Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 26 (28.6.1861)
- Date
- 1861-06-28
- Page
- Seite 227 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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227 ף י Man betrachte nur das bedeutungsvolle הלכה• R. Nathan erklärt es mit aller ttiibefangenh. als ״Sitte. Gebrauch" , indem er das arab. אלסירה vergl. Das herbcigczogene Wort bedeutet, wie aus den Wörterb. zu ersehen ist-, ״vitae inodus, mos“ und stammt von ,"־;TD ,ambulatio, itio.“ Mnffafia belegt d. Erkl. mit Onk. 2 M. 21. 9 und mit d. thalm. ^2וגי (s. Kanh. 6. a.); mithin: was gang und gäbe ist. Daher steht in der Mischnah die ״Halacha" als ״Gebrauch" dem ״Din" als dem ״Urthcile" entgegen (Jebam. 8, 3. Kerith. 3. 8). Daher ist im Thalm. auch von הלכחא מדינה die Rede (Kidd. 38, b.). Als die Bedeutsamkeit der Halacha potenzirt wurde, wurde derselben der eigentliche Gebrauch entgegengesetzt: אנא אמר מנהנ ואח אמרת הלבה (i• Schcbiith 5, 1). המנהג מבטל אח ההלכה (j. B. Mez. 7, 1). Letzteres in Bezug auf zivilrechtliche Fragen. Joachim Lelewel. Geboren in Warschau 1786; gestorben in Paris am 29. Mai 1861. Bon N e h. Landes. Obwol wir bereits in der zweiten Hälfte des neun» zehnten Jahrhundertes sind, wo die Ideen von der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen ohne Rücksicht der Konfesiion zum Durchbruche gelangt sind, gibt es dennoch Menschen, die diesen Grundsatz den Juden gegenüber nicht gelten lassen wollen, sondern dieselben immer in dem bisherigcn 8tutu8 quo sehen möchten, waS besonders bei unö zu Lande geschieht. Ich kenne sehr ehrenwerthe Polen, die, an und für sich biederen und loyalen' Charakters, dennoch, was die Judenfrage betrifft, sich niemals erklären können, mit welchem Rechte die Juden Gleichheit mit den Polen beanspruchen, da sie doch Fremdlinge in diesem Lande sind, und die Rechte der Einheimischen unmöglich genießen können. — Von dieser Ansicht ging im Jahre 1859, als die Judenfrage angeregt wurde, fast die gesammte Journalistik Galiziens aus, die den Juden Mangel an Vaterlandsliebe , Jsolirtheit vorwarf, kurz alle mitteralterlichen Beschuldigungen hervorsuchte, um uns als ״die Parasiten der Gesellschaft" darzustellen. Erst unlängst, nachdem die Juden Galiziens so viel Sympathie für die nationale Sache an den Tag legten, trat der in Lemberg erscheinende Glos vom 26. März 1861 Nr. 70 mit gleichen Beschuldigungen und Jnvektiven gegen uns auf. Angesichts solcher unserer Gleichberechtigung noch immer feindlicher Verhältnisse ist eS unsere Psticht, alle die edlen Wortführer und Vorkämpfer unserer Menschenrechte polnischer Nationalität in unsere Annalen zu verzeichnen. Einer dieser ausgezeichneten Männer war Joachim Lelewel, der alle Sühne seines Vaterlandes mit gleicher Liebe liebte und keinen in seinem Rechte gekränkt sehen wollte. Lelewel, ״der Repräsentant der nationalen Idee", nacheinander Professor, Minister, Schriftsteller und Führer der nationalen Partei, wurde von den Polen als der größte Mann ihrer Nation geachtet und geliebt 5 er mußte aber nach Unterdrückung des Novemberaufstandes in die Verbannung ziehen. Er verlebte seine letzten Lebensjahre in Brüssel, von wo anS er für die vaterländische Geschichte thätig war. Von hier aus richtete er auch, als im Jahre 1859 die polnische Presse gegen die Gleichberechtigung der Juden Galiziens los zog, sein berühmtes Schreiben an Merzbach, worin er für die Rechte der Juden einstand*). Dieses Schreiben sichert Lelewel einen ehrenhaften Platz in unserer Geschichte neben den ungarischen Patrioten Paloczy und Teleky, die nur in der Gleichheit aller Bürger das Wohl ihres Vaterlandes sahen. Mit Dankbarkeit und Hochachtung werden noch unsere spätesten Enkel den Namen Lelewel'S auSsprechcn. Wir betrauern in ihm mit der polnischen Nation einen ausgezeichneten Historiker und einen edlen Anwalt unserer Rechte. Möge der Allmächtige diesen Mann für sein edles Streben in dem Jenseits reichlich lohnen, möge er ihm die Ruhe, die er hienieden so wenig kannte, gewähren, und möge uns wie der polnischen Nation dieser so große Verlust bald vielfach ersetzt werden Äcker -S)1rn(f)c uni) Bol: Dr. Friedr. Mütter. Die Sprache ist, schlechtweg genommen, Offenbarung des im menschlichen Geiste vor sich gehenden Gedankens, Fühlens. Der wunderbare Zusammenhang beider und die Kraft, die der Sprache innewohnt, Gedanken in sich aufzunehmen, und einem andern mitzutheilen, so daß er dieselben in derselben Weise denken und wieder einem andern mittelst ihrer mittheilen kann, hat frühzeitig die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich gezogen. — Man weiß, daß schon die alten Griechen, die verhältnißmäßig wenig^Sinn für *) 3n seiner Geschichte Polens schließt Lelewel seinen Bericht über die Juden und deren Haltung während d. Novemberaufstandes mit folgenden Worten: ״Welche Schwierigkeit war denn damit verknüpft, den Israeliten die politischen Rechte nebst allen damit verbundenen Vortheilen und Lasten zu bewilligen, wenn man es jedem freiließ, ob er durch Erfüllung der betreffenden Pflichten das Recht genießen oder einfacher Einwohner bleiben wollte, ohne Bürger zu sein? Alsdann wären diejenigen, welches es vorgezogen hätten ihre Vornrtheile beizubehalten und in ihrer Nnwiffenheit zu verfaulen, in der Vereinzelung geblieben, während die Männer des Fortschrittes die Zahl der Staatsbürger vermehrt und der Nationalthätigkcit neue Kräftezngeführt hätten. Dies fand nicht statt. Gott hat in seinen Völkern den Brudersinn noch nicht erweckt. Glcichwol legten einige Israeliten reiche Opfer aus den Altar des gemeinsamen Vaterlandes nieder; einige Andere kämpften muthig in den Reihen der Armee; es gab sogar Gegenden wo die ganze Bevölkerung aufrichtige Wünsche für den Erfolg der Volkösachc aussprach. Dies berechtigt zu der Hoffnung, daß künftig da- Volk Israel mit der polnischen Nation gemeinsame Sache machen, zur Herstellung ihrer Unabhängigkeit beitragen und die politischen Rechte verdienen wird, die man ihm als Lohn für seine Dienste bewillrgen muß." Red.