Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 30 (26.7.1861)
- Date
- 1861-07-26
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Während in der ersten Abtheilung das Geschichtliche I und in der zweiten die Lehre und das Gebot das Vorherrschcnde gewesen, gehen hier in dieser Abtheilnng beide, die Geschichte und die Religionslehre, als gesonderte Unterrichtsgegenstande neben einander. In der Rel igion Slehre bezwecket der Unterricht die inöglichste Vollständigkeit, Klarheit und Innigkeit, so das; der Schüler beim Verlassen der Schule mit einer deutlichen und lebendigen Erkenntniß der ganzen Glaubens- und Sittenlehre und aller Institutionen und Mittel, die dazu dienen, uns an Gott und an unseren Glauben fester zu knüpfen, ausgerüstet sein muß. Die Geschichte wird hier sowol in größerem Umfange alö in einem innigeren Zusammenhänge gelehrt. Nach einer ausführlicheren Darstellung der Geschichte des jüdischen Staateö, seiner Entstehung, seines blühenden Zustandes, seines Verfalles, seiner Wiedererneuerung und seines endlichen Unterganges, folgt die Geschichte der Bekenner des JudenthnmS nach der Zerstreuung, die Geschichte ihrer Verfolgungen und Leiden in den verschiedenen Ländern der Erde und der Hingebuilg und Glaubenötreue, mit welcher sie diese Leiden getragen haben, bis die mildere Sonne der neueren Zeit ihnen aufgegangen. Der Zweck dieses geschichtlichen Unterrichts ist leicht einleuchtend. Nichts ist mehr geeignet, der israelitischen Jugend Achtung vor unserer großen Vergangenheit einzuflößen und ihr daö Bewußtsein zu geben, daß Israel eine hohe und heilige Aufgabe zu Theil geworden, für die es Gott so wunderbar erhalten hat, Nichts kann mehr bei dem aufwachsenden Geschlecht(׳, Lust und Eifer erwecken, für die Lösung dieser Aufgabe einst thätig mitznwirken, als eben die Kenntniß der Geschichte unseres Stammes und unseres Glaubens. Ja, unterrichtet durch die Geschichte wird die aufwachsende Jugend einst nicht nur mit edlem Selbstbewußtsein sich Bekenner des Judeuthumö nennen, sondern auch mit Liebe und Freudigkeit für die Erhaltung des Jndenthumö leben und wirken, und einst einem späteren Gescblechte daö große und heilige Erbe übergeben, das unö durch 4 Jahrtausende von unseren Vorfahren überkommen. So haben wir denn die innere Einrichtung unserer Schule bezeichnet und den Geist, in welchem und daö Ziel, sür welches der Unterricht in jeder ihrer Abtheiluugen ertheilt wird. So haben wir denn die Weise bezeichnet, ans welche die Schule bemüht ist, daö Herz der Jugend mit dem inuigen und heiligen Gefühlen der Frömmigkeit zu durchdringen, ihre Erkenntnis; durch die Wahrheiten der göttlichen Lehre zu erleuchten und ihrem Willen für die Lösung ihrer Aufgäbe alö Menschen und alö Israeliten zu stärken. In diesem Geiste und mit diesem Ziel vor Augen hat nun die Schule wieder ein Jahr ihrer Wirksamkeit zurückgelegt. In diesem Geist und mit diesem Ziel vor Augen beginnt die Schule ein neues Jahr ihrer Wirksamkeit, für welche wir den Beistand und Segen Gottes erflehen. Korrespondenz. Pest, 20. Juli. Nicht nur die allgemeine und hohe Bedeutung eine..; zweckmäßig lierangel'iloeten isr. Lehrerflandes sür daö geistige Gedeihen der Gemeinden Israels, sondern auch die der isr. Präparandie | I von den lobt. Gemcindcvorständen bewiesene Tbeilnahme und das von vietcn Gemeinden uns geschenkte Zutrauen, machen cs uns zur angcnehmen Pflicht, nnsern thenern GlaubenSgcnoffen Rechenschaft abznlegcn über das, was wir an der isr. Lehrerbildungsanstalt während ihres zweijährigen Bestehens gewollt, gewirkt und geleistet haben. Wir hoffen zwar dieser Pflicht am besten durch die Herausgabe eines selbstständigen ausführlichen Programms nachzttkommen. Doch für jetzt erlauben wir uns, unsere bei der Eröffnung des ersten und des zweiten Jahrgangs veröffentlichten Berichte durch den gegenwärtigen zu ergänzen. Die erste LehrbcfähiguiigSvrnsnng wurde am 9. und 10. Juli unter dem Vorsitze des hochw. Herrn Direktors Kriegler, so wie im Beisein des Herrn RabbinatSasessors Wahrmann, des Herrn Doktors Hauser und mehrerer sachkundiger Schulfreunde vorgcnommen. Die Zahl der ordentlichen Hörer belief sich auf 25 und die derjenigcn, die sich einer Privatprüsung unterzogen, betrug 4. Von den erstcrn wurden 7 zu Hauptschullehrern für 4 Klaffen, 3 zu Unterlehrern für 4-klassigc Hauptschulen, 7 zu selbstständigen Lehrern und 3 zu Unterlchrcrn an 3-klassigcn Volksschulen, die übrigen 5 zu Lehrern oder Unterlchrcrn an 2-klassigcn Schulen befähigt. Von den Privatisten erhielte» 2 Zeugnisse für 3-klaffigc Volksschulen. Wir haben bei der Erthcilung der Hauptschullehrerzengnisse nicht nur auf das Wissen und Können der Hauptschullehrstoffe, des Zeichnens und der Realien, sondern auch auf den Charakter der Zöglinge und besonders ans deren UnterrichtSbesähigung im Ungarischen Rücksicht genommen. Unter den entlassenen drei-klassigen Volksschullchreru werden wol die meisten auch in der obersten Klasse der Hauptschule mit gutem Erfolge zu verwenden sein; doch wegen ihres mangelhaften Wissenö in dem einen oder dem andern Unterrichtsgegenstande der 4. Klasse wurden Ihnen bloß LchrbefähigungSzengnisse sür dreiklassige Votkschulcn ertheilt, um sic dadurch zur eigenen Fortbildung und Vervolllommilllttg anzncifcrn und zur Ablegung einer zweiten Prüfung zu veranlassen. Diejenigen Zöglinge, welche in Beziehung ihres Lebenswandels, so wie wegen ihrer Jugend das zur Leitung einer Schule oder selbstständigen Uebcrnahmc einer Schulklasse erforderliche Zutrauen nicht einflößten, wurden je nach ibrer Befähigung zu Unterlehrern für 4, 3 und 2 Klassen bestimmt und können nach abgelegten Proben treuer Pflichterfüllung und guter Verwendung ein Zeugniß als selbstständige Lehrer erhalten. Am 18. Juli fand die Vertheiluug der Zeugnisse statt, bei welcher Gelegenheit wir den nun in daö praktische Lehrerleben cintretcndcn Kandidaten die Beobachtung sämmtlicher Pflichten des isr. Lehrers noch einmal ans Herz legten und wir ergeben uns auch der angenehmen Hoffnung, daß unsere Zöglinge den Aufforderungen der Neuzeit an den isr. Lehrer genügend entsprechen werden. Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns diejenigen Gemeinden und Schulleiter, an deren Anstalten unsere Zöglinge zu wirken das Glück babeu werden, ergebenst zu bitten, daß sie denselben die äugehenden Lehrern ersprießliche, freundliche und ausporueude Ausnahme angcdeihcn lassen. und daß sie ferner uns mit ihren aus Erfahrung beruhenden Gutachten über die Brauchbarkeit und Tüchtigkeit unserer Zöglinge beehren mögen, damit wir diese Urthcile bei unserem weitern Wirken zur Darnacbtnng benützen könnten. Zum Schluffe halten wir es für unsere heilige Pflicht, allen Wohlthäteru und Gönnern dieser Präparandic, besonders aber dem hvchwürdigcn Herrn Oberrabbincr W. A. Meisel für seine unermüdliche Theilnahme an dieser neukreirlen Anstalt nnsern wärmsten Dank auSzndrücke». A. Lederer, Schuldirektor niid Lehrerbilduer.