Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 26 (28.6.1861)
- Date
- 1861-06-28
- Page
- Seite 225 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 5 Seine Kette unterscheidet von der der ״Ordnung" in Betreff der biblischen Zeit dadurch, daß sie ans der Richter- Periode nächst den ״Alten" nur Pinchas, Eli und Samuel namhaft macht. Die bezügliche Forschung ruhte von nun an über Hundert Jahre, bis sie von Menachcm den Salomo Ha-Meiri anö Perpignan wieder anfgenommen wurde. Aber auch Menaebem läßt sich in Bezug auf die bibl. Zeit eben so wenig in eine nähere Erörterung ein, als sein Zeitgenosse Jsak Israeli, der am Schluffe seiueS aftron. Werkes ״Jesod Olam" ebeusalls auf die Träger der Ueberlicfernng zmückkommt. Ausführlich und seinen dem Maim. folgenden Zeitgenossen Abr. Zakuto weit hinter sich znrücklassend läßt sich über diese Träger zuerst Don Jsak Abravauel vernehmen. Derselbe konstruirt in seinem Abot-Kommentare den Verlauf der ReligionSgeschichte Jsrael's dergestalt, daß vier Gruppen von je zwölf Personen als Traditions-Depositären zum Vorscheine kommen: 1. Gruppe: Othniel, Ehud, Barak, Gideon, Thola, Jair, Jistach, Jbzan, Elon, Abdou, Simsou, Eli. 2. Gruppe: Samuel, Gad, Achija, Elias, Elisa, Hosen, Amoö, Jesaja, Micha, Joel, Jeremia, Ezechiel. 3. Gruppe, welche angeblich aus Zeitgenossen besteht: Ehaggai, Zecharja, Maleacht, Zcrnbabel, Mardechai, Ezra , Josua der Hohepriester, Seraja, Raalja, Mispar. Rechum, Nehemia. 4. Gruppe: Antigouuö der Sochite, Jose b. Jolger mit׳ Jose b. Jvchanan, Josua b. Perachja mit Nittai aus Arbel, Juda ben Tabbai mit Simon b. Schetach, Schemaja mit Eutalion, Hillel mit Schammai, Simon b. Hillel, Gamaliel I., Simon I., Jochauan b. Zakkai, Gamaliel II, Simon II., worauf die Paradosis durch R. Jehnda den Heiligen schriftlich firirt wurde. Ohne nnS hier auf eine nähere Prüfung dieser Geschichtökonstruktion einzulassen, glauben wir jedenfalls auf die Zustimmung aller Kundigen rechnen zu dürfen, indem wir behaupten, daß derselben ungeheure chronologische Schwierigkeiten entgegenstchen. Gesetzt nun, die Schwierigkeiten wären nicht unüberwindlich, so müßte man dieselben doch zuvörderst wissenschaftlich überwunden und beseitigt haben, bevor man daran geht, über eine so höchstunschuldige Wissenschaft, wie dre Ehronologie ist, in fanatischer Verblendung ben Stab zn brechen, und den religiösen Charakter derjenigen zu verdächtigen, die die Thatsachen der Geschichte eben nicht anders als in chronologischer Aufeinanderfolge zn begreifen vermögen! Wir sind weit entfernt, die Freunde anachronistischer Angaben lieblos zu benrtheilen, und dieselben in ihren Tränmen zu stören. Wenn sie aber auf dem Gebiete der Literatur für eine Anschauung in die Schranken treten, nach welcher Eli Schüler deS Piuchaö und Ezra Schüler ' des Barsch sein! müßte, so treiben sie wirklich die roman-! tische Passion viel zu weit, als daß: sie nicht gemahnt werden- 1 1 sollten, auch den Ziffern der Zeitrechnung einige Anfmerk- : samkeit zu widmen.! Wir wollen indeß einen Augenblick von den chrono- : logischen Schwierigkeiten abstrahiren. Wird dann der Boden fester unter unseren Füßen? Wir zweifeln sehr daran. Manche neuorthodore Romantiker dünken sich allerdings lauter JosuaS. Sie erwarten, daß auf ihren Po sau׳ nenstoß die Mauern der Wissenschaft einstürzen werden. Welche Illusion! Die Mauern bleiben unerschüttert, wie gewaltig auch der Posauneilschall ertönen mag. Wir denken hiebei zunächst an die wissenschaftliche Einsicht in den biblischgeschichtlichen Pragmatismus. Denn wenn eö auch eine Ueberschätzung der hieher gehörigen Leistungen wäre, zu behaupten, die Akten der Forschung seien bereits geschlossen, so daß nichts mehr zu ergründen, zu entdecken, zu berichtigen, zu ergänzen bliebe; so ist doch die Erforschung und die Erkenntniß der verschiedenen biblischen Epochen jedenfalls so weit gediehen, daß nicht wenig Mnth dazu gehört, Jeftah und Samson als Pfleger und Förderer halachischer Studien, als gelehrte Thallilndisten darzustellen, und der Zeit der Richter und der Könige die Kenntniß der mischnischeu Halachas zu vindiziren. Die Berufung auf die mittelalterlichen Autoritäten, insonderheit auf Maimonides, ist hier nicht vom geringsten Belange. Auf dem Gebiete der silososischen Spekulation hat sich Maimonides allerdings sehr frei bewegt, und er hat sich nicht gescheut, eine ganze Reihe thalmttdischer Halachas seiner filosofiscben Anschauung unterzuordnen und anfzuopfern. Aber historische Forschung war seiner Zeit fremd, und er selbst betrachtete die Beschäftigung mit Geschichte als eitlen Zeitverderb. Historische Kritik sucht man bei ihm vergeblich. Eö ist daher natürlich, daß er manchen in der Haggada enthaltenen Mythen und Sagen geschichtlichen Charakter beilegt, und Zustände späterer Zeiten in frühere Zeiten znrück verlegt "). So erklärlich nun alles dies ist, so reicht doch selbst die Autorität des Maimonides nicht hin, offenkundige Thatsachen der Geschichte zu iguoriren, oder denselben gar zu widersprechen. Und ist damit die Darstellung der Schivierigkeiten, welche die vulgäre Paradosislehre zu überwinden hat, etwa erschöpft? Nichts weniger als dies! An der Grenze angelangt, welche die biblische und thalmudische Zeit von einander scheidet, kann der Forscher die Frage nicht unterdrücken: Woher kommt es, daß die ganze Anödrucköweise der Paradosis einen jüngern Ursprung verräth? Weder anden Namen mit welchen sie selbst bezeichnet wird!, noch an der Sprache^ in welcher sie ihre Lehren vorrrägt, ist die- Spur des bibkischeu Hebraiömus zn erkennen. Hat sich nun die Tradition schon in der ältern biblischen Zeit des jüngern, vielfach chaldaisirenden HebraismnS bedient? Dies ist gar nickt deiübar! Die Faktoren des halachischen Dialektes liegen so