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Ben Chananja · 1861-07-19 · 29 (19.7.1861) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
29 (19.7.1861)
Date
1861-07-19
Page
Seite 250 (sequence 2)
Language
German
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סר׳ 2־ vertagt, während die Türken, die Muselmänner, die Anbäncj er aller Sekten in Frankreich (11111 Gennsse aller bürgerlichen Rechte zugelassen tverden. Ich verlange, daß die Bertagu1t g!ט i b crrufe», nn d in Folge de ssen d e k r e t i r t werde, daß die Juden alle R e ch t e der aktiven B ü r g c r g e n i e ß e n soll e n." Duport'S Worte wurden von stürmischem Beisalle begleitet. Rewbel, ein hartnackiger Jndenfeind, sprach gegen Duport'S Proposition; aber Negnaud de Sainte-Jean-d'Angely fiel ihm ins Wort und ries auö: ״Ich verlange, daß Alle zur Ordn u n g g e r n f c 11 w erden, d i e g e g e n die! e P r o p ositi on sprechen, denn e S i st die Ko n sti tu ti on selbst, welche sie bekämpfen!" Duport'S Proposition wurde hierauf angenommen. Am Abende deS darauf folgenden Tageö trat das jüd. Neujahrsfest (ראש השנה הקנ״ב) ein, am welchem die Synagoge die Herrschaft GotteS über die Welt feiert. Mit einem früher nicht gekannten Gefühle sprachen die befreiten französischen Juden an diesem Abend daS uralte Gebet: ״So verbreite denn, o Gott, unser Herr, die Furcht vor dir über alle deine Werke, und heilige Scheu vor dir über Alleö, waS du geschaffen hast. O daß alle deine Geschöpfe dich fürchten, alle deine Werke dich anbeten, d a ß s i e alle einen e i n z i g e u B n n d b i l d e n m ö g e n, um deinen Willen zu vollziehen mit ungetheiltem Herzen, so wie wir es erkennen, o Gott, unser Herr, daß die Herrschaft dein ist, die Macht in deiner Hand, die Kraft in deiner Rechten, und dein Name verehrt bei Allem, waS du erschaffen hast." Die Unterrichteten unter ihnen mögen sich auch an die achtundvierziger Gesetze erinnert haben; denn 1748 war M oute S q u i e u'S Werk ״über den Geist der Gesetze" erschienen, in welchem zum ersten Male die angebornen Menschenrechte auch für die Juden in Anspruch genommen worden. DaS demokratisch konstitutionelle Ungarn hat 1818 den Juden nicht gewährt, waS in dem absolutistisch regierten Frankreich schon 17-18 für dieselben verlangt wurde. Dürfen sie hoffen, daß bei der bevorstehenden Verhandlung der Judenfrage ein Duport, cm Arnaud de Saint-Jean-d'Angely im Kreise der ungarischen Gesetzgeber, dieser Vorkämpfer der Freiheit und deS Rechts, einen Nachfolger finden werde? Die Jnkolatfrage! ES ist dieö daö alte Gespenst von 1843. Man fürchtet eine starke Einwanderung der Juden. Ob diese Einwanderung vom Standpunkte der National- Oekonomie Gegenstand der Besorgt!iß sein könne, wollen wir hier nicht näher erörtern. Aber die Thatsache dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß sich seit zwölf Jahren bei den ungarischen Juden wol eine starke Tendenz zur Aus- Wanderung bemerken läßt, während die Einwanderung höchst unbedeutend ist. Der größere Theil der Wiener israelitischen KultuSgemeinde besteht auö eiugewanderten ungarischen Juden. AnS Galizien, woher sonst ein bedeutendes Kontingent einwandernder Inden nach Ungarn kam, erscheint in der neueften Zeit auch nur selten ein Emigrant; die Auswanderung hat von dort eine andere Richtung genommen: nach den Donanfürstenthümern. Eine beträchtliche Zunahme der jüdisehen Population durch Einwanderung liegt also außerhalb der Grenzen aller Wahrscheinlichkeit; viel eher dürfte, wenn die Legislatur die ihr in dem vorliegenden Programme vorgezeichnete Bahn einschlägt, bald die abnehmende Einwanderung und die zunehmende Auswanderung der Juden Gegenstand deS Bedauerns für wahre Freunde deS ValerlandeS werden. ״Die soziale Verschmelzung der Juden und Christen!" Wer daS Programm vom 7. Juli 1861 mit dem Gesetzartlkel vom 29. Juli 1819 vergleicht, muß zu der Ueberzeugung gelangen, daß hier von der a u S n a h m s w e i s e n Gestattung der Zivilehe zwischen Christen und Juden die Rede sei, während für rein christliche und rein jüdische Ehen die bisherige kirchliche PrariS beibehalten werden soll. Gesetzt mm, daß eS gelänge, die den ungarischen Anschanungen und Sitten durchaus uicht zusagende Zivilehe trotz deS ohne Zweifel einstimmigen Widerstandes der Prälaten im Oberhause und der Mißbilligung aller christlichen Geistlichen im ganzen Lande*) gesetzlich einzuführen; so hätte doch diese neue Institution jedenfalls nur fakultativen Charakter, und der Erfolg würde weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die Manche von den Mischehen zu hegen scheinen. Ein befreundeter serbischer Pfarrer hat unS erst vor Kurzem versichert, daß ihm im Laufe von 12 Jahren nur eine einzige Ehe zwischen einem Serben und einer ung. Katholikin vorgekommen, wiewol seine Pfarrkinder mit ihren ung. kath. Mitbürgern in bester Eintracht leben. Die Juden haben auf ihren Wanderungen durch alle Länder und alle Zeiten drei verschiedene VerschmelzungSsysteme kennen gelernt. Das älteste dieser Systeme ist daö Faraonische: ״die ueugeborneu Knäbleiu werden in den Nil geworfen, die Mägdlein werden von Ägyptern heimgeführt!" Dieses System war unter mannigfaltigen Modifikationen auch in späteren Zeiten beliebt. Dem mittelalterlich-christlichen Europa diente zwar nicht Pharao zum Vorbilde, aber Antiochus Epifaneö wurde oft überbvten. Häufig wurde dem Juden nur zwischen dem erlösenden Wasser und dem verzehrenden Feuer die Wahl gelassen! So hoch sind indeß die Wogen der Verfolgung in Ungarn niemals gestiegen; selbst Ludwigs I. gottseliger Eifer ließ es bei der Ausweisung bewenden, ohne daß sonst einem Juden ein Haar gekrümmt worden wäre. *) Der Prof. Ewald in Göttingen hat sich crsi vor Kurzem mit aller Entschiedenheit gegen die Zivilehe ausgesprochen.

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