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Ben Chananja · 1861-05-31 · 22 (31.5.1861) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
22 (31.5.1861)
Date
1861-05-31
Page
Seite 196 (sequence 6)
Language
German
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196 Isaak ben Abraham aus Dampierre. Er lebte mit seinem Bruder MoseS in Evrcur, wo er viele Schüler um sich schaarte, als R. Jona, R. Prrez, R. MoseS b. Menachem ans Zsle de France, und andere mehr. Samuel von Evrcur war ein bekannter Toffafist und schrieb die ״Tossafot Euvrcur" הוספות איבירא. Endlich R. Ichnda ben Sch ueor, der Letzte der funk gelehrten Brüder von Evrcur, der sich einer ausgezeichneten Berühmtheit erfrcuete. Er war ein großer Kasuist und in Vendoevre, וינראיבי־א, in der Champagne wohnhaft. Seine Rechtgutachten waren geschätzt, und viele seiner Zeitgenossen bemühten sich sie cinznholcn. Besonders sein Freund R. Jakob b. Salomon aus Coursan, der eine Sammlung dieser R. g. A. veranstaltet haben soll, die aber nicht auf uns gekommen ist. Auch war unser Rabbiner von Bandoevre ein Synagogal- Dichter, und man hat noch von seine Poesien handschriftlich. (Fortsetzung folgt.) Lorresponden). Ausland. London, im April. (Fortsetzung*) ״Schlagt ihn todt den Hund, er ist e i n R e z c n s c n t" Seitdem wir diese Worte GötheS') kennen — es ist etwas lange her — hatten wir unbeschreibliche Angst eine Rezension zu schreiben. Wir dachten aber, einige Bemerkungen über einen Gegenstand zu schreiben ist nicht in dem Worte Rezenfion enthalten. Ein gewöhnlicher Rezensent — je gewöhnlicher er ist je außergewöhnlich hält ec sich — ist als Orakel zn betrachten, wenigstens betrachtet er sich dafür. Mit der gewöhnlichen Rare der Schriftsteller hält er wenig Berbindung. Wie die französischen Könige einst die Formcl (״car tcl cst notre plaisir“ — so ist cs unser Vergnügen) ihren Despotismus deckten, so braucht erd. Formet)השכלי ם p כך הראונו (so hat mans uns von Himmel herab gezeigt) wogegen alle Apellation überflüßig ist. Wie sollte sich auch ein schwacher Erdensohn gegen den Himmel auflehnen. Der Tadel eines solchen hochgcbornen Rezensenten wäre wol noch zu ertragen, aber sein Lob berührt oft den Autor sehr schmerzlich^). Es hat immer Männer gegeben — und gibt vielleicht noch — die auch durch das Lob Unberufener nicht todt zu schlagen sind '). Ein Mann, aber der bloß Bemerkungen niedcrschreibt — wie U'ir hier thun — ist sanft wie S a m c t und Seide. Er lobt niemanden, er ist zu bescheiden dazu. Er tadelt niemanden, er ist zn gutmü- *) S. S. 171. ') In einem seiner Gedichte. ') 2IN @ i fr i (פ׳ בהעלותך) lesen wir die Worte ותתאת לו הקב״ה באצבע• Nach diesen ist ursprünglich der — wie N appo- Port (Vorwort zu תשובות הגאונים) nachweist — schon von dem Geo n im gebrauchte Ausdruck כך הראונו (ני entstanden. Die G eo- «im aber haben sich weiter nichts dabei gedacht. 3) Es fällt uns hier gerade die Rezension von G. (in FraukelS Zeitschrift ein über das שירי שלה־ von Herrn L. Dukes. Vom Buche selbst ist zwar nicht die Rede, aber der Rezensent lobt den Verfasser, daß er alle Bibliotheken gesehen hat. Ob aber Herr D. die gesehenen Bücher verstanden hat — dies ist die Hauptsache — dar« über ist der Leser im Dunkeln gelassen. Unbekannte Bücher zu sehen, ist gewiß nur ein Zufall. Bekannte zu verstehen, ist vielleicht ein Verdienst. 2 Einer dieser Schriftsteller ist Iehuda Ha-Levi. Das Lob deS Biografen des A b n l' Hassan konnte denselben nicht ruinirrn. thig dazu. Er hält die Welt groß genug um Platz für 2 große Männer darin zu finden. Sein Grundsatz ist ״Leben und leben lassen" fcrner (ג אני ברית וחבירי בריה ..Ich bin ein Bajah und mein Freund ist auch ein B er j a h." Es gibt gewiß viele Menschen, — die Verfasser der Traktätchen gehören ohne Zweifel anch dazu — welche glauben, daß man über Nacht ein populärer Schriftsteller wird, daß weiter gar nichts dazu gehört, als der Wille populaire Traktate zu schreiben. Wir theilcn nicht diese Meinung. Neber Nacht kann man gar nichts werden, nicht einmal dumm. ES kostet — dieses ist unsere unmaßgebliche Ansicht — eben so viel Zeit dumm zu werden, als gelehrt, welche beide Sachen, so verschieden sie auch von einander sind, oft sich so ähnlich sehen, daß man sie kaum von einander unterscheiden kann. Das Verfertigen von populären Schriften ist keine solche Kleinigkeit. Wenn es eine Kunst ist gelehrte Werke zu schreiben — und es wird doch als etwas angeschlagen — so ist rs gerade eine solche Kunst ein populäres Buch zu schreiben, und sogar etwas mehr. Die Natur muß hier — wie allenthalben — zuerst etwas dafür thun, die Kunst muß nachher sehr viel dazu thun. Daö Populäre im wirklichen Sinne des Wortes — wenn cs nicht gerade zu leeres Geschwätz sein soll — schließt das Gelehrte nicht aus. man muß cs nur nicht merken. Gelehrsamkeit wird oft von Mangcl an Gedanken niedergedrückt. 2m Populären müssen Gedanken die Gelehrsamkeit decken. Es ist übrigens unsere Absicht durchaus nicht hier weder eine Theorie noch eine Geschichte des Populären zu schreiben. Beides zu betrachten wäre höchst nützlich und interessant zugleich. Um aber diese 2 Gegenstände würdig zn behandeln, müßte dem Betrachtenden viel mehr Gelehrsamkeit und Geist zn Gebot stehen, als zu gewöhnlichen gelehrten Werken, wo man beides in Kommission von andern nehmen kann, vorausgesetzt, man kennt die rechten Plätze, wo diese Sachen zu holen sind. Dem Glücklichen, der dies einst schreiben wird, wünscheu wir im Voraus Glück und erkennen zugleich seine Verdienste an. Wir begnügen uns hier bloß — wenn der Leser uns folgen will — einige Bemerknngen über diesen Gegenstand nicderschreiben. Das Ende aller Forschungen ist das Populäre. Eine Vergleichung des Populären mir den höher» Anschauungen ist interreffant. Der bekannte Ausspruch eines Franzosen — ob die Geschichte seinen Namen ausbewahrt hat. wissen wir in diesem Augenblicke nicht anzugebe». — ״Wenn es keinen Gott gegeben hätte, müßte man einen erfinden" ist nicht nur ein geistreicher Gedanke — was alle Welt übrigcuö längst weiß — ist auch ein Stück Geschichte deö menschlichen Geistes. Wenn Kant — der alles zermalmende Kant, wie ihn Mendelsohn nennt — gesagt hat ״Gott und Unsterblichkeit sind Postnlate der Vernunft" so ist dieser Anösprnch, welcher einst die Nerven der Gläubigen erschütterte. genau genommen nichts anders, als der soeben angeführte Ausspruch deö unbekannten Franzosen. Mit dem Unterschied, daß der Spruch des Franzosen allgemein verständlich ist, während der Ansspruch des Filosofen der Klarheit entbehrt. Wahr sind vielleicht beide Sätze nicht. Wenn Moliere — wie die Anekdote erzählt — seiner alten Haushälterin seine Lustspiele vorliest, so ist dies eine Huldigung dem Populären. Aehnliches ist von einem arabischen Gelehrten erzählt. DaS Populäre ist die Essenz von Gedanken, die, man an- 'ף Vergl. unsere rabb. Blumenlese S. 41. Das was die Inden einen Berjeh nennen oder genannt haben, ist ein Mittelding zwischen einen Ignoranten und einem Halbwisser. ך Ibn As Sumak, (gest. 7‘J9) ein berühmter mohamedanischer Prediger fragte einst seine Sklavin wie ihr seine Predigt gefal-

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