Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 33 (16.8.1861)
- Date
- 1861-08-16
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2m Ihr zwar, lieber Bruder, sie durch Ermahnungen,!0 gut Ihr mit GotteS Hilfe könnt, zur Bekehrung entflammen aber nimmer gestatten, daß sie in ihren Festesfeierlichkeiten dennruhigt werden: sondern frank und frei sollen sie alle ihre Festlichkeiten und Feiertage begehen und halten können, wie es bis jetzt sie selbst und durch lange Zeiten früher ihre Ahnen gethan haben. I i t är n il i ti 011. Bon Dr. Weil. Fortsetzung*). Hr. Rabb. Freund setzt seine Gedanken über den fraglichen Streit in einem au Herrn Ernst We hli gerichteten, unter dem Titel ״Patschegen Ha-Jggeret" erschienenen Sendschreiben unumwunden aus einander: er bricht in Bezug auf die Sacke über Frankel, in Bezug auf die Form über Hirsch den Stab. ״Der Verfasser des Darke Ha-Mischna", sagt er, ״spricht es ja mit klaren Worten aus, daß alle in unserer Mischna vorgetragencn Satzungen, die ältesten MischnaS mit eingeschlossen, nicht Halachas des Moses vom Sinai sind, sondern theils den Soferim oder den Männern der großen Versammlung, theils den späteren Gelehrten ihren Ursprung verdanken." Herr Freund ist also weit entfernt, das mündliche Gesetz mit der modernen kritischen Schule als usuelle Interpretation und usuelle Ergänzung des schriftlichen Gesetzes aufzufassen; vielmehr enthält nach seiner Ueberzeugung ״die in unseren Händen befindliche Mischna" jedenfalls auch Halachas, welche Moses am Sinai übernahm. Allein eben diese allerdings herkömmliche Anschauung birgt einen schwer zu lösenden Knoten! Hr. Rabb. Fr., 'ein Thalmudist von großartiger Belesenheit und ein Pilpulist von tief eindriugendem Geiste, übersieht diesen Knoten, weil die thalmudische Schule den Forderungen und Aussprüchen der filologischen Kritik bisher überhaupt keine Beachtung schenkte. Nichtsdestoweniger ist in Ansehung der uns beschäftigenden Frage der Weg zur Anwendung der filologischen Kritik schon durch den Thalm. angebahnt. Da nämlich der Thalmud selbst den Sprachgebrauch der Gelehrten von dem Sprachgebrauche der Thora unterscheidet׳'-), so gibt er ja selbst der Forschung ein Kriterium an die Hand, welches jedenfalls hinreicht, die Ausspräche der Gelehrten als solche unterscheiden, und die Zeit ihres Ursprungs mindestens im Ganzen und Großen erkennen zu lassen. Wo fände sich aber ein mischnischer Ausspruch, der nicht schon durch seine Fassung den Gedanken an einen Mosaischen Ursprung zurückweisen würde? Die thalmudische Schule wird nicht umhin können, ans diese Frage einzugehen, so >vie einzelne Thalmudisten bereits darauf eingegangen sind, der auf ihrem Gebiete sonst fast gänzlich gcmiedenen Grammatik Rechnung zu tragen, und die Uebereinstimmung derselben mit dem Midrasch zum Ziele ihrer Kombinationen und Hypothesen zu machen, oder wie Jakob Emden mit vielem Erfolge die historische Kritik zu Hilfe rief, um die Jugend der Zuthaten zum Sohar darzuthun. Bei dem der thalmudischen Schule eigenen, aber bisher in einen Zauberkreis gebannten Forschergeiste sind von derselben auf dem Gebiete der halachischen Geschichte noch bedeutsame Resultate zu erwarten. Hr. Rabb. Freund wäre selbst zu mancher lehrreichen Entdeckung gelangt, wenn er die Spezialitäten, welche er zur Illustration des TraditionSdog-na anführt, einer genauern Prüfung unterzogen hätte. Schon die Laubhüttentraditionen, welche er herzählt, würden ihn nachdenklich gemacht haben, indem es ihm nnmöglich entgangen wäre, daß die chaldäische Fassung dieser Traditionen mit aller Entschiedenheit gegen den mosaischen Ursprung derselben protestirt! Befänden wir uns auf der Arena des Pilpuls, so könnte uns unser Gegner triumfirend die Aeußerung einzelner Rabbinen entgegenhalten, daß nämlich auch das Targum vom Sinai stamme aa). Aber nach dem an der Spitze der gegenwärtigen Abhandlung stehenden Ausspruche Kalir's ist es uns nicht um einen pilpulistischen Sieg, sondern um die reine und kritische Einsicht in die Ursprünge der Halacha zu thun; auf dem Standpunkte einer gesunden Kritik ist aber der sinaitische Ursprung des Thargum reine Faselei! Die thalmudischen Quellen reden auch von einem solchen Ursprünge gar nicht׳"), vielmehr betrachten sie das Aramäische als eine profane Sprache, welche die Engel nicht verstehen 35), und deren Gebrauch Autoritäten ersten Ranges im 2. u. 4. Jhrh. sogar mißbilligen, indem sie für die palästinensis. Juden der hebr. oder griechis., für die persis. der hebr. oder persischen Sprache den Vorzug einräumend), ohne sich jedoch zu verhehlen, daß die Verwandschaft der Sprache Babilons mit der Sprache der Thora nicht wenig dazu beitrug, die Bitterkeit des Erils zu mildern, und das Thorastudium vor Vernachlässigung zu bewahren37). Letztere Bemerkung rührt von R. Chanina b. Chama ha-Kohen her; dieser einsichtsvolle Zeitgenosse R.Jehuda's des Heil, war aber weit entfernt zu behaupten, daß die Sprache Babilon'ö die Sprache der Thora selbst, nämlich der mündl., gewesen sei, wie dies die vulgäre Tradiktionödoktrin behauptet! Nach der Theorie des Herrn Rabb. Freund müßten die Mischna's, welche oie Satzungen über die Laubhütte enthalten, Mosais. Ursprungs sein; in diesen Mischna's kommen aber selbst griech. Wörter vor38)! Auf welchem Wege läßt nun die vulgäre Traditionsdoktrin die hellenischen Fremdlinge in daö ') S. Nr. 26 und 27.