Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 30 (26.7.1861)
- Date
- 1861-07-26
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2 02 Pest, im Juli. Immer düsterer und düsterer mmi'ölft sich der Horizont unseres Schulwesens. Kein Tag vergehet beinahe, an dem »nS nicht, thcils Lurch die Presse, thcils durch mündliche glaubwürdige Quellen von Lchrcrinsnltationen berichtet wurde. Unter dem Deckmantel des Patriotismus begann diese Bcrserkcr-Wntb unserer Gemeinden sich gegen die ausländischen Lehrer Luft zu machen und heute nachdem die Zügel der Leidenschaft einmal losgelassen sind, riß man auch nng. Lehrer mit. Daß ein solches mit Füssciurcten der h. Interessen in d. Brust jedes Edcldcukcndcn nur Gefühle des Schmerzes und der Wehmut erwecken müssen ist eben so wahr, als cs wahr ist, daß nnscrc Feinde wie Herr Török und Genossen sich darüber in's Fäustchen lachen, nnd froh sind ein Argument mehr in Händen zu haben, um die Judenemanzipation hintertrcibcn zu können. WaS soll ans unserer Jugend werden, wenn die Älter» in ibrcr Blindgeschlagcnhcit alles dasjenige gewaltsam zerstören, was sie zu Menschen im Ebcnbildc Gottes, zu Bürgern eines zivilisirtcn Staates machen soll? Kaum ist die vor lO Jahren unter so vielen Kämpfen nnd Mühsalcn auögcstrcnctc Saat einvorgcsprosscn, schon stand sie ihrer Blüthe nicht mehr fern nnd versprach eine reiche srnchtbare Ernte abznwcrfen, als sie von dem brausenden Sturm menschlicher Leidenschaft, wenn auch noch nicht völlig entwurzelt, immerhin geknickt darnicdcrlicgt. D-Gem. Marm.-Szigct hat ihre Lehrer, die durch eine Reihe von Jahren ihr Leben dem Wohle ihrer Kinder gewidmet, schimpflich sammt Familie davongejagl; die zu Waitzen will ihre Hauptschule zcetrümmcr», Wcißenburg und SzcntcS schicken ihre Lehrer fort, wahrscheinlich weil sie (die Lehrer) zu wenig deutsch wissen, denn daß selbe Lurch und durch Magyaren sind, wissen wir zuverlässig, und endlich Papa, dieser Schauplatz der Zanksucht nnd Uneinigkeit mit seinen Schaarcn von Augendrehcrn und Glattzünglcrn entläßt Lehrer, weil sic ihre Kinder konsirmiren. Wären wir weniger ernst gestimmt, wir müßten wahrlich über ccn solch sinnloses Gebühren hell auflachcu. Dieselbe Gemeinde, die noch vor einigen Monaten ans dem Wege des Konkurses einen Rabbinatö- Verweser mit zeitgemäßer Bildung und Kanzclbcredsamkcit suchte, die sich gerirtc, als hätte sie ihr Kleid in dem sie sich vor zwölf Jahren der Welt präsentirte bereits abgcworsen,, zeigt sich unö nun wieder in ihrer wahren Gestalt. Die Vergangenheit ist an ihr spurlos vorübergcgangen, und die Zeit des Winterschlafes dauert leider noch immer fort. Doch wenden wir uns fort von solch traurigen Bildern und trösten wir uns mit dem Gedanken, daß der nahende Zeitgeist doch einmal auch sie ausrüttelu wird, möge cs die guten Herren dann nur nicht gereuen, die kostbare Zeit so lange verschlafen zu haben. Ich will Ihnen zum Schlüsse dieser Leiden auch eine freudige 'Nachricht rcgistrireu, sie scheint mir nin so erfreulicher als sie das 1 erste Wirken eines Vereins enthält, der sich die edelste und hohen Zwecke zur Erreichung gestellt. Ich meine nämlich ein vom Magyaregylet hcrauögcgcbeucS in Bälde zu erscheinendes Lesebuch f. d. Unterklasscn unserer Volksschulen. Dasselbe wird ans 3 Thcilen bestehen und ist der Preis des ganzen ans 50 kr. festgesetzt. Der hebr. Theil, der das Lesenlehren in methodischer Reihenfolge enthält, hat den als Pädagogen und tüchtigen Hebräer rühmlichst bekannten Mustcrlehrer Schütz zniu Verfasser, die dcutsch-ung. Thcile wurden vom Jnstitntsvorstcher Kohänyi ansgcarbeitet. Auch sind dem Buche am Schlüsse mehrere passende Lieder, sowie eine Anleitung für die Lehrer bcigeacben. So sehr wir nun auch dem egylet zum wahren Danke für die HeranSg. dieses so sehr nölhigen Buches verpflichtet sind, so müssen wir denselben im Jnleresscu der guten Sache dahin aufmerksam machen, daß bei einer ähnlichen Gelegenheit mehr auf die Öffentlichkeit Rücksicht nehmen solle. Es hat hier allgemein iniösallen. nnd vielleicht auch außer dem Weichbilde unserer Stadt, daß man die Lehrer Pest-Ofens bei einem solchen Nntcruchmcn nicht zu Rathe gezogen hat. Bei aller Hochachtung die wir gegen Hru. Professor Großmann*) nnd seine Pädagogische Tüchtigkeit haben. so ist es doch leicht möglich, daß er trotz seiner gediegenen wissenschaftlichen Bildung etwas in einem solchen Werke Übersicht, WaS bei einem in der Unterklasse alt gewordenen Lehrer nicht so leicht der Fall sein dürfte. Nichts dcstowcnigcr verdient der lobl. Verein, daß die Lehrer Ungarns ihn in diesem seinem ersten Unternehmen aufs kräftigste unterslützcn, was ich ailch von meinen nng. Kollegen mit voller Zuversicht hoffe. H. R. . g. Jmikovatz, 19. Juli. Der 18. d. M. war für die hierwohnenden Israeliten ein freudenvoller Tag, cs wurde an demselben cur ס' חורה cingcweihct, welches ein würdiges Mitglied der hiesigen Gemeinde Hr. Israel Schütz unserem Tempel spendete, welches mit einer sehr thcncrn nnd prachtvollen goldgestickten Hülle anögcschmückt wurde. ES strömten von den ninliegeuden Gemeinden unzählige herbei, um diesem feierlichen und heiligen Akt bciznwobucn, bei welcher Gelegcnhcit unser Bezirks-Rabbiner H. Ahron Ehrlich eine sehr Herzergreifende Rede hielt. S. Wnnschbach, Rabb.-Kand. NikolSburg, 19. Juli. So wie in den meisten Gemeinden die Institutionen so eng und im Znsamnienhangc mit Parteien und persönlichem Sym- und Antiphatien stehen, — daß eine getreue und wahrheitsgemäße Schilderung möglich ist, — ohne auf beleidigte Persöulichkeitcn zu stoßen; so findet dies auch in unserer Gemeinde statt. Hier waren die Gcmüther, als mau zur Wahl eines Rabbiners schritt, sehr aufgeregt, und die Wellen der Parteiungen thürmten sich sehr hoch; diese Parteien zu beschwichtigen hatte das Glück unser hochvcrehrter Herr Bürgermeister S. Bla». Denn dieser hatte sich schon, als vor einem Trienninm der einstimmige Ruf nuferer Gemeindcmitglieder ihm dieses Amt übertrug mit Energie ausgesprochen. daß er bestrebt sein werde die inucrc Wohlfahrt der Gemeinde zu begründen nnd die Parteien anSznsöhneii. Und in der That gingen bis jetzt seine Worte in Erfüllung. Jüngstens aber hat unser verehrter Herr Bürgermeister den größten VeivciS zur Bekräftigung seiner ausgesprochenen Worte geliefert, indem in Folge seiner unermüdlichen Thätigkeit am verflössene» Pesahfcstc zur Wahl eines Nabbiucrö geschritten wurde. Bei dieser Wahl zeigten sich aber Parteien, wie sie fast in jeder Gemeinde bei einem solchen Akte sich vorsindcn. Unser hochverehrter Hr. Bürgermeister bchandcllc aber diese Wahl sehr zart, ohne irgend eine von beiden Parteien zu verletzen. In der That vollbrachte er glücklich die Wahl welche ans den Rabbiner Dr. Fenchtwaugcr zu Neutra» fiel, derselbe wird schon den!.August den RabbinatSsitz zu Nikolsburg antreteu, und man harrt seiner mit der freudigsten Stimmung entgegen. Von seiner Jnstallirnng und fernerem Wirken werde ich schon den ״Ben Chananja" von Zeit zu Zeit unterrichten. Wir hoffe». daß sich Hr. Dr. Fenchtwaugcr die Liebe nnd das Vertrauen Aller in unserer Gemeinde erwerben wird. Schließlich sprechen wir den innigsten Dank unseren« wacker» Hrn. Bürgermeister ans, und bitten ihn, daß er nie ermüde zur ferner« Wohlfahrt unserer Gemeinde beizutragen. — Gebe Gott, daß nur immer Ruhe nnd Eintracht in unserer Gemeinde herrsche. H. G r ü n s c l d , Rabb.-Kandid. Witkowitz, (Gitfthiner Kreis, Böhmen) 10. Juli. Dem Fabrikanten. Herrn Samuel Aussvitz in Wien, wurde heute von dem hics. Bürgermeister und zwei Gemcinderäthen das Bürgerpilom d. hies. Stadl überreicht. Derselbe hat sich als hnmanec Arbeitgcbcr um die Arbeiter unserer Stadt bedeutende Verdienste erworben. Temcsv»r, 24. Juli. Der den Lesern d. Bl. als gelehrter Archäolog bekannte Rabbiner Fein ans Reichenau wurde von seinem Schwager bernseil, eine Traniuig zu verrichten. Er hielt am wrgaugcncn Sabbattc eine Predig! über die Worte d. Hoftara ״das Wori unseres Gottes besteht ewiglich." Das Thema ״Israels Vergangenheit und Zilknnft" wurde von dem Gastredncr mit so vieler Gediegenheit nnd Eloquenz ansgeführt, daß der ungcthcilte Beifall, dessen sich die Predigt bei der zahlreichen Zuhörerschaft erfreute, ein wahrhaft wohlverdienter war. Literarische Anzeige,!. De! lÄsiiesiis litteris linguae Seniitarum vinclicaiulis connnentatoi Scripsit D. Joannes Dustavus Stickel. Jenae. 1800. 18 p. 4U. (lieber die Zugehörigkeit des Esesischen SchriflthumeS in das Gebiet der Semit. Sprachen. Eine Abhandl. von Dr. Stickel.) Eustathiiiö zur Odyssee 19, 247 berichtet, daß sich auf dem Standbildc der Esesischen Diana nnd zwar ans deren Kranze, Gürtel *) Hrn. Pros. Großmann wurde d. Buch zur Begutachtung übergeben.