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Ben Chananja · 1861-06-21 · 25 (21.6.1861) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
25 (21.6.1861)
Date
1861-06-21
Page
Seite 216 (sequence 2)
Language
German
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Ich bin in bei־ die Meinung des größten jetzt lebenden Tondichters gegen die Orgel, selbst in der Kirche, anführcn und ein schlagendes Beispiel, das seine Ansicht illustrirt, mittheilen zu können. Als ich im Frühjahre 1856, auf den Wunsch des geehrten Vorstandes in Berlin den k. Generalmnsikdirektor Herrn Meperbeer um eine Psalmkom- Position zur Einweihung unserer neuen Synagoge anging, äußerte er ganz unerwartet: ״Sie werden wol nur Gesang und keine Orgel in der Svnagoge haben? Im hiesigen Dome, in Berlin nämlich, der Metropole des Protestantismus, habe ich es dnrchgesctzt, daß keine Orgel hineinkam, weil die Vvkalchöre eine weit gewaltigere Kraft und Wirkung haben." Lassen sie sich meine Herren! die Szene ausmalen, die sich darstellt, wenn man in eine moderne Synagoge in dem Momente tritt, wo die Predigt beginnen soll: Es tönt ein deutsches Lied, die Orgel uud die mit-- singende Gemeinde begleiten es; oben steht der Prediger in schwarzem Talar mit weißen Baffchen und eine Quadratmütze auf dem Haupte, die Wände sind bilderleer und weißkahl. —,Wer, meine Herren! würde, wenn er es nicht wüßte, sich in einer Synagoge und nicht vielmehr in einem protestantischen Bethause glauben? Auf Zion meine Herren! in der von der englischen Missionsgescllschaft erbauten Kirche, wo ich 120 getaufte Inden einen Gottesdienst begehen sah, beten diese aus hebr. Gebetbüchern, singen sie die Psalmen hebräisch, ist auf dem Hochaltar kein Kreuz sichtbar und nur auf 2 schwarzen Marmortafeln mit goldenen Lettern ein Psalm eingegraben, und ertönt keine Orgel. So schont die Mission die altgewohnte Anschauung, die Fantasie der Juden, und eine groß e Beispielgebende jüdische Gemeinde der Hauptstadt Oesterreichs sollte sie verletzen wollen? Und warum? Wenn eö die Rabbiner noch gestatten möchten, den gesammteu Gottesdienst durch Orgeltöne, nach der Ansicht Einzelner schwunghafter zu machen, es wäre ein Gewinn, ein neues belebendes Element. Es sei! Die Rabbiner aber erlauben der Orgel nur an Werktagen, und um den Sabbat einzuleiten, laut zu werden. Und wegen dieses kleinen VortheilS, wenn er einer ist, soll die große Mehrheit der Gemüther verletzt, vielleicht eine Spaltung der bis jetzt noch einheitlichenGemeinde herbeigeführt werden? Wer zweifelt aber, daß ein Gottesdienst nicht durch Instrumentalmusik feierlicher werde? Freilich Einer, der viele aufwiegt, der gewaltige Beherrscher der Instrumente, Meyerbeer selbst. Wenn aber schon Musik durchaus gewollt wird, warum greifen wir nicht zu den Instrumenten des Salomonischen Tempels, zn Harfen und Posaunen? Wie denn auch beim Baue der neuen Synagoge in Wien nichtder christlich gothische Styl, sonder der syrisch-arabische gewählt 10 wurde, und die beiden kupfernen Säulen des altheiligsten Tempels in zwei an dem Hauptportale gemauerten Säulen eine architektonsich schöne Reminiszenz finden! Seit wann ist denn der jüdische Geist ein nachahmender? Ursprünglich in seinem Glauben an einen Gott, originell in seiner Legende uud Geschichte, originell in seinen heiligen und weltlichen Dichtungen, warum soll er plötzlich zum Nachahmer der Kirche werden, der er nicht huldigt, vor der der Altgläubige, wenn ihn der Weg vorüberführt sich abwendet, die den Gebildetesten vielmehr an die Schmerzcnsschreie seiner Glaubensgenossen während zweier Jahrtausende, als an Musik erinnert. Fragen Sie meine Herren! alle Stimmen der Gemeiude, und ohne diese zu hören, wäre die Einführung der Orgel immerhin eine Wagniß, und Sie werden, — ich glaube, nicht zu irren —־׳ ein übertönendes ״Nein" vernehmen. Als das Protokoll führende Gedächtniß des geehrten Vorstandes muß ich aber, wenn die Thatsache auch scheinbar gegen mich spricht, eines eigcnthümlichen Umstandes erwähnen: Am 24. Novemb. 1849 hielt der Vorstand eine Sitzung bei Herrn von Hoffmannsthal. Als von der Nothwendigkcit einer zweiten Synagoge die Rede war, äußerte der noch in der alten Zeit wurzelnde, neunzigjährige Greis: ״Man wird doch, hoffe ich, eine Orgel einführrn? Soll denn der RituS in unserem Tempel ein festgefrorner sein?" Eö war dieß sein letzter Antrag und seine letzte Meinung, gewisser- Massen sein Testament. Nach acht Tagen hatten wir ihm die letzte Ehre zu erweisen. .. '7 Anträge. Von Leop. Dukes. ־* IX. Allegorie. (Schluß'). Nemesis und die Hoffnung verehre ich auf einen» Altar; ״Hoffe" Winkl mir Die; Jene: Doch nimmer zu viel." (Herder: Antiquarische Aufsätze.) Wie die Hoffnung, so ziehet die Allegorie mit dem Menschen durchs Leben, durch die Welt. Der uneigentliche Ausdruck ist der Anfang und das Ende der Allegorie. Gäbe eö keinen uneigentlichen Ausdruck so könnte man nicht reden, gäbe eS keine Allegorie, so könnte man nichts Höheres darstellen. ״Wir kommen ד S. obm Nr. 23 . 203.

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