethik im selben Vcrhältniß wie die Sklaverei, beide seien gegen den Geist des Christenthnmö: weder die eine noch die andere sei durch das Gesetz verboten. Während das mosaische Gesetz den Ehebruch mit den! Tode bestrafe, nehme es von der Vielweiberei nnr Notiz, um gewisse damit zusammenhängende Nebel abzustcllen. Bei den alten Inden war somit die Vielweiberei kein Ehebrnch. Die Ehen der Kaffer» und ZnluS seien im selben Lichte zu betrachten, und vermnthlich hatten sie, vermöge ihrer arabischen Abstamstaitimung. ihr Ehcgesetz von Abraham geerbt. - Großwardein, im August. Am 7. d. M. feierte die hiesigc ,tilg.-jüdische Gemeinde die Einwelhnng ihres schönen und gcschmackvoll eingerichteten Tempels. Die Feier war um so erhebender, weil die Theilnahme an derselben eine nngetheilte allgemeine war; unsere Stadt hatte ein festtägliches Aussehen. Die Toleranz und wahre Rächstcnlicbe unserer christlichen Mitbürger zeigte sich wieder im schönsten Lichte, indem alle Schichten der hiesigen Bevölkerung ihre Theilnahme an dieser religiösen Feier auf's herzlichste bethätigten. Die Bethcilignna war eine so allgemeine, daß nicht nur die wcitläusigc» Räume des Tempels überfüllt waren, mau mußte sogar die hohen Fenster öffnen, damit die viele tausend Köpfe zählende Menge, die auf dem großen Platze vor dem Tempel stand, an der hohen Feier partizipire. Den Glanzpunkt der ganzen Feierlichkeit bildete die Einweihungsrcdc des Herrn Oberrabbiners Löw. Sr. Hochwürden wurde durch eine Deputation des Vorstandes in Szegedin abgeholt, durch eine zweite Deputation in Püspök-Ladüny empfangen, und als der Zug in den hiesigen Bahnhof einfuhr, da standen Tansettde von den verschiedensten Glaubensbekenntnissen Kopf an Kopf und der Jubel wollte nicht enden. Als Sr. Hochw. den Waggon verließ, wurde derselbe von Di׳. L. Groß aus'S herzlichste im Namen der Gemeinde bewillkommt, worauf Herr Oberrabbiner in kurzen kräftigen Worten antwortete. In den Wartesaal angelangr, bildete die gesammtc Jugend Spalier, und Einer ans ihrer Mitte, Herr Jurat Roseustein, sprach in einer länger» gehaltvollen Rede die Gefühle ans, welche die jüngere Generation dem uncrschrockencn Vorkämpfer für Freiheit und religiöse Hebung des Judenthums gegenüber empfinde. Nachdem Herr Oberrabbiner eben so schon als gevicgen geantwortet, und seine Freude darüber ausgesprochen, daß von der so oft gehörten Klage über religiösen JndifferentismuS bei der Jugend hier keine Spur zu finden sei, bestieg er die Equipage, welche Herr Alerandcr v. Bölönyi, ein wahrhaft Edler, zur Verfügung stellte, und der ungeheure Wagenzug setzte sich in Bewegung. — Unter den Gästen, die aus der Ferne eintrafen, heben wir besonders hervor: den geistvollen Dr. S. Lustig und den talentvollen jungen Dichter Ormüdi, als Repräsentanten des ung.-israelitischeu Vereins. Dr. Isidor KrUnmn ans Klausenburg und die Deputation der strebsamen Gemeinde zu Czeglüd. Die Jugend gab noch denselben Abend, als Vorfeier, den eingetroffenen Gästen zu Ehren ein Bankett, wobei so manch begeistertes und begeisterndes Wort fiel, und obwol die Versammlung eine sehr gemischte war, Juristen, Mediziner, Kaufleute und Handwerker, so klang durch alle Reden doch nur ein Geist hindurch. Hauptsächlich wurde der Pester nng.-israelitische Verein gewiert, seinen Strcbniffen das glücklichste Gedeihen gcwünicht. und ging auch nach Mitternacht telegrafisch ein Glückwunsch an den Präsidenten Rozsap ab. TagS darauf, am 7.. füllten sich schon in früher Morgenstunde die Räume des Tempels; unter den Eintrctcnden bemerkten wir unfern allverehrten Obcrgespan Graf Aler. Haller, die beiden Vizegespäne Baron Gerliczy und AmbroS mit vielen Herren aus den KomitatöauSschüffen. den snbstitnirten Bürgcrmelster mit der Stadtrcpräsentanz, einige Domherren, so wie die Geistlichen Vorstände sämmtlicher Konfessionen, Gpinnasialprofefforen 11. A. Schlag!) Uhr betrat der Herr Oberrabbiner, gefolgt von unscrem Rabbiner-Stellvertreter Hrn. Burger, dem Vorstande und Ausschüsse, das Heiligste Israels, die Thora, hoch emporhaltend, die zu weihenden Räume, mid unser junger talentirter Kantor. Herr Glück, mit seinem gutgeschulten Ehor intonirte das Ma tobu; dann geschah die הקפה, wobei ans dem 118. Psalm die Verse l—9 und 24—25 gesnngcn wurden. Hierauf öffneten sich die Thüren das אה״ק und unter den weihevollen Tönnen des שאו שערים wurden die heiligen Rollen, das unveräußerliche Erbgut Jakobs, ihrer nenei! Stätte übergebe». Dann sprach Herr Rabb. Stellvertreter Burger die Benediklioncn und zündete das Ncr Tamid an. Hierauf sprach der Herr Oberrabbiner ein Gebet, worauf der 150. Psalm gesungen wurde. Bevor nun Sr. Hochwurden die Kanzel bestieg wurde ein ungarisches Lied gesungen. Hierauf entwickelte der Festredner in geistreicher und herzergreifender Weise über Jefaias 52, 7. den 4-fachen Zuruf der Synagoge. Dann wurde das Ez Ehajjim gesungen, woran sich das EinweihnngSgcbet schloß. Die Feier endete mit der Absingnng des Szözat. Nachmittags entspann sich eine wahrhaft erhebende Szene, indem eine Deputation die andere ablöste, um den Herrn Oberrabbiner zu bitten, noch länger in unserer Mitte zn verweilen, und uns noch mal das Wort Gottes aus feinem Munde vernehmen zu lassen; aber unaufschiebbare Amtsangelegcnhciten riefen Sr. Hochw. in die Heimat, und so mußten wir cs geschehen lassen, daß uns Sr. Hochw. noch denselben Tag Abends verließ, gefolgt von vielen Hunderten, die, im Bahnhof angelangt, in begeisterten Reden den Gefühlen der Dankbarseit und Ehrfurcht Ausdruck verliehen. Gerührt von so vielen Beweisen kindlicher Anhänglichkeit konnte Sr. Hochw. nnr in kurzen Worten Abschied nehmen, und unter nimmerendenwollenden Eljen־ruf verließ n»S der thenere Gast. In die Stadl znrückgekehrt, versammelte Herr Vorsteher A. FarkaS die Intelligenz der Gemeinde zu einem Bankett, allwo die große Feierlichkeit in begeisterten Reden nach allen Seiten hin beleuchtet, die religiöse, nationale und soziale Bedeutung derselben hervorgchobe» wurde. Herr Ormüdi ans Pest sprach den Gedanken ans: die Zivilisa tion geht von West nach Ost, die Magyarisirnng der Israeliten wird von Ost nach West gehen. TagS darauf versammelte unser erster Vorsteher Herr Dr. Hermann Potlnk alles Hervorragende aus den verschiedensten Glaubensbckenntmssen zu einer würdigen Nachfeier, und wir hatten wieder Gelegcnhcit, uns zu überzeugen, wie wahrhaft brüderlich der Ungar den, Inden zngethan ist. In einem Toaste auf die weitere Entwickelung des ung.-jüdischen Vereins wurde eine schöne Paralelle zwischen den Schicksalen des jüd. und ung. Volköstammes gezogen. Samstag Abends endlich versammelte der um die Entwickelung unserer Gemeindeverhältnisse höchstverdiente Herr Dr. S. Berkowitsch die Jugend nm sich, not den Pester Gästen ein Abschiedsmahl zu geben. Es wurden bei dieser Gelegenheit schöne Entschlüsse für die Zukunst gefaßt, die wir im nächsten Briefe mittheilen wollen.

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