Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 26 (28.6.1861)
- Date
- 1861-06-28
- Page
- Seite 228 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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228 rare freie Beobachtung hatten, über die Sprache filosofirten und unter den Dialogen k!aton8 finden wird einen, den Kratylos, der die Sprache zu seinem Gegenstände hat. — Ohne das Wesen der Sprache zu kennen, fing man — wie cs jeder Wissenschaft in ihren Anfängen zu ergehen pflegt — an, gleich über den Ursprung der Sprache nachzndenken, um also deren Eristenz zu begreifen, eine Frage, die bis in die Neuzeit in mehrfacher Form, aber immer fast in demselben Sinne aufgeworfen wurde. Ohne nnö ans e ie Beurtheilnng der mißglückten Lösungen dcö Problems, die nur auf einer schlechten Stellung der Frage beruhen, cinzulassen, bemerken wir, daß hier zwei Eetteme sich geltend machten, wovon das eine die Sprache alö natürliche oder n o t h w e n d i g e S ch ö p f n n g d e S M e n s ch e n ansah, indem eineStheilS der Mensch durch Uebereinknnft mit seines Gleichen d. Sprache schuf, andereötheilö ebenso zu ihr kam, wie etwa der Hund znm Gebell, — während die andere Seite in der Sprache ein geoffenbarteS G e s cb e n k der Gottheit, ein vollendetes Kunstwerk fand. — Beide Ansichten tragen alle möglichen Widersprüche in sich. Denn eineötheils setzt Uebereinknnft mit seines Gleichen wieder ein Medium der Mittheilnng, also Sprache, voraus, anderestheils laßt sich S p rach sch öp fang von Seite eines Menschen nicht nachweisen, was doch, wenn der Mensch, als solcher, Urheber der Sprache wäre, noch immer der Fall sein müßte. — Die Sprache aber alö natürlichen Ausdruck des sinnlichen Organismnö zu betrachten, gleich dem Gebelle des Hundes, widerspricht der Anlage der Sprache, die vom Thierlante sich wesentlich unterscheidet. Was den zweiten Fall, eine Offenbarung durch die Gottheit betrifft so setzt er,'abgesehen von dem Unwürdigen einer solchen Vorstellung, wieder ein Medium, zu dem die Gottheit herabsteigt, um sich dem Menscheu verständlich zn machen, also wiederum Sprache, voraus. Während im ersteren Falle die Sprache zu einem gedanken- und sinnlosen, zur Befriedigung der nächsten Bedürfnisse erfundenen Zeichenkonglomerate herabgcwürdigt wird, haben wir im zweiten Falle vollkommen Recht ein reines — weil unmittelbar Gotteshand entstammendes — Ideal zn erwarten, und in der Sprache vollkommenste Einheit und höchste Weisheit zn suchen. Dem scheint aber nicht so. — Wäre einer oder der andere Fall möglich, so wäre ja nicht einmal die Möglichfeit einer Wissenschaft der Sprache vorhanden, indem im erster» Falle die Sprache als Produkt reiner Willkür sich jeder Untersuchung entzöge, da man keine Gesetze (weil eben keine vorhanden sind) in ihr anfsinden könnte, im letzteren Falte aber, da das Produkt ein a b s o l n t v o l l k o m m e n e s wäre, daö keiner weitern Entwickelung fähig ist, die Sprache ans der Reihe der nach bestimmten, der Forschnng zugänglichen Gesetzen sich enthaltenden Nafurdinge heranstrete. Erst die neuere Zeit, der wir die Sprachwissenschaft, eine Wissenschaft, deren Objekt die Sprache selbst ist, abge- ׳ sehen von dem relativen Werthe der einzelnen Sprachen : und der Bildung der sie redenden Völker, verdanken, hat , gezeigt, daß die ganze Frage nach dem Ursprünge der 3 Sprache, in dem Sinne, daß man Sprache und Denken , als zwei verschiedene Dinge anffaßt, eine verfehlte war, und i Falls man die Erscheinung begreifen will, man die Sprache immer im Verhältniß zum Denken, nicht etwa bloS dem 2 subjektiven, dem Denken des Einzelnen, sondern dem Denken des Volkes überhaupt betrachten müsse. — Der geniale Wil- Helm von Humboldt war der erste, der in feinem Epoche machenden Werke über die Kawi-Sprache ans der Insel Jawa, ans dieses Verhältniß mit seinem Takte hinwies und die Möglichkeit der Beantwortung jener Frag» beleuchtete. Die Sprache gilt ihm weder für eine Schöpfung einer Willkür, noch für göttliche Offenbarung, sondern sie ist ihm nothw endig er Ausdruck des Fuhlens und Denkens und hangt so innig mit demselben zusammen, daß man beide, strenge genommen, abgesondert von einander gar nicht denken kann. Sie ist Ausdruck des Gedankens, sowol eines Individnums wie eines ganzen Volkes. — Hier schlägt sie ihre tiefsten Wurzeln, hier bildet sich sich fort. (Schluß 1 Korrespondenz. t Szegedil», 20. Juni. Der hi cs. i,r. Lebrcr S il b erster» [ Hot mit eigener Lebensgefahr einen christlichen Knaben auü der Theiß : gerettet (.S/.cgcli Iliraclö). I H. 11 Ngarisch-Kanifcha, 21. 2nni. Unser Spnagogenban erfreut sich des gedeihlichsten Fortganges. Der edle Sinn der hies. jüd. ׳ Frauen hat dafür gesorgt, daß unserem neuen Gotteshanse das crfor- ׳ dcrlichc Licht nicht fehle. Die zwei schönen Kandelaber, welche die Synagoge zieren werden, sind eine Spende der Franc». Die Sammlung dazu wurde von den Frauen stk o sa Deutsch und Regina Weißb c r g e r gcb. N c d l i ch veranstaltet. Kalocsa, im Juni. Die hiesige jnd. Geilt, wird bei ihrem Synagcgcnbane von dem Erzbischöfe Kunst mit ungewöhnlicherMnnifizenz nntcrstützt. Sicher», Vernchmci, nach hat auch das Doinkapitcl der Gemeinde eine Unterstützung zugesagt. v Wien, 23. Juni. Der berühmte Darsteller deutschen sozialen Lebens und deutscher Volksthümlichkeit W. H. Niehl thcilt in s. neuesten Werke: ״die deutsche?krbeit" (Stuttg. 1Hf 11) S. 1S4 ff. folgende interessante Thatsachc mit: ״Im Däinmerschein unserer Volkssitte geistet noch heutzutage gar manchtr mosaische Brauch, den Viele für nrdentsch, oder, wie' man so gemeinhin sagt, für ״mittelalterlich" halten. Wie oft stößt nicht der Hisloriler der Nationalökono- ,nie ans alte st a m e n t l i ch c S Herkommen in der Natnrwirthschast des Mittelalters! So sei hier auch um des alttcstanientlichcn Ursprunges willen einer deutschen Banernsitte gedacht, die sehr einreihet in das große Kapitel von ״Armut!, und Arbeit." Bettlern soll man ein Almosei, nicht schenken, solange man sie ei» Almosen kann erarbeiten lassen. Denn die Arbeit adelt auch de» Bellclsaek und ein erarbeitet Geschenk demülhigt nicht. Die Weihe der Arbeit aber, die sich selbst aus des Bettelmanns Gnadeubrod erstreckt, ist geahnt und gar sinnig anSgesprochen in einem mosaischen Gebot. Es stehet geschrieben 3. Mo!. 1!) 0 und 10: ״Wenn du dein Land eincrutcst, so sollst du es nicht an den Gilden umher abschncidcn, auch nicht alles genau anssammeln.?Uso auch sollst du deinen Weinberg nicht genau lesen. »och die abgesallciicn Beeren auslcsen; sondern den Armen und Fremdlingen sollst du cS lassen." — ״Dieses Gebot haben sich die Bauern gemerkt, und wenigstens der naive Theil. bei dem die poetische Sitte noch nicht gar von der Regel de tri aufgefresscn ward, handelt noch darnach. Der Bauer von guter alter Art läßt ans seinen, Felde reichlich?ihren stehen und liege» für die Ährenleser. So kam, de.r Arme mit ihm die Skrbeit. theilcn, und zugleich das Fest der?lrbeit." ß Wien, 22. Jnni. Der kundige Salomo״ Netter aus׳ Jerusalem hat hier bei ZamarSki und E. Dittmarsch ciucn Pentateuch-