Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 22 (31.5.1861)
- Date
- 1861-05-31
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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197 derwärlS in tfirer Tiefe und Breite betrachtet hat. Manche Hütte und manche Formel, welche bei dem Vortrag solcher!Heils nothwcndig theils konventionell find, find im Populären beseitigt, alles Fremdartige ist entfernt. Geordneter Fleiß kann die Erzeugnisse des Nachdenkens des menschlichen Geistes in verschiedenen Landern und Zeiten, dem Leser vorführe«. Es ist der Schiffer — des Meeres Ameise׳) welcher die Produkte verschiedener Länder in einen Hafen eiuführt. Talent, welches im Herzen glühet, und oft wie die Kerze sich selbst verzehrt, bringt Anschauungen über bekannte Sachen zu Tage, die noch nicht da waren, oder kleidet sie in eine Sprache, welche neuen Anschauungen gleichkommcn. Es ist die Sonne, welche die Früchte zur Reife bringt, ohne welche der Schiffer nichts gar nichts in Hafen zu bringen hätte. Fleiß siehct Zuweilen den Wald vor Bäumen nicht. Talent siehet zuweilen gar mchtS — sich selbst ausgenommen. Hat ein glücklicher Zufall sie vermählt, so kann Schönes und Wahres aus ihrer Vereintgnng hervorgehen. Zwischen Arbeiten und Genießen liegt das ganze menschlichc Leben mit allen seinen manigfaltigen Bestrebungen. Zwischen Fleiß und Talent liegt die ganze Literaturgeschichte. Gelehrte sind die Großhändler, populäre Schriftsteller sind die Detailhändler der Gedanken. Hätten erstcre nicht Magazine angelegt, so hätten letztere nichts zu thun. Populäre Schriftsteller lassen gute Gedanken als Scheidemünze paffircn, ohne welchem im Handel kein Verkehr möglich ist. Wie in der sisischen Welt, die Formen der Körper verschieden, die Bestandthcile aber dieselben find. so auch in der geistigen Welt. Es ist nur eine Wahrheit nur Moral, nur eine Weisbeit nur eine Klugheit. Alles wechselt nur Namen und Formen. Das Ziel ist immer dasselbe, die Wege dazu sind verschieden. Die Wege auf welche man ernste Belehrungen populär der großcn Menge zugesührt hat, sind verschieden. Der Dialog (3 o b an der Spitze), die Parabel, die acsopische FabelZ— in der Bibel bereits und öfter im Thalmud — sindfrühzeitig im Umlauf gekommen * *). Die älteste Menschheit — in der griechischen sowol als in der indischen — hat bereits Gebrauch davon gemacht. Von dort sind sie nach allen Richtungen in die moderne Welt ausgezogen und dort auch Bürgerrecht erhalten. Man hat keine neue Form entdeckt — weil die Menschheit immcr dieselbe ist, wenn auch Bildung ihre Ebbe und Fluth hat. Das Wort מ^ל Me schal bedeutet im Hebräischen sowol Parabel als Fabel als auch Sentenz. In der neuen Zeit hat man Romane als Mittel gebraucht um Ideen aller Art in Umlauf zu bringen. Es finden sich im Thalmud viele Parabeln und Erzählungen und Allegorien, welche rein menschlich sind. Genau genommen sind alle Parabeln ursprünglich rein menschlich, sie haben allerlei Färbungen len habe. ״Sie war so weit gut — erwicderte dieselbe — so weit gut, wären nur nicht so viel Wiederholungen darin gewesen." ״Alle diese Wiederholungen — versetzte der Prediger — waren bloß für diejenigen, welche sie nicht verstehen." — ״Dadurch langweilen sich" aber diejenigen, ״welche sie ja verstehen" war das letzte Wort der Sklavin (I b u E h a l l i c a n III. S. 20.) 7) ES ist dieser Ausdruck einem griechischen Dichter entnommen. (Bergl. B a b r io s und die griechisch en Jambendichter von Hartung S. 255). *) Ob diese Fabeln bei den Tbalmudisten Original waren oder nicht, thut gar nichts zur Sache. Daß dieselben benutzt haben, ist vollkommen hinreichend. angenommen, von den verschiedenen ReligionSgesellschaften unter welcher sie zirkuliren. Diese Färbung gibt ihnen das cigenthümlichr Aussehen. Mancherlei Sammlungen dieser Art sind bereits vorhanden, manches ist auf allen Seiten zerstreuet. Eine gute, vollständige Sammlung wäre sehr nützlich. Es müßte darin Kennerschaft des Einzelnen sich zeigen, sie müßte auch von dem allgemeinen Geist der Geschichte und Filosofie getragen sein. Der Prediger als solcher so wie der Schulsilosof als solcher können für diese Sammlung nicht viel thun. Der Orient hat sich abermals erschlossen, der Genius desselben har eine Menge sinnreicher Parabeln und Allegorien auSgestreue». welche dem Geiste zuduften und das Herz erquicken. Die Juden in der maurisch-spanischen Periode haben sich dieselben eigen gemacht durch die Uebertragung derselbe» in die hebräische. Es ist dieses allein schon in sich verdienstlich. Wir wollen von diesen Arten Werken unter andern nur das בו הכלל[ והמיר erwähnen"). Sprüch Wörter haben sich diesen allen Produktionen angeschloffen, sie haben in allen Formen Dienste geleistet, vr. Jemand. (Fortsetzung folgt.) Inland. rk Wien, 19. Mai. Die begeisterte Befürwortung der Gleichstcllung aller Konfessionen von Seiten der hervorragendsten Redner im ungarischen Unterhause hat auf die hiesige jüdische Bevölkerung einen sehr guten Eindruck gemacht, und manches bittere Urtheil über Ungar» znm Schweige» gebracht. Am Ende fühlt man doch den Unterschied zwischen einer bestimm! ausgesprochenen, gesetzlich sormulirteu, am Hellen Tage erlassenen, und einer stillschweigend gutgeheiffcnen Emanzipation. Es ist besser seinen Platz im Wagen zu haben, als wie ein bliuder Passagier mitznfahren. ohne Garantie, daß mau wirklich an'S Ziel, gelange. — Auch die Anregung Ihres Blattes, daß die ungarische» Juden den Herren Dukes und M. E. Stern eine besondere Anerke«- nung zukommen lassen sollen, hat hier sehr befriedigt. Möge sie bald zur That werden. Sätor-Alja-Ujhely. Nachdem sich die Volksschule von de» beengenden Fesseln des bereits zu Grabe getragenen Systems erlöst findet, woraus folgt, daß sie der Jugend ferner nicht aus sanktionirte» Büchern eine oktroyirte Weisheit vortragcn muß, so wäre es an der Zeit, den entschleierten Blick über die bisherigen, knapp bemessene» Grenzen schweifen zu lassen und emsig nachzuforschen, ob sich den» nicht aus der Fremde ein gutes Elementarbuch holen ließe, mit der» einem Bedürfniß der Zeit Rechnung getragen würde. Der schöne thalmudischc Spruch: "״קבל את האמת ממי שאמר bewahrt uns aber vor jenem kleinlichen Eigendünkel, der alles besser als jeder Andere wissen und deshalb niemals Rath von diesem Andern einholen will. Warum sollten wir jünger» Schulmänner Ungarns uns schämen, da» gute Buch eines Ansläuderö in unsere Schulen eingeführt zu haben, wenn wir demselben kein einheimisches von derselbe» Brauchbarkeit an die Seite zu setzen vermögen? Nun wird es dem denkenden Fachmanne keineswegs einerlei sein, mit welchen Mitteln er der Jugend das mechanische Lesen beibringt, denn er weiß, daß der Werth einer gute» Fibel nicht genug hoch anzuschlagen ist. Gilt ja Zeitersparniß als einer der wichtigsten Hebel den die industrielle Gegenwart bei allen erdenklichen Zuläßen in Bewegung setzt. Und welche Aufgabe hat ander» die Volksschule, als eben für diese Gegenwart unsere Jugend heran zu bilden? Darum muß jede Art schleppender Unterrichtsmethode immer aus unfern Schulen gebannt bleiben, weil ein Kind um so früher '') Herr Leopold Dukes hat in diesen Blättern (v. u. d. einiges über dieses Buch mitgetheilt.