Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 23 (7.6.1861)
- Date
- 1861-06-07
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543047--2143-2545890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
203 verrichtet werden soll und man während ihrer ganzen Derrichtung große Andacht haben muß, sei eS vorzuziehen, sie auch vor Tag zu beten. (S. die weitere Diskussion Berachoth 30, a und Schulchan Arüch 89, 8.) Außerdem ist ja auch im Thalmud eine Ansicht: הפלות אבות תקנום (Berachoth 26, 6). Da nun das Bewußtsein der meisten Israeliten in unserer Zeit in Beziehung auf den früheren Opferkultus sehr geschwächt ist, so ist obiger Grund des MaimonideS auch für uns von sehr geringer Bedeutung. Nach all diesem ist eS daher denen, die vor Tagesanbruch reisen oder an ihr Geschäft gehen müssen, zu rathen, alsdann auch schon die תפילין anzulegen und das vollständige Morgengebet, mit Einschluß des Schema und der Tefilah zu errichten. Ob auch Jozer Or und 1' ציצית? Hierüber will ich noch vorläufig nicht bestimmt entscheiden. Merär-Wmsche Mirage. Von Leop. Dukes. IX. Allegorie. (Fortsetzung*). Es begegnen uns im Thalmud und Midrasch manche Ausdrücke, welche als Bezeichnungen für Allegorie zu betrachten sind, auf welche wir jetzt die Aufmerksamkeit des Lesers lenken wollen. Der Ausdruck ר1רשי רשומות heißt eigentlich ״Forscher der Andeutungen." Jede Allegorie ist eine Andeutung — denn das, was sie darbietet, stehet ja nicht ausdrücklich — aber nicht jede Andeutung ist eine Allegorie. Wenn aber der Zweck der Allegorie ist, eine höhere moralische oder filosofische Idee an etwas anzuknüpfen, so gibt es auch andere Andeutungen , deren Zweck derselbe ist, z. B. das נוטריקון . das ממונים י ») u. s. w. Dieses alles könnte wol auch in dem Worte רשומות (Andeutungen) enthalten sein. Es sind dieses alles sinnbildliche Andeutungen, wenn auch nicht Allegorieen im eigentlichen Sinne des Wortes. Das Wort רשם heißt ״bezeichnen, andeuten! ES kann auch eine yingeworfeue Idee enthalten, eine unvollendete Allegorie. So z. B. wenn wir lesen zu den Worten: sie fanden kein Wasser. ״Die Forscher der Andeutungen sagten: sie entbehrten die Lehre, welche dem Wasser vergleichen ist"^) rc. Der Leser sieht hier blos den ersten Keim einer Allegorie. Ebenso zu den Worten: Gott zeigte ihm ein Holz: ״die Forscher Ver Andeutungen sagten, er zeigte das Gesetz" u. f. w. *) S. oben S. 193. Man findet auch hie und da diesen Ausdruck, gebrauchtbei der Erklärung eines Wortes, wo dieselbe durchaus nicht»- gemein mit Allegorie hat. So z. B. die folgenden Worte: ״die Forscher der Andeutungen sagten, die Israeliten nanuten es Man (JS).״ Daö Wort Mauna wird in der Bedeutung von Speise überhaupt gebraucht. Ihres allgemeinen Inhalts wegen ist folgende Stelle der Beachtung werth. ״Die Forscher der Andeutungen sagten: wollt ihr den Schöpfer der Welt erkennen, so gehet zur Hagada u. s. w."°). Man ersieht daraus, daß die Forscher der Andeutungen die Hagada allgemein empfohlen haben. Man hat in neuerer Zeit den Versuch gemacht, diese und ähnliche Ausdrücke mit gewissen griechischen Wörtern zu vergleichen"). Es berührt diese Vergleichung übrigens nicht das Wesen der Sache. Es fehlt vielleicht auch der eigeutliche Vergleichungspunkt. Unter den Thalm. hat es keine eigentlichen Filologen im Sinne der Griechen gegeben. Die Thalm. haben nie eine Sammlung von biblischen W orterkläru ngen gemacht, obwol eine große Menge derselben in allen thalmudischen Werken zerstreuet ist. Eine solche Sammlung, obwol viele Worterklärungen in allen spätem Kommentaren und Wörterbüchern zerstreut ünd, ist bis jetzt noch nicht gemacht und wäre sehr nützlich. U neigentl iche Ausdrücke sind — genau genommen — die Anfänge der Allegorie, obwol keine wirkliche Allegorie in sich. Es gibt in der Bibel manche Fräsen, welche sowol eigentlich als uneigentlich ausgelegt werden können. Es ist im Thalmud angemerkt, daß einige Thalmudisten diese Ausdrücke in uneigentlicher Bedeutung nahmen^). Es wird mit den Worten ״ כעין משלwie ein Gleichniß" ausgedrückt. Das Wort רשומות heißt genau genommen ״Anspielungen." Es macht dieses Wort ein Kapitel in der Rhetorik aus. Es ist von jeher ein Bestandtheil aller Literatur gewesen, so wie auch aller geistreichen Unterhaltung. Eö haben Leute von Geist in allen Zeiten und in allen Sprachen Gebrauch davon gemacht. Es sind oft gewisse Ausdrücke oder Sätze, die zu Grunde liegen, die in irgend einer uneigentlichen Bedeutung genommen werden. Wenn z. B. Makro lins (Saturn VII. Kap. 1) den Ausdruck hat: ״die Musen unter den Nymphen""), so ist dieses eine geistreiche Anspielung, es könnte dieses nicht im Hebräischen gegeben werden, wie andere hebräische Ausdrücke dieser Art nicht im Griechischen gegeben werden können. Es sind solche Ausdrücke als die Anfänge der Allegorie zu betrachten. Mit רורשי רשומות abwechselnd erscheint der Ausdruck רורשי תמורות welcher ebenfalls das Allegorische überhaupt bezeichnet. DaS Wort ״ תמורותdie wichtigem oder schwereren" scheint dem פשוטות (einfachen) oder קלות (leichten) entgegengesetzt zu sein. Da» פשוט heißt der ״einfache Wortsinu", welcher dem Sprache