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Ben Chananja · 1861-07-26 · 30 (26.7.1861) · p. Seite 266

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
30 (26.7.1861)
Date
1861-07-26
Page
Seite 266 (sequence 10)
Language
German
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266 leumdung, der kein gebildeter Christ Glauben beimessen kann. Was würde überhaupt die katholische Geistlichkkit dazu sagen, wenn die Juden wegen der ansreizenden, hetzenden und verleumdenden Reden einzelner christlicher Redner die gesammte katholische Geistlichkeit oder die ganze christliche Religion verdammen würden? Die Stelle, daß Rabbi Eliezar sagt ״seine Magd sei wie ein Vieh anzusehen," ist cvrrupt. — Wahr ist cö allcnfallS, daß der Thalmud alle Heiden, ihrer rohen Sitten wegen, schon als Nichtmenschen betrachtet; — wahr ist es, daß nach dem Thalmnd, Götzendiener außerhalb des Gesetzes stehen (Kethuboth 15. Sanhedrin 76); aber gegen alle Nichtjuden ist Dieses keinesfalls erlassen. Jeder Mensch, der nur die 7 noachitischcn Gesetze beobachtet, ist nach dem Thalmud dem Juden gleichgestellt. (Näheres und deutlichereS hierüber in Tosephot zu Aboda sarah 26.) Was ferner der Verfasser sagt, daß das Judenthum, alle Nichtjudeuj ״Gottlose, Verfluchte, Scheusale" 11. s. w. nennt, ist schändliche Verleumdung. Eö eristirt nämlich kein jüdisches Werk, das nicht an seiner Stirne die Verwahrung trägt, daß unter dergl. Ausdrücken nur Heiden zu verstehen sind. Nicht wahr ist eS besonders was der Herr Verfasser sagt: ״der Jude dürfe über den Nichtjuden nichts Gutes aussagen, in Todesnot!) ihm nicht beistehen, dürfe ihn gar tobten." — Ueberhaupt hat hier der Herr Verfasser ritz, und Folien zitirt, die gar nicht existiren So enthält T. Sanhedrin nur 112 Folien, und er zitirt s. 121. Das zitirte Kapitel in Jad-chasaka hält nur 12 §§ und der Verfasser gibt den § 45 an; das nennen wir doch eine schöne Zitaten-Wirthschaft! Die angebliche Stelle jedoch, die die Eisenmeugerische Zunftgenossenschaft gesucht, wollen wir ihneu nun aufsuchen, dort wo sie wirklich zu finden ist — wir haben nichts zu verheimlichen : sie ist Aboda sarah 47, Gittin 45, Jad-chasaka Th. 4, Absch. 5, §. 10. da wird nämtich gesagt: Gotteslästerer und Verräther muß man tödten: Götzendiener darf man in keine Todesgefahr bringen; jedoch braucht man ihnen nicht beizuftehen. Wir wollen keines- Weges diesen Lehren das Wort reden, obschon eö wahr ist, daß die damaligen heidnischen Völker in die Rechte der Inden eingegriffen; — obschou eö wahr ist, daß es im 19-ten Jahrhunderte noch Staaten gibt, die sich gerecht und gebildet nennen, u. sich kein Gewissen daraus machen, Menschen bloS, weil sie anderer Hautfarbe sind, zu Sklaven zu maeben; und jedoch weiß es jeder gebildete Christ, daß kein Jude heute ebensowenig wie die Christen, die im Mitte l al te r eben so dachten, von solchen Gesinnungen, selbst wenn er wirklichen Heiden gegenüber stünde, auch nur berührt wird. Nehmen wir nun aber die Sache anders: zugegeben es hätte der eine oder der andere Rabbi solche von Haß durchglühte Worte vor Jahrhunderten wirklich ausgesprochen; wäre dieß bei der unverdienten Knechtschaft, bei den haarstreibenden Metzeleien, Grausamkeiten und Verfolgungen, die die Juden erfuhren, ein Wunder? — Haß erregt Haß!; — Und haben sich sehr wenige Christen zu der Höhe cmporgeschwnngen, nach dem die eine Wange gemißhandelt wurde, die andere hinzureichen, so konnte dieß von den Inden auch nicht erwartet werden. Das Judenthnm des 19. Jahrhunderts hingegen beschuldigen, eö sei von Haß gegen seine christlichen Brüder erfüllt, ist eine niederträchtige Verleumdung, um so mehr, da wir nachgewiesen, daß selbst der vom Verfasser ^geschmähte Thalmud nur gegen Heiden feindliche Tendenz verfolgte. Cs wird nun Sache des Herrn Verfassers sein, nicht aber die der Herren Hartmann und Rechnitz, die er nämlich herausgefordert — zu beweisen, daß das Judenthnm seiner Lehre gemäß dem Christenthume feindselig gegenüber stehe, da seine bisher gelieferten Argumente ein Lug- und Truggewebe bilden. Wir wollen ihm nun weiter folgen: Ganz lakonisch führt der Verfasser als Beleg Nabenu Bechaja f. 136 an, währenddem Raben» Bechaja zu Leviticus im ganzen nur 62 Fol. zählt; vom Behaupteten aber im ganzen Werke, keine Spur zu finden ist. — Nur ein einziges Mal — der Verfasser sieht, wir vertuschen nichts — u. z. fol. 32 wird vom Rabbi Simon angeführt, daß die ״Accum (Götzendiener) nicht des Lebens werth seien." — Der Verfasser behauptet : ״eS sei dem Judeu erlaubt, vor der uichtjüdischen Obrigkeit falsche Eide abzulegen, den Nichtjuden zu betrügen — und begehe, der Jude eine Sünde, daS Verlor'ne zurückzugeben." — Hier ist wieder der wahre Sinn enstellt. Im Jora dea Absch. 232 und 249 wird nämlich gelehrt: ״Heilig muß jeden Juden der geleutete Eid sein, er möge beim Namen Gottes oder nur bei Himmel und Erde geschworen haben; eine Ausnahme jedoch macht, wenn man Heiden oder Räubern etwas eidlich versprochen: da ein solcher Schwur gezwungener Weise abgelegt worden ist. ״Jedoch muß der Herr Verfasser die Verläßlichkeit seiner Angaben selbst bezweifelt haben; denn er sucht noch deutlichere und schlagendere Beweise für die feindliche Gesinnuug der Juden gegen die Christen, indem er — wieder in einem falschen Zitate — sagt : ״eö sei dem Inden verboten einen Judeu den Kuteern (Christen) zu verrathen." Daß jedoch unter Kuteer ein Volksstamm zu verstehen ist, der schon 2. Köu. 17, 30. genannt wird, und der in die vom Assirischen Könige in das verödete Reich Israel nach Zerstörung des ersten Tempels versetzt wurde, aus welchen durch Vermischung mit den zurückgebliebenen Israeliten die Samaritaner sich billen, weiß jeder Schulknabe. — (Näheres in Josefuö Alterlhnmer 9. 14. §. 3.).

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