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Ben Chananja · 1861-06-07 · 23 (7.6.1861) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
23 (7.6.1861)
Date
1861-06-07
Page
Seite 204 (sequence 6)
Language
German
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204 forscher anheimfällt, ohne irgend eine fremdartige Hinznfügnng. Der einfache Wortsinn ist das Leichte der Sache. Das Allegorische ist — nach Ansicht der Thalmudisten — das Höhere. Zwar lassen die Thalmudisten dem einfachen Wortsinne sein Recht wiederfahren, indem sie sagen: אין ״ מקרא יוצא מידי פשוטוKein Bibelvers tritt aus seinem einfachen Wortsinn heraus." Dieses hindert aber nicht, daß die Allegorie als etwas höheres betrachtet wird, weil dieselbe das Wort, oder die Fräse, oder Erzählung irgend einer Thatsache zur Idee erhebt, oder zum Gliede irgend einer Idee kettet. Auch Philo hat an unzähligen Stellen den höher» Werth der Allegorie ausgesprochen. Das המורות erscheint auch (nach Aruch) als!מידור,-!. Wenn diese Leseart die richtige sein sollte, so wäre der Ausdruck דורשי המורות zu übersetzen: ״Die Forscher der Vertauschungen" d, h. welche die eigentliche Bedeutung eines Wortes mit der u n e i g e n t l i ch e n vertansch en. Es ist dies doch eigentlich das Wesen der Allegorie. Ein alter Filosof erklärte, die Allegorie: ״Eins durchs andcre""') das המורות entspricht vollständig dieser Erklärung. Von manchen Erklärungen heißt cs im Midrasch sie sind כמק הומר. Nach den Auslegern ist dies zu übersetzen ״wie ein Schmuck""). ES hat dieses Wort übrigens nichts mit המורות gemein. Das המורות bezeichnet einen Begriff, das כמין הומר ist eine rhetorische Bezeichnung, das subjektive Urtheil eines Thalmudisten, der diese Auslegung seinen Zuhörern zum Besten gab. Bei Betrachtung derjenigen Stellen, welche mit כמין הומר bezeichnet sind, findet man, daß sie ebenfalls sinnreiche Allegorien enthalten'"). Die Griechen hatten auch Allegvristen. Sie legten die Mythologie allegorisch ausUl)! Man konnte sie die griechischen דורשי רשומות nennen. Man legte auch die Sprüche deö Pytagoras allegorisch aus. ES ist dies mit dem thalmudischen כעין משל zu vergleichen "). (Schluß folgt.) A n in e r I; n u 0 c n. ') Vergl. darüber im Borwort unserer Blmncnlese S. 47. ר Mechiltah ולא מצאו מים דורשי רשומות אמרו לא מצאו תורה שנמשלה למים (פ׳ בשלה). ף Mechiltah ויורהו ד׳ עץ דורשי רשומות אמרו שהראכו דברי תורה (בשלה). ר Mechiltah דורשי רשומות אמרו ישראל קראוהו אותו מן-(שלה ס׳ די). *) Sifri דורשי רשומות אמרו רצונך להכיר מי שאמר והיה העולם לך אי כל הודה - (ס׳ ויקב). י) Vergl. die Bemerkungen von S. D y n e S im ״Ben Chan." I. Seite 363. ד) Mechiltah in Mischpatim Kap. LI 19. VerS und auch Sifri auf mehreren Seiten ג׳ מקראות שהיה ר׳ ישמאל דורש כעין משל וני utt׳cr das ופרשו השמלה vergl. unsere litcrar-historische Mitthcilnngcn S. 92. 194. s) Cs ist darunter verstanden die filosofischc Unterhaltung beim Weine (der bei den Alten gemischt mit Wasser genommen wurde). s) Vergl. Art. המר• lu) Wir entnehmen diese Worte aus Herders antignarischc Briese (Abschn. 5) Wir wissen in diesem Augenblicke nicht anziigcbcii, wo sich diese Worte des alten Filosofcn finden. ") Bergt. Art. יהמר Auch hier ist eine Lcseart הומר und es gilt davon dasselbe, was wir von המורות gesagt haben. '*) Vergl. Naschi II. B. M. 21, 6. ,3) Bacon hat in seiner Abhandlung ״die Weisheit der Alten" e benfalls versucht die Mythologie in allgemeine Ideen zu verwandeln. ") Vergl. oben Note 7. im Wiele DWer Vorzeit. Von Dr. Carmoly.*) 40. Meschulla m aus M c l n n und feine N a ch k o m men. N. Jakob Tam war einer der berühmtesten französischen Gelchrteil und lebte in Ramcrnpt, als sich der Ruhm des gelehrten N. Meschullam bcn Nathan von Mclnn aus über Frankreich auszubrcitcn begann. 9k. Meschnllam stammte ans Narbonne. wo sein Großvater Rabbi Todros, ein frommer und reicher Mann, den Vau einer Svnagogc auf eigene Kosten vollenden ließ. Meschnllam hatte dort eine, in Nordfrankrcich nnbekanntc Crziehnng erhallen, und seine Gelehrsamkeit machte viel Aussehen. 9k. Tain, der durch die Erzählungen von Meschnllam's Bewunderern höchst gespannt war, schrieb ihm einen Brief, in welchem er ihm um seine Freundschaft bat. Bald aber erregten die religiösen Ansichten und Dczisivnen Meschnllam's den Eifer 9i. Tam's, der ihm in mehreren Zuschriften znrechtwciste. Der Rabbiner v. Melun vertheidigtc sich mit vieler Beharrlichkeit, und die Korrespondenz hierüber zwischen den beiden großen Männern, ist sehr lehrreich. Auch mit R. Elia in Paris, halte unser 9kabbiner gelehrten Verkehr, dessen Verdienst allgemein anerkannt ward. Die Nachwelt bezeichnet 9i. Meschullani und 9k. Elia, die ״Größten von Frankreich." N. Meschnllam b. Nathan starb lange vor R. Jakob Tam, ums Jahr 1150, und wurde in Mclnn am User der Seine begraben. Er hinterlicü einen Sohn Namens Nathan b. Meschnllam. ansäßig in Etampes, wo er Offizial, oder Beamter des Prcvot der Inden in Etampes war. Es ist dies der 9i. Nathan Offizial, dessen Glossen zur Bibel in vielen Samnilnngeii über die heilige Schrift Vorkommen. 9k. Nathan war auch ein gelehrter Kontroversist, und seine Disputationen werden in mehreren Werken aus dem Mittelalter, namentlich im Buche betitelt ״Josef der Eiferer" von einem seiner Nachkommen, mitgetheilt. Nathan Offizial starb, wie es scheint, ehe Filipp August 1181 d. Inden ans Frankreich vertrieb. Alle jüdische Einwohner von Etampes mußten zum Wanderstab greifen und ihre Synagoge wurde in eine Kirche verwandelt. Der Papst verlangte für die Kirche dieselbe Privilegien welche die Synagoge genossen hatte. 9i. Joses Offizial, Sohn deö 9k. Nathan Offizial nahm, wie eö scheint nach der Zurückbernfung der Inden nach Frankr.. im I. 1198, dieselbe Stelle wie sein Vater, beim Grafen von Etampes, der immer Prcvot der Juden war, ein. 9k. Josef ist ebenfalls als Glossator und Kontroversist bekannt. Er disputirte oft mit Prälaten und Mönchen und seine Polemik wird so wie seine Glossen zur heiligen Schrift in die Werke vom XIII. und XIV. Jahrhunderte mitgetheilt. R. Joses ') S. Nr. 22. S. 195.

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