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Ben Chananja · 1861-08-02 · 31 (2.8.1861) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
31 (2.8.1861)
Date
1861-08-02
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 muß Jeder bei einer NcbergangS-Periode, die sich noch nicht geklärt, mit sie jetzt ist. gefaßt sein, das hätte Sie wahrscheinlich auch nicht überrascht-, aber hier war es eine auswärtige, wenn auch nicht Macht und Größe, doch eine einflußreiche Persönlichkeit, der Oberrabbiuer war cs, der mir feindlich, sehr feindlich entgegen trat und nichts mehr und nichts weniger haben wollte, als daß ich mich von meiner Stelle entferne. weil ich noch nicht die Fähigkeit hätte in Ritnalgefetzen $11 entscheiden, daß ich sogar ein solcher ,ער wäre, der keine Mischnah lernen kann, das waren seine Worte zn dem hiesigen Vorstande. Dieser, der meine NabbinatS-Besugnisse doch gelesen und außerdem noch bei seiner Erkundigung nach mir viel LobenSwertheS gehört, war ob dieser Aenßernng um so mehr empört, da er wußte, daß der Obere, mich nur flüchtig kennen gelernt und nicht ein Wort Thalmndischeö mit mir gesprochen. Der Vorstand durchschaute also gleich, daß hier nur eine nichtswürdige Jntrigne abgespielt wird, wollte das Veto unbeachtet lassen und mich gar nicht davon in Kenntniß setzen. Ein Ninschwung ward aber dennoch in der Gemeinde, die diese Aenßernng des Or. erfuhr, bemerkbar. An der Stelle der früher« Herzlichkeit trat eine kalte Höflichkeit, mitleidsvoll waren die Blicke Aller auf mich gerichtet, daß nur ordentlich bange ward. Etwas, dachte ich, muß Vorgehen, was mich berührt und ich wollte mir Gewißh. verschaffen, deshalb ich beim Vorstande nm die augenfällige Ursache der Wandl. fragte. Ich konnte kaum glanben, daß ein Mann solcher Stellung, der noch dazu im Gerüche des Frommseins steht, sich über Einen, den er kaum persünl. kannte, jede thalm. Konversation bei seinem Besuche ausdrücklich ablehnte, so kateg. anSsprechen, ihm Ehre und Eristenz abschneiden soll. Es kam mir sogar der Gedanke, eö gebe hier eine Partei, die heimlich intriguirt und den Oberr. dazu anfgestachelt hat, den ich aber so fort fallen ließ, als mich der Vorstand versicherte, daß die ganze Gemeinde darob indignirl sei und sich nm dieses Veto wenig kümmern wolle. Doch ich wollte und konnte mich mit dieser Versicherung, die den Anstrich einer Nachsicht hatte, nicht zufrieden stellen, ich wollte nicht als Schützling der Gemeinde in den Augen der Welt gelten, wollte meine rabbinische Befähigung anertannt sehe» und gab meine Erklärung ab, daß ich olmeweiters mich zum Oberr. verfügen werde, der hoffentlich sein Nrtheil nach einer vorschristöliiäßigen Prüfung, der ich mich bei ihm nute, ziehen will, zurücknehmen werde. Daß dem Vorstände, der dem, Oberr. gegenüber doch nicht gerne renitent sein wollte, mein Entschluß lieb war, brauche ich Ihnen >vol nicht erst zu sagen. Ich reiste ab. Der Vorsteher, der gerade dort Geschäfte hatte, begleitete mich. Ich kam an, stelle mich vor, wurde freundlich empfangen, als hätte er nie Unfreundliches über mich gesprochen, die Prüfung ging nach etwas wenigem Sträube» u. etwas Ziererei vor sich: aber welche Prüfung.' ich schämte micki vor mir selbst, es war, als hätte er einen Bachnr vor. der seinen Schiur besuchen wollte; nachdem er mit mir etwas in כשר בתורים gesprochen, legte er mir zwei der gewöhnlichsten unbedeutendsten Ritualfrageu vor nnd sagte: ״Gehen Sie nur in GotteSnamen nach T., ich werde schon hinschreiben." Bei meinem Weggehen hatte ich Stoff genug zum Denken und das Resultat meiner Reflerionen über diese Miniatur oder travestirte Prüsung war: er wollte bloü pro forma eine solche vornehmen, um einen Rückzug machen zu können, und um mich für die Verunglimpfung zu entschädigen, Großmnth an mir zu üben; doch ich habe mich stark getäuscht, es sollte anders kommen. In meiner Wohnung angekommen sagte ich zum Vorsteher. der mich da erwartete: ich bin fertig nnd kann abreise,l. ״Nun haben Sie ihm eine andere Meinung von sich beigebracht?" Ich erzählte ihm den ganzen Vorgang, seine Aeußerung und setzte hinzu: Besuchen sie ihn. so wird er Ihnen seine Aeußerung abgeben. Er ging hin und gleich nach seiner Rückkunft reisten wir ab. Der Vorsteher ohnedies wenig von Reden war sehr einsilbig und ich in gedrückter Stimmung ob dieses von Seite des Oberr. für mich keineSwegö ehrenvollen, einem Schulmeistern ähnlichen Vorgehens, konnte auch kein Gespräch in Gang bringen, so hatten wir einige Stunden zurückgelegt, als wir endlich beide etwas redseliger wurden, meine Affaire aufs Tapet kam nnd ich mich dahin anssprach, daß mir das ganze Vorgehen »nd Verhalten des Oberr. unbegreiflich sei, daß eö sich wahrlich nicht der Mühe lohne einen solchen weiten Weg wegen einer solchen Prüfung zu machen, und daß er keineswegs seiner Pflicht nachkommt. wenn er immer ans solche Prüfungen die Rabbiner-Qnalisikation ertheilt: da wendete der Vorsteher sich zu mir, schaute mich ganz betroffen an, und sagte: Wie? Ihnen hätte er sich zufrieden stellend geäußert?" — ״Ja wol! wie anders? ein solches Rigorosnm hätte Jeder bestehen können." — ״Ist es nnn zu verwundern" sagte hieraus der Vorsteher, ״daß die Nabbinen in Achtung sinken und das Vertrauen der Gemeinden verlieren, wenn sie ein solches Spiel treiben? ich will jetzt nicht in Betracht ziehen, wer von Ihnen beiden Recht hat, aber das steht fest, einer hat großes Unrecht; entweder macht er daS.ganze Nabbinat zn einer Quelle unlantern Treibens, oder Sie betrachten dasselbe nur als eine Eristenzsache, zu der jeder Unberufene sich drängen kann in GewissknSfrageil zn entscheiden, denn mir hat der Oberr. das Gegentheil gesagt und beharret noch aus ihre Entfernung." Jetzt war es wieder an mir zu fragen: ״Wie? das hätte er Ihnen gesagt?" DaS war nur unglaublich; ich wollte auf der Stelle zurückfahreu und zusaminen hingehen, worauf der Vorsteher erwiederte: ״Ich bin nicht in dieser Meinung, erstens kommen wir zur Fütterungsstation, wo wir zwei Stunden halten müssen und heute nicht mehr hinlangen können. es würde auch zu keinem befriedigendem Resultat führen; dann will ich Ihnen um so eher Glauben beimessen und Ihre Wahrhaftigkeit durchans nicht in Zweifel ziehen, da ja der Oberr. Ihren Eharakter nicht angeschwärzt und verdächtigt hat, während er seinen sehr in Schatten gestellt, lassen Sie eö gut sein, beruhigen Sie sich, das unwürdige Benehmen des Oberr. geht die Gemeinde eben so sehr an als Sie, wir sprechen morgen mehr davon." Spät Adend des andern TageS kam der Vorstand zu mir und sagte: ״Die Gemeinde hat sich ausgesprochen und hat es anerkannt, daß sie kein Recht habe von Ihnen nachträglich noch mehr Belege zu verlangen. da sie die Ihrigen bei der Ausnahme als genügend erachtet hat. Doch da einmal die Verwickelung in ein solches Stadium gekommen ist, daß der Obere., nachdem Sie bei ihm waren, noch immer bei der Gemeinde Vertvahrung gegen Jure Aufnähme einlegt, während er Ihnen seine Zufriedenheit ausgesprochen haben soll; so wäre eö der Gemeinde genehm, wenn Sie ohne mit dem Oberr. mehr Rücksprache zu fuhren sich vom Rabbinats-Kollegium zu — . das doch eine größere Autorität als er ist, die Rabbiner-Qualifikation holen wollten, dann wird Ihre und der Gemeinde Ehre vollkommen gewahrt sein und er keine Einwendung mehr erheben können." Dieser Vorschlag war mir wie aus der Seele gesprochen, und wiewol der Vorstand die Sache nicht so dringend machte, so beschleunigte ich doch, und war auf einmal auch schon aus dem Wege. Ich will Ihnen, geliebte Ettern, den Erfolg ganz in der Kürze erzählen. Beim NabbinatS- Kollegium zu — vielleicht weil ich zu offenherzig war und aus dem Veto des Oberr. kein Hehl machte — hatte ich eine sehr strenge Prüfung zu bestehen, dafür ist auch die הוראה in sehr belobenden Ausdrücken geschrieben; nebstbei habe ich mir auch von den zwei alten hochgeachteteil Oberrabbinen L. in — 11. S. in —, der ausdrücklich schrieb, daß er noch nie Einem ledigen Standes die Hathara gegeben und nur bei mir mit gutem Gewissen eine Ausnahme mache, die Qnalisikation geholt. Nach einer 12-tägigen Abwesenheit kam ich wieder an den Ort meiner Bestimmung, legte meine neuen Zeugnisse vor, Alle freuten sich. Manche gratulirten mir, und der Vorstand schickte mir eine Zuschrist, in welcher er mich bekomplimentirte und mich versicherte, daß eS nun seine Obliegenheit sein werde alle Aiifechtiingen sürder fern

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