Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 27 (5.7.1861)
- Date
- 1861-07-05
- Page
- Seite 235 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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235 und!ןar unmöglich. —■ Trotzdem ist aber die Sprache doch nichts Willkürliches und Gesetzloses; — sie hat wie alles andere, ihre historischen Bedingungen und ihre organ i s ch e E n t w i ck e l u n g. Um dies klar zu machen wollen wir jetwaö tiefer anSholen. Die Entstehung und Entwickelung? der Sprache läßt sich am besten subjektiv und analog der Entwickelung des Geistes begreifen. Gleichwie dieser vom Besonderen zum 'Allgemeinen vorwärts schreitet und die oberste Entwickelung desselben im Begriffe alle andere?. Momente aufgehoben in stch befasset, so ist auch dies in der Sprache sichtbar. So wie dort der Denkinhalt immer mehr und mehr vergeistigt, ins Allgemeine gezogen und aller Akzideniien entkleidet wird, so ist auch hier ein immerwährendes Streben vorhanden, den Anfangs beschrankten Inhalt immer weiter und weiter anSzndehnen und zugleich schärfer zu fassen. — Während aber der reine Begriff an keine bestimmte änsiere Form geknüpft ist und unter jeder derselben gedacht werden kann, so ist dies in der Sprache nicht so leicht möglich; denn die einmal für ein bestimmtes Objekt sirirte Bedeutung gilt und bleibt als solche, selbst wenn der weiter anSgebildete Denkinhalt mit ihr in Widerspruch geräth, und in ihr sich das nicht findet, waS man von Seite deS Begriffes in ihr zu suchen berechtigt wäre. — Ein Grund davon ist der, das; der Begriff auf seiner untersten Stufe als Anschauung schon eines sprachlichen Ausdruckes bedarf, ja sich ohne denselben gar nicht U'rita•' entwickeln könnte. Dieser sprachliche Ausdruck fällt aber in eine Periode, wo man dem denkenden Menschen noch nicht seine spätere Abstraktion zumuthen kann, sondern nur jene Naivetät und Empfänglichkeit, die den Naturmenscheu überhaupt charakterisirt. Der Mensch sah sich einem Objekte gegenüber; er empfand gleichzeitig verschiedene Eindrücke: etwas Gelbes, Glänzendes. — Diese Eindrücke, in seiner Seele zu einer Einheit verbunden, gaben ihm die Anschauung des betreffenden Gegenstandes. — Diese Anschauung sollte in der Sprache lautlich dargestellt werden. — Alle diese Merkmale sprachlich in eine Einheit zn fassen, war schlechtweg unmöglich; der Mensch mußte also dasjenige, waS ihm als daS charakteristische erschien, davon herauSwählen, um seinen Gegenstand damit zu bezeichnen. — Diese durch die NamengIbuiig festgehaltene einseitige Beziehung der vielseitigen Sache zum Menschen neunen wir die innere Sprachs o r m. — Die Bezeichnung deS Gegenstandes mittelst der inneren Sprachform ist also eigentlich keine objektive, im Gegenstände selbst gelegene, sondern eine rein subjektive, vom Eindrücke, den daS Objekt auf den Menschen macht, allein abhängige. — Wenn im obigen Falle der Mensch daS glvisse Metall, daö ihm als das harte, schwere, gläuzende, gelbe erschien — das Gold — als ״daö Gelbe" oder ״Schöngefärbte", wie es im Sanskrit lautet, bezeichnet, so wird wol Niemand behaupten, daß der Mensch das Wahre hiemit getroffen habe. — Dasselbe gilt auch von anderen Dingen, z. B. v. Thieren. Der Hund heißt im Sankrit <,!vau, in der schwächeren Form qud, daS dem griechischen ^enetiv. xw-oV, dem lateinischen 6uum (anS evanis entstanden), unserem Hund und dem persischen seg (in der älteren Form spak nach dem Zeugnisse Herodotö I. 110 annxa rgV xvvn xnUoven Mijdoi.) zu Grunde liegt. Will l ) 1 man nun entweder in der Form an ein obsoletes Partizipium z von der in SanSkrit vorkommenden Wurzel <;vi schwellen ״ ־schwanger, fruchtbar sein" (vcrgl. im Griechischen >״> xvirrxco)' oder an den Naturlaut dieses ThiereS denken (der Hund heißt im Chinesischen kinün) so haben wir in beiden Fällen in dem Ausdrücke ״fruchtbares״ oder ״bellendes Thier" gewiß kein Merkmal, daS ein heutiger Naturforscher als zureichendes Eharakteristikou der Spezies canis anerkennen möchte. In allen diesen Fällen haben wir die Dinge nach dem besonderen Eindrücke, den sie ans den Menschen machten, — also rein subjektiv aufgefaßt. In diesem Sinne hat Pott nicht Unrecht, den bekannten Ausspruch deS Sofisten ProtagoraS ״der Mensch sei daö Maß der Dinge" (Platon Tiieait. p. 152. /nijttctttov uitnov rivvomnov hviu), im Gebiete der Sprache bestätigt zu finden, und wir werden nicht allzuweit gehen, wenn ivir mit Steinthal die einzelneu Sprachen als ebenso viele W el tan sichten bezeichnen. Eine solche Auffassung der Sprache, die von der Filososie und modernen Sprachwissenschaft gefordert wird, läuft auch dem ältesten Denkmale unserer abendländischen Kultur und Religion nicht zuwider, sondern findet sich in den sinntgen Worten der ehrwürdigen Thora im Keime ausgesprochen. — DaS zweite Kapitel deö Buches Bersechith erzählt uns nämlich, Gott habe, nachdem er die Wesen alle geschaffen, selbe dem ersten Menschen vorgeführt, um zu sehen, wie er sie benennen werde .(17 לראות מה־ ייקרא) Und die Bezeichnungen, die derselbe den Wesen nach den Eindrücken, die sie auf ihn machten, gab, dies waren ihre Namen. אשר יקרא־ס האדם נפש היה הוא שמי) In diesen Worten der Thora liegt zweierlei: 1) daß die menschliche Sprache Schöpfung des Menscben ist, und also keine unmittelbare Offenbarung der Gottheit; 2) daß sie nicht organisch im sinnlichen Menschen begründet ist, sondern erst durch eine ihm gegenständlich gegenüberst.'hende Welt wachgerufen wird. Hiemit ist die snbjketiv — objektive Natur d. menschlichen Sprache behauptet. Wir wollen im Nachfolgenden die praktische Anwendüng und Tragweite dieser Ideen an einigen Beispielen erörtern, indem wir mehrere zunächst dem Hebräischen entnommene Formen etymologisch mit Hinblick auf die innere Sprachform derselben behandeln. Wir glauben eine solche Behandlung deö Sprachschatzes dürfte manche beherzigenöwerthe Resultate für historische Cregese und spekulative Theologie mit der Zeit anö Tageslicht fördern. Die Bezeichnungen für Seele lauten im Hebräischen נשמה .רות .נפש. Alle diese Anödrücke führen auf Wurzeln zurück, die Ursprünglich ״hauchen, blasen" bedeuten. Im Äthiopischen lautet uala8 ״Wind", wovon ein Beiwort uaüisawi ״windig" abgeleitet wird. Ebenso bedeutet im Arabischen nat'a8un ״Hauch, heftiger Athem," damit hängt die Bedeutung von nali8a ״geizig sein" und nafu8a ״kostbar sein" zusammen, indem an die allgemeine bleusterulig der Leidenschaft, die hier zu Grunde liegt, gedacht wurde — nafisa beißt auch gebären — wahrscheinlich mit Hinblib ans das Ächzen der Gebärenden. WaS רוה betrifft, so ist die Bedeutung Hauch, Athem schon anö dem Hebräischen klar; interessante Analogien dazu bietet besonders das Arabische. Hier bedeutet ric nun