Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 31 (2.8.1861)
- Date
- 1861-08-02
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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275 von mir zu halten. er bat sich aber dabei diese Zeugnisse noch eine kurze Zeit bei sich behalten zu dürfen. Nun glaubte ich in Hafen der Ruhe fchon cingelanfcn zu sein, glaubte mich schon gegen jeden fcrnern Angriff gesichert; doch ich sollte es erfahren, daß die Böswilligkeit nicht so leicht von ihrem Hang abläßt, daß sic mit ihrem scharfen Gebiß immer tiefer und tiefer bis auf die Knochen einzudringcn sucht. Bisher war bloS der Angriff gegen mein theologisches Wissen gerichtet, und iu Wahrheit, welches Wissen ist genug! eine Lucke wird immer zu finden fein; doch jetzt dehnte der böse Lenmnnd sich weiter aus, er ging an den Charakter, wollte mir die Redlichkeit und Ehrenhaftigkeit vom Leibe reißen und dafür eine» Schandfleck anhcftcn, Denn, als der Vorstand im Glauben der Oberrabb. werde nach Einsicht in meinen nuien RabbinatSzcngiiisscll von den größten thalmudischen Autoritäten unserer Zeit sein Veto znrücknchmen, ihm diese verlegte, waö glauben Sie war seine Aenßerung? — Ei sagte einfach: sic seien erschlichen, gefälscht, wovon er den Vorstand in kurzer Zeit, da er hinschrciben wolle, überzeugen werde. Und wieder kam der Vorstand nach Hanse verlegen, konnte sich nicht zurecht finden, wußte nicht woran er sei, er wolle keinein von uns Beiden eine Niederträchtigkeit zumnthcn, und wollte daher das Resultat abwartcn, das ihm vom Oberrabb. zukommeii wird, auch ich sollte hinschreibcn; doch ich weigerte mich dessen und sagte, daß ich in keinem Falle mehr einen Schritt in dieser Angelegenbeil thllli werde, wol aber wäre cs Pflicht und Schuldigkeit vom Vorstande j selbst an das RabbinatS-Kollegium znschreibcn, den ganzen Vorgang zu erzählen und anzusragcn, ob in der Thal diese Zeugnisse erschlichen seien? was auch sofort geschah. Die von der ganzen Gemeinde mit Spannung erwartete Antwort kam nach 8 Tagen, diese sollte ja endgiltig entscheiden; der Brief, mit dem Rabbinatssiegcl versehen, wurde laut Verabredung in einer Gemeiildesitzung erbrochen, um sogleich entweder meine Aufilahmc zu bekräftigen oder meine sofortige Entlassung zu dckretiren; doch der Brief enthielt mehr als ich gedacht, er enthielt nicht blos eine Bestätigung, sondern eine glänzende Statisfikation für mich, was Sie aus folgenden Stellen ersehen werden: נבהלתי מראות ומשמוע איך הוצפה ישגא לא יאומן כי יסופר שהרב.ימאן בהבה׳ המופלא. איך ירים יד לסגוע בכבוד הבה׳.הראוי להורות הוראה בישראל.עב י^מר 03b?־1כו זכו במקהיכם - - - - ואם הרב.עוד דא ישקוט ו<״א ינוח אז נה^ץ השים ^סני פקידי המדינה רי^תבוע עיזבון הבה׳. Ich habe mir diesen Brief vom Vorstande erbeten und werde ihn, nachdem er ihn dem Oberrabb. vorgczcigt haben wird, Ihnen in Orginal einsenden. Ich übergehe alle die freundlichen Demonstrationen der Gemeinde, um mich für das überstandene Hcrzleid gleichsam zu entschädigen, genug, die Geschichte, die mich so viele Wochen in Athem hielt nnd nicht zur Ruhe und auch nicht zu einem Wirken kommen ließ, sie ist abgethan. Sie werden cs daher nun ganz erklärlich sindeu, warum ich noch kein Lebenszeichen als Rabbiner von mir gegeben habe; diese abgclaufenc Zeit war nicht geeignet dafür, unter solchen Verhältnisscn kann man nicht thatkräftig austretcn und eine Wirksamkeit entfalten, doch jetzt ״nachdem der Herr mir Ruhe verschafft" will ich mich meines Berufes würdig zeigen, Sic nnd auch die Gemeinde sollen zufrieden mit mir sein. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. U. Linz, im Juli. Die geehrten Leser Ihres geschätzten Bl. dürften erstaunen, ans Linz der Hauptstadt Oberösterreichs, aus dem Lande wo die Agitation für Glaubenseinheit keine geringe, über jüd. Angelegenheiten etwas zu vernehmen, vielen unserer Glaubensgenossen dürste eS sogar als Neuigkeit gelten, daß in Linz Juden wohnen, aber wir wohnen auch nur wir sind נרים, zlim תולב hat es mit Ausnabme einer Familie und diese auch nur im Gnadenwege noch kein Jude hier gebracht. Eö leben hier ungefähr 40 israel. Familien, die seit dem Jahre 1848 sich nach und nach angesiedelt haben, wir werden als Fremde, die einer AnfenthaltSbewilligung bedürfen, in unfern Geschäften wol nicht gestört aber das Damoklesschwert des AusnahmszustandeS schwebt stets über unsere Häupter, und wir preisen den Tag glücklich wo man uns unsere geduldete Stellung' nicht fühlen läßt. Es muß dennoch unser innigstes Bestreben sein einen solchen Zustand los zu werden, dieser tolerirten Stellung enthoben zu sein und bald aus eigenen Füssen zu stehen. Wir glauben, daß eine Aufklärung unseree christlichen Bürger über das Wesen des Judenthums und über den wahren Charakter der Inden wesentlich zur Verbesserung unserer Lage beitragen müßte, erkennt nur erst unser christlicher Bruder die jüdische Religion in ihrem wahren Lichte, in ihrer wahren Beschaffenheit, und richtet nur auch der Jude sein Leben und Betragen darnach ein, dann wahrlich wird man uns die Anerkennung nicht vorenthaltcu. Daß wir in dieser Behauptung nicht irren, lieferte uns ein in unserer Stadt am 21. d. M. vorgesalleneS Ereignisi den deutlichsten Beweis, wir sagen ״Ereiguiß" weil wir von einer jüdischen Trauung zwischen Herrn Adolf Feigl und dem Frl. Hirschfeld berichten wollen, nnd eine jüdische Trauung hier ein Ercigniß bildet, welches dieses Mal an großer Bedeutung dadurch gewann, daß Sr. Ehrw. Herr D1\ Jellinek diesen heiligen Akt vollzog. Herr Or. I. folgte der an ihn gestellten Bitte mit seiner ihm eigenen Freundlichkeit und Liebcnswürdigkeit, um wie in den Orten Korneuburg und Krems, auch die christlichen Bewohner unserer Stadt, deren׳ Anschauungen über Juden und Judenthum zum größten Theile falsch und vorurthcilsvoll, über das Wesen der isr. Religion zu belehren und der Art für unsere Stellung hier zu wirken. In einem eigens für diesen Zweck herrlich geschmückten Saale kielt Herr I)r. Jellinek vor einem Zuhörerkreise von nahe an 1500 Personen ans allen Klassen der christlichen Bevölkerung seine meisterhafte und schwungvolle Rede. Das Familienleben zum Ausgangspunkte wählend, lieferte er aus der jüdischen Geschichte Beweise, wie zu allen Zeiten das jüd. Familienleben ein geheiligtes. und der Jude dürfe nicht nach seinem äußern Erscheinen auf dem Markte, wo er unter der Last seines Hausirbündels seinen Rücken krümmt beurtheilt werden, in seine Hütte trete der Christ, um dort sein Leben zu beurtheileu. Der allumfassenden Familienliebe bringt der Jude sein Alles zum Opfer und Staat und Stadt, in welcher er sich aushält, betrachtet er ebenfalls als Familie und ist beiden in treuer Liebe zugethan, aber wie er beide in Liebe und Anhänglichkeit umsaßt, wünscht er auch als Mitglied dieser Familie zu gelten und nicht wie ein Fremdling ans dem ihm thenern Familicnkreise auögcstosscn zu werden, nicht für die Saat der Liebe und Treue Haß zu ärnten. Herr D1\ I. sprach die Hoffnung ans. daß der Stern, der an Oesterreichs Horizont so glänzend aufgcgangen, auch in diesem Lande seinen Glanz verbreiten werde und die Bewohner als Beobachter dieses Sternes cs cinschen werden, daß die Liebe und das Zueinaiiderstehen der verschiedenen Konsessioiisglieder die wahre GlaubenScinhcit sei. Welche Wirkung diese Rede hervorbrachte, ist unbeschreiblich. Alles war ergriffen und viele der Anwesenden gaben ihre Gefühle in Thräneu kund, die Siede wird aus allgemeines Verlangen der Bewohncr Linz im Druck erscheinen und wird der Ertrag wahrscheinlich zum Besten der christlichen Stadtarmen bestimmt sein. Wir sind zu schwach um mit Worten unscru tiefgefühlten Dank Sr. Ehrw. dem Herrn Or. Jellinek für den unfern Glaubensgenossen hier geleisieten Dienst auözndrücken, aber nicht nur wir, sondern die