Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 25 (21.6.1861)
- Date
- 1861-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Szegedi», den 2L 3111» Nr. 25. 1861. LN ÄlmNMjll. WscherzbiA-j fir Mdische TheslsZie» Vierter InllrgnnZ. ^crausijcöci־ uiib RedMeur: L. Löw, BöerrußÖincc 511 5zegeklin. Zrden Freitaq rrscheint ein ganzer Bogen. Priinmncrationsprrig: Ganzjährig 7 fl.. halbjährig 3 fl. 50 kr., vierteljährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Poftänitern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Llamiskriptc sind an die Redaktion zu senden. Australe sind an den Verleger S. Burger in Szegcdin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzeile wird mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Die Orgel v. vr. L. A. Frankl. — Allegorie v. Dukes. — Vier verlorne Verse aus d. Spr. Sal. v. Herausgeber. — Ans der Selbftbiografie eines Rabbiners v. L. -- Korrespondenz. (Inland.) Proßnitz (jüd. Schiffs-Kommandant). — Grvßwardein (Liturgisches). — Rendek (Schulensanktion). — Lemberg. (Schulfond. Rabbinerseminar. Literarisches). — Literarische Anzeigen. Stern'S Lesebücher. Ziltz'ö hebräische Grammatik. Angczeigl v. Herausgeber. Die ürgel in der -Spagogc*). Von Dr. Ludwig Augnfl Frankl. Meine Herren! Ich erinnere mich, daß seit Jahrzedenden über die Einführung der Orgel in der Synagoge gesprochen und geschrieben worden ist. Anderen, als eben rituellen Gebieten zngewendet, habe ich die Motive für und gegen die Orgel nur zufällig und flüchtig gehört, kaum gelesen. Es kann mir somit leicht widerfahren, daß ich bereits Vorgebrachtes wiederhole, und ich bitte Sie geehrte Herren! darum um Verzeihung. Nur vor einer Gefahr bin ich geborgen, daß sie glauben könnten, ich werde gegen die Orgel anS orthodoren Gründen sprechen. Gestatten Sie sehr geehrte Herren! ohne weitere Einlcitung einem Laien folgende Betrachtungen, die rein subjeküver Natur, u. keinerlei allgemeine Geltung zu beanspruchen, so unbescheiden sind. Wenn wir durch eine Strasse gehen und Orgelklange vernehmen; so steht vor unserer Fantasie der Messe lesende Priester und wir empfinden Weihrauchduft; gewiß aber fällt unö nicht ein, daß wir uns in der Nähe einer Synagoge befinden. Wie aber muß die Fantasie und die fromme Anschauung des Juden verletzt sein, der keine allgemeine Bildnngö-Elemente in sich ausgenommen hat, u. der in einer solchen Erscheinung immer nur das 6״kuko8 hagojim“ erblickt. ״) Der Herr Verfasser hat uns drn nachstehenden Bortrag, den er im Jahre 1857, als der Antrag gestellt wurde, im neuen GottrS- Hause in Wien die Orgel ,inzuführen, in einem diesfalls berathenden -Uomitö hielt, auf unser Ersuchen zur Veröffentlichung mitgetheilt. D. Red. Wenn eine Gemeinde die Aufgabe hat, eine Synagoge zu bauen, so wird sie, wenn von richtiger Kunstansicht geleitet, dieselbe gewiß nicht in gothischen Style aufführen. Die Kreuzform dieses Ballstyles, welcher aus der christlich-romantischen Anschauung hervorgewachsen und mit der Kirche identisch ist, paßt wenig, oder eigentlich gar nicht für daö jüdische Gotteshaus. Die Orgel ist, wenn die Bezeichnung gewagt wird, das klingende Christenthum, die Gothik das gemauerte. Wir wollen von diesen Motiven, die mehr mit der Fantasie znsammenhangen, zn denen übergehen, die an den Verstand appelliren. Es eristiren Millionen Christen ans der Erde, denen der Gebrauch der Orgel, dieses für die Kirche ausschließlich gebrauchten Instrumentes, nahe liegt. Aber die unirten und nicht unirten Griechen haben in ihren hunderttausend GotteShänsern keine Orgel und zwar aus zwei Gründen nicht: Weil zwischen dem Menschen und Gott keine vermittelnde Stimme sein soll. Der betende Mensch spricht unmittelbar seinen Schöpfer an uud schickt nicht gedankenlose Töne als ein ״Bitt für uns!" zn ihm empor. Und weil die Menschenstimme mächtiger, erhebender, als die der Instrumente ist. Aber selbst der katholischeste Mann der Erde, wenn er die tiefsinnigste kirchliche Feier begehen will, er bedient sich der Orgel nicht. In der Sirtinischen Kapelle in Rom ertönt nur Vokalmusik, hier redet die Menschenstimme allein zu Gott und ebenso wird in der St.-Peterökirche in Rom keine Orgel laut. Warum soll nun die Synagoge anfgeben, was sie seit Jahrhunderten besitzt, den Gesang der Menschenstimme, die unmittelbare Sprache zu Gott?