Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-08-09 · 32 (9.8.1861) · p. Seite 283

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
32 (9.8.1861)
Date
1861-08-09
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543055--2223-2545944
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bloß durch die Schule, sondern auch dieses Leben gefolgt. WaS in hohem Grade für die Schule als weibliche Bildnngöanstalt spricht, ist der merkwürdige Umstand, daß nicht bloß ihre Leiterin, sondern sämmtliche Lehrerinnen aus ihr selbst hervorgegangcn sind, daß ein großer Thcil ihrer Schüler jetzt als Lehrerinnen und Gouvernanten hier! im Lande wirken und viele andere in die geachtetstell Familien verheiratet worden sind. Das Lokal der Schule war bis voriges Jahr schlecht, mit meorigen Zimmern und engem Raume. Zn Veranlassung des 50-jährigen Jubiläums bestimmte man sich ein neues Schnlgebäude aufziisühren, und dieses steht nun als eine Zierde der Stadt vollendet da. Zur EinweihnngSscier fanden sich außer den vielen Wohlthätcrn der Schule auch viele hochgestellten Beamten der Stadt und darunter der Oberpräsidcnt und der Polizeichef ein. Das Fest wurde mit einem Gesänge eröffnet worauf Herr Oberrabbincr Dr. Wolff einen gedankenreichen. beredten Vortrag hielt, dem er die Worte des königlichen Sängers: ״Wie schön sind deine Wohnungen o Herr Zebaoth" zu Grunde legte, welche Worte er auch aus die cinzuweihende Wohnung anwandte. Nachdem er darauf dem Staatsrath Nathanson für seine segensreiche Wirksamkeit gedankt hatte. legte er den Kindern ans Herz sich stets des Guten würdig zu zeigen, das ihnen hier geschenkt worden, worauf er mit erhobener Hand diese Stätte als einen Tempel der Bildung und Aufklärung einwcihete. Nach Absingung einer Kantate sprach Herr SlaatSrath Nathanson einige aufmunterndc und ermahnende Worte an die Kinder und vcrthcilte darnach Prämien und Legate, die den fleißigsten Schülerinen zu Theit wurden. Inland. Rendek, im Znli. Die christliche Realschule in dem nahe gelegencn Sümeg, wo. zu deren Lobe sei es gesagt, Zöglinge jüd. Konfeffion tolerante Behandlung finden, wäre für die hies. Schuljugend ein günstiges Terrain zur fernern Ansbildung; allein der Mangel an Religionsunterricht daselbst versperrt derselben den Weg. Mit Bedauern sehen wir nämlich, wie die 2—3 hiesigen Besucher der erwähnten Schule, den Religionsunterricht völlig entbehrend, auch die wenigen Zehrpfennige, die sie aus dem heil. Vermächtnisse von hier Mitnahmen, dort der Verwahrlosung opfern. Könnte aber die Zudenschaft zu Sümeg diesem Nebel nicht Ab- Hilfe thun? Seit einem Dezennium leben in diesem Orte bei 40 meist bemittelte Familien. Diese bilden de gurs eine Filiale der hies. Gemeiude; bewahren jedoch so sehr ihre Unabhängigkeit, daß sie sich hier an Nichts betheiligen; ja selbst bei unserem Synagogenbau und der Kreirung unserer Schule die schroffeste Engherzigkeit an den Tag legtcn. Abgesehen von einem unbedeutenden Beitrage zur Erhaltung des RabbinatS, sind sie der hies. Gemeinde so zu sagen todte Mitglieder, indem sie höchstens die Rubriken der Matrikel ansfüllen helfen. — Demnach vermißt man bei ihnen jeden gemciulichen Verband, und keine einzige Institution kennzeichnet das Vorhandensein einer jüdischen Korporation. Muß man sich übrigens, um die Schattenseiten nicht gar zu dicht aufzusühren, einer plastischen Darstellung ihres Kultus- und Gemeindewesens enthalten; so kann doch nicht «״gerügt bleiben, daß bei ihnen auch daö Heiligste. die religiös-sittliche Erziehung ihrer Kinder, stiefmütterlich behandelt, ja mit Füßen getreten wird. Aber wahrlich mit den Geldmitteln, die diese Herren für die halsbrecherischen Leistungen einiger lektioniden Lehrer hingeben, könnte sehr leicht eine zweiklaffige Schule unterhalten werben. Denke man sich au dieser einen tüchtigen Lehrer nebst einem Gehilfen angestellt, so müßten nicht 10—12-jährige Kinder das hebr. Lesen zum Gegenstände nehmen. Es würde wenigstens der erste Samen aus jüd. Hand aus. gestreuet; überdieß wäre diese Anstalt für die reifere Jugend eine Meligionsschule, und von ihr würde es heißen:,חניון לנער על סי דרכו נס כי יזקין אל יסיר ממנו. Wie bei dem guten Willen einer Gemeinde nichts außerhalb der MöglichkeitSgränzen liegt, beweist die hiesige Gemeinde. In dieser har sich wahrlich der Spruch: אין צב1ר עני vollkommen bewährt: Gleichzeitig mit der Renovation einer Synagoge, die bedeutende Summen in Anspruch nahm, wurde eine dreiklaffige Schule ins Leben gerufen, und beide gehen ihrer schönsten Blüthe entgegen. Es fehlt aber hier nicht an Beispielen frommer Opfcrwilligkeit. Unser Vorsteher, Hr. JonaS Böhm, ein für Schul- und Gemeindewesen begeisterter Mann, spendete erst neulich eine große silberne ״Menorah" im Wcrthe von mehreren hundert Gulden. Eine Zierde mehr für unsere ohne dicß prächtig auSgestattcte Synagoge. Möge dieses Beispiel andere wohlhabendere Gcmcindemitgliedcr zur Nachahmung ancifcrn! Möge aber auch in unserem schönen GotteShansc, neben den vortrefflichen Predigten unseres geehrten Rabbinen der zeitgemäße erhebliche Gottesdienst cingeführt werden und wir werde» den Fortschritsgemeinden klang - Völkern Namens in Nichts nachstchen. .d. Großwardein, 7. August. Die Einweihung der neuen, ungarischen Synagoge fand heute Vormittag unter ungeheurem Andrange des jüdischen und christlichen Publikums statt. Der Festredner, Oberrabb. L ö w , der gestern Abends von der Gemeinde glänzend empfangen wurde, sprach nahe an zwei Stunden über Jesaj. 52, 7. (der Haftara d. gegcnw. Woche entnommen) unter wachsender Aufmerksamkeit der aus der Elite der hiesigen Gesellschaft bestehenden Zuhörerschaft. Am Schluffe der Feierlichkeit umarmte der 80-jährige edle Vizegespau Ambros den Redner, der 1849 sein Leidensgefährte gewesen war, unter Thräneu. Dasselbe that der RechtSgelchrte Jos. Nagy. Der Jubel in der Gemeinde ist unbeschreiblich. Die Fcstprcdigt wird im Drucke erscheinen. -צ LiterSrische Anzeigen. Der Aaronsstab. Hauspostille für jüdische Familien, enthält homiletische Betrachtungen über die Haftorah's zu den 5 Büchern Moses. Materialien zu Predigten und Erhörten für angehende Rabbiner und Prediger von vr. Adolf. Ehrentheil, Rabb. in Horic. Angezeigt von Rabb. Fein in Reichenau. Der Verfasser des vorliegenden Werkes hat sich dem Titelblatte nach ein 2-facheS Ziel vorgesteckt. ES will ״der Aaronsstab" den Anfängern in der Verkündigung des göttlichen Wortes auf ihrer neuen Bahn Führer und Wegweiser sein, um durch seine Hilfe und Stütze, sie dem erwünschten Ziele rascher und leichter näher zu bringen; der Aaronöstab will aber auch den Herze« jüdischer Familien junge und frische Pfropfreiser einpflanzen. damit sic aus seinen gesunden, lebenökräftigen Zweigen die Säfte und Kräfte religiöser Belehrung und Bildüng ziehen mögen, mit einem Worte: Es will auch als eine Erbau« ungSbnch für Haus und Schule gelten. Was nnn den ersten Zweck betrifft, kann wol nicht geläugnet werden, daß der Verfasser seine Ausgäbe glücklich gelöst habe. Er gibt im vorliegenden Buche in der That den noch ungeübten Rednern ein reichhaltiges Repertorium mit vorbeleiteten und zugeschnittenen Materialien an die Hand, daraus sie, sowol dem Stoffe als der Form nach, gar mannigfachen Nutzen schöpfen können. Was hingegen die 2. Bestimmung des Buches anlangt, durch dessen Lektüre die Erbauung und Andacht, die religiöse Belehrung und Bildung der jüdischen Familien zu erzielen, glauben wir demselben ein günstiges Prognostikvn stellen zu können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.