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Ben Chananja · 1861-07-26 · 30 (26.7.1861) · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
30 (26.7.1861)
Date
1861-07-26
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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2 GO Neue fesseln und welch wvhlthuende und heiligende Befriedigung unser Herz an ihnen findet. Auf den reinen und frischen Sinn des Kindes ist ihre Wirkung um so großer und mächtiger. Es empfängt durch sie heilige Eindrücke von denk Höheren und Göttlichen, die nicht leicht wieder aus seiner Seele verwischt werden. Wie von selbst erwacht unter diesen Eindrücke in des Kindes Seele ein, wenn auch nicht ganz deutliches Bewußtsein von Gott, dem ewigen und mächtigen Schöpfer, dem allliebeuden und gerechten Regierer und dem allwissenden und strafenden Richter, ein inneres Bewußtsein von der Sünde und ihrem Fluche und von der Tugend und ihrem Segen. Anfangs lassen wir am Liebsten die schlichte und Herzliche Sprache der Bibel unmittelbar zu des Kindes Geist und seinem Herzen reden. Nach und nach aber tritt zur lebendiger Erzählung auch die Reflerion und Anwendung, indem die jeder Erzählung zu Grunde liegenden Lehren, in soweit sie nicht über das kindliche Fassungsvermögen gehen, abgeleitet und entwickelt und schließlich an einen kurzen und kräftigen Bibelspruch geknüpft werden, der in einem engen Nahmen den Inhalt der abgeleiteten Lehre wiedergibt. In diesen so eingeprägter Bibelsprüchen sammelt daS Kind einen köstlichen Schatz für's ganze Leben. Denn wer weiß nicht auS eigener Erfahrung, wie oft ein in früher Kindheit gelernter Bibelspruch in Stunden der Betrübniß und der Versnchung nnö als ein tröstender und rettender Engel vor die Seele getreten! Was das Hebräische betrifft, so ist der Unterricht ans dieser ersten Stufe gleichfalls nur ein vorbereitender. Es wird in dieser Abtheilung im Allgemeinen nur die Fertigkeit und Sicherheit im Lesen erstrebt. II. Das Kind hat nun bereits eine größere Empfänglichfeit für das Höhere und Göttliche erlangt. Seine ganze geistige Entwickelung hat nach und nach Fortschritte gemacht. In historischer Einkleidung sind ihm die ersten NeligionS- und Sittlichkeitsbegriffe eingebracht worden. Was soll nun geschehen? Was soll in der zweiten Abtheilnng gelehrt und weiche Lehrweise soll hier in Attweudung gebracht werden? Wie nach der Morgenröthe des ersten Buch Moses das klare und reiue Licht der Offenbarung uns in den 3 folgenden Büchern entgegenleuchtet, wie nach der vorbereitenden Einleitung des Luches uns iu jeueu Büchern der eigentliche Inhalt der göttlichen Lehre und der göttlichen Gebote mitgetheilt wird: so soll das Kind nach dem ersten vorbereitenden Unterricht hier in der zweiten Abtheiluug stufeuweise in das innere Heiligthum der Religio» eingeführt, sollen die Wahrheiten und Gebote der Offenbarung hier in des Kindes Geist und Herz gepflanzt werden. Ankuüpsend au die zehn heiligen Aussprüche vom Sinai, theilcn wir dem Kinde vor Allem mit die Lehrer unseres Glaubens über Gott und seine Eigeuschaften, über unser Verhältniß zu ihm und unsere Pflichten gegen ihn und seinen heiligen Namen, über Sabbat und Feiertage und über alle unsere Heiligung bezweckende Gebote. Nach einer eindringlichen Belehrung über die kindlichen Pflichten gegen Vater und Mutter und gegen Alle, zu denen wir iu einem ähnlichen Verhältnisse stehen, folgt die Mittheilung der mannigfachen Gebote und Vorschriften der heiligen Schrift in Bezug auf Gerechtigkeit, Liebe und Sittlichkeit. Wir begnügen uns natürlich nicht damit, alle diese Lehren und Gebote bloß mitzutheilcn und sie dem Gedächtniß des Kindes einzuprägen, sondern sorgen auch dafür, daß Alles verstanden und klar und deutlich'aufgefaßt wird. Denn was ohne Selbstdcnken in das Gedächtniß cingeprägt wird, das verliert sich eben so leicht, wie cs anfgenommen worden, oder gleicht höchstens toben, unfruchtbaren Saatkörnern, die ohne Nutzen im Kopfe aufgehäuft liegen. Nur was der Geist mit klarer Erkcnntuiß auffaßt, wird sein ewiger und lebendiger Besitz. Die Geschichte wird natürlich in dieser Abtheilung auch nicht versäumt, sondern wie in den genannten drei Büchern der heiligen Schrift neben dem Inhalt der Offenbarnng auch weiter Bericht über die Wanderung und die Geschichte Israels gegeben wird, so wird in dieser Abtheiluttg der Unterricht in der Glaubens- und Sittenlchre mit der heiligen Geschichte Israels durchwebt, von der die wichtigsten Begebenheiten bis zum Untergang der beiden Reiche gelehrt werden. Da aber der kindliche Geist auf dieser Alteröstufe noch nicht reif ist, um die Geschichte im Ganzen und in ihrem inner» Zusammenhänge aufzufassen, so geben wir auch hier die Geschichte nur in einzelnen Lebensbildern, die, von der Einbildungskraft des Kindes lebendig erfaßt, heiligend auf sein inneres Leben einwirken. Im hebräischen Unterricht werden hier theils die Lese- Übungen fortgesetzt, theils werden die Kinder zum übersetzen leichter Stellen im Gebetbuche und historischer Stücke des Pentateuchs augeleitet. Diese Uebcrsetzuug wird in der folgenden Abtheilung auf die wichtigsten Stellen des GebetbucheS und bei den reiferen Knaben zugleich auf alle Theile des Pentateuchs und auf auögewählte Abschnitte aus den Profeten und Psalmen ausgedehnt.' III. Wir kommen nun zur dritten, obersten Abtheilnng, in welcher die religiöse Bildung der Jugend der möglichsten Vollkommenheit entgegengesührt werden soll. Welche Lehrweise hier in Anwend, zu bringen, lernen wir widerum aus jenem letzten Buche, mit welchem die Thora ihren heiligen Inhalt abschließt. Wie nämlich in dem fünften Buch Moses, welches unS die Kinder Israels an der Grenze des verheißenen Landes zeigt, wie da der erhabene Profet noch einmal die göttlichen Wahrheiten nnd die göttlichen Gebote iu ihrer Gesammtheit, in ihrem inuern Zusammenhänge und iu ihrem tieferen Geiste vorführt, um das Volk mit der Ueberzeugung zu durchdringen, daß sein Leben nnd seine Seligkeit an diese Lehre geknüpft ist, und wie er da zugleich die zurückgelegte Wanderung überschaut, um in Israel das Bewußtsein der wunderbaren, gnädigen Führung und Wallung Gottes und daS Bewußtsein seiueS Hoheit und heiligen Berufes, zu welchem der Herr es erziehen wollte, zu erwecken: so soll die Jugend. bevor sie durch die Konfirmation in daS verheißene Land des ernsteren Lebens eingesührt tvird, noch einmal von dem ganzen und tieferen Inhalt der göttliehen Lehre durchdrungen uild mit der großartigen Geschichte Israels und seinem erhabenen Berufe vertraut gemacht werden.

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