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Ben Chananja · 1861-06-21 · 25 (21.6.1861) · p. Seite 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
25 (21.6.1861)
Date
1861-06-21
Page
Seite 218 (sequence 4)
Language
German
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darf auf Allegorie hiudeuten. Die Thalmudisten haben die Form der hebr. Buchstaben im Allgemeinen allegorisirt *) auch au besondere Formen gewisser Buchstaben Allegorien angeknüpt ׳'). Wie die Bibel, so wurde auch spater vieles im Thalmud selbst allegorisch auSgelegt, meistens in ethischer Beziehung. Die sogenannte Unterhaltung der Weisen von Athen mit den Thalmudisten "'), hat reichlich Stoff gegeben zu Allegorien aller Art. Viele dieser Allegorien sind geistreich. Dem Wortsiilnc nach sind sie bloß eine Sammlung von Hyperbeln und unverständlicher Sachen. Warum dieselben im Thalmud ausgenommen wurden, kann man freilich nicht angeben. Es ist diese Frage auch überflüssig. Die ethische Allegorie knüpft eine allgemein moratische Idee an eine Bibelstelle. Dieselben sind allgemein nützlich und interessant. Sie bringen oft Einzelttheiteu in Umlauf, die weniger bekannt sind. Sie heben die ethische Regel aus ihrer Einsamkeit in die Verbindung mit Sachen, welche dein ersten Anscheine nach ferne von demselben liegen. Die historische Allegorien sind diejenigen, wo eine Anspielung aus ein historisches Ereigniß einer alten Zeit, in irgend eine Bibelstelle gelegt wird. So z. B. die Beziehung des Hohenliedes auf den Auszug ans Aegypten. Es giebt dies, genau genommeu, keine Erkenutniß. Die Lebendigkeit der Anspielungen gibt ihnen aber dennoch ein gewisses Interesse. Die sonderbaren Erzählungen des ThalmndS, welche unter den Namen der רבה בר בר הנה bekannt sind, sind wie das vorhergenanute Stück ebenfalls sehr oft nach verschiedenen Richtungen hin allegorisirt worden. Beide Stücke können alles Mögliche enthalten, enthalten daher nichts Bestimmtes "). Die Reisen des Baron Münchhausen hat bis jetzt Niemand allegorisirt. Man hat sich bloS begnügt, dieselben zu drucken, zu lesen und sich damit zu unterhalten. Sollte sie Jemand allegorisiren wollen, so wäre nichts dagegen zu bemerken, außer daß dies überstüssig wäre. Jede Erzählung des 1001 Nacht kann allegorisirt werden. Nicht minder Gedichte aller Art z. B. das Lied von Mignon (in Wilhelm Meister), das Mädchen aus der Fremde von Schiller u. s. f. Gewonnen würde nichts dabei werden. Es finden sich übrigens viele andere Stellen des Thalmudö, welche allegorisirt wurden. Die jüdischen Gelehrten der maurisch-spanische n Periode, — welche meistentheils mit der arabischen Filosofie vertraut waren — haben Bibel und Thalmud silosofisch allegorisirt. Sie haben allenthalben aristotelischmetafisische Ideen hineingetragen. Abraham Jbn Esra hat auch mathematische Allegorien eiugeführt. Die ethischen Allegorien haben ebenfalls die arabisch-filosoflsche Form angenommen, welche sie interessant macht 1*). Das Buch Sohar — nach dem Thalmud dasjenige Werk welches auf die Juden den meisten' Einfluß ausüblc — ist überflicßend von Allegorien aller Art. Die Bibel, Sprüche des Sirach und unzählige Thalmudstellen, alles hat darin seinen Antheil an Allegorien. Es sind dieselbe» theils allgemein silosofisch, theilS ethisch, woran sich speziell kabbalistische auschließcn 1׳',). Allegorie hat das Leben durchdrungen. — Manche Gebräuche der Juden hangen oft mit schwachen Fäden mit gewissen thalmndischen Allegorien zusammen. Unter den Nrmen ספרים הפנימיים ") verstehet man solche Werke, worin symbolische Erklärungen von gewissen Gebräuchen gegeben werden. ״Gesäße — sagt das griechische Sprichwort 15) — behalten den Geruch dessen was darin war." An den Allegorien erkennt mail den Geist eines Zeitalters. ״Sprich- Wörter bedeuten Nationen" — Allegorien — dürfte man sagen — bedeuten Perioden. ״H o ffe — ruft die Allegorie — Erkcuntniß ist vielleicht nicht so ferne." — ״Doch nicht zu viel — ruft der Verstand — Gewißheit ist vielleicht nicht so nahe." Anmerkungen. ') Wir haben hier von einer Fräse in der Mischnah Gebrauch gemacht Ab. Zara 3, 5.: אני ל״ב בגבולה היא באתה בגבולי ־) Manche thalmiidische Fräsen, welche etwas Wunderbares zu enthalten scheinen, dürsten wol nur zu den uneigentlichen Anödrücken zu zählen sein. Z. B. die bekannte Fräse (unter andern Pcsikta Kap. 32) ״er richtete seinellBlick ans ihn und er wurde ein Hansen Knochen" wir würden sagen ״er stand versteinert da." In der Mythologie kommen wirklich solche Verwandlungen in Steine vor, das Wort versteinern ist nachher daraus entstanden. Es verstehet sich, daß cs allenthalben als mctaforischer Ansdruck gebraucht werden kann. '*) DaboStan (Theil I S. 257). Er (Gott) zeigte ihm (Icrdüscht) den Ahriman in der Tranrigkeit der Hölle, welcher indem er (Ahriman) ihn (Zednschl) erblickte, laut schrie ״wende dich weg von den Glauben au Gott damit du alle deine Wünsche in diese r Welt erfüllt sehen wü rd e st." (Des inneru ZnsammellhangS wegen haben wir diese indische Sage hier solgen lassen.) Leser des neuen Testa-- mcnlS erinnern sich, daß dieses Bild auch daselbst vorkömmt. Im Thalmud kömmt auch irgendwo die Fräse vor ״wenn sie mir alle Räume der Welt gäben." ') Antiquarische Aufsätze. ל Es heißt dort — ״ — ושה״ ש קדש קדשיםDas Hohelied ist allerheiligst." Die Hymnologen des Mittelalters haben von diesen Allegorien oft Gebrauch gemacht. Bergl. unser Buch: zur Kenn ttt i ß re. -c. rc. S. 80. ״) Die hebr. Worte lauten התורה נדרשת במ״ט פנים vergl. unter andern Pesikta Kap. 14 und 21. Es ist daselbst die Rede von מ״ט פנים סתור und טמא Letzterer Ausdruck ist an sich dunkel. Es ist uns nichts in der Kulturgeschichte bekannt, welches als Parallele dazu dienen könnte. Wir wollen im Allgemeinen aus M a k r o b i u S

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